Sie kam, sah und siegte - für Deutschland. Nia Künzer verzückte ganz Fussball-Deutschland mit ihrem goldenen Treffer in der Verlängerung des Endspiels um die FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2003 in den USA gegen Schweden. Zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit wurde die 23-jährige Abwehrspielerin für Pia Wunderlich eingewechselt. Ich habe Nia als zusätzliche Absicherung vor der Abwehr gebracht, denn sie war die frischeste", erklärte Bundestrainerin Tina Theune-Meyer nach dem Spiel ihren Glücksgriff.
Künzer füllte diese Position hervorragend aus, nutze ihren Freiraum nach vorne. Kurz vor ihrem Treffer hatte sie bereits die Möglichkeit, das Golden Goal' zu erzielen, als sie freistehend vor Caroline Jönsson zum Schuss kam, doch noch an der schwedischen Torhüterin scheiterte. Doch Künzer ließ sich davon nicht beeindrucken, suchte erneut ihre Chance und nutze diese. In der achten Minute der Nachspielzeit brachte Renate Lingor einen scharfen Freistoß von der rechten Seite hoch in den Strafraum. Auf Höhe des Elfmeterpunkts stand Künzer, schraubte sich in die Luft und köpfte das Leder unhaltbar unter die Querlatte. Das Golden Goal' bedeutete den ersten WM-Gewinn für Deutschland.
Die 1,68 m große Spielerin konnte es gar nicht fassen. Ich war zunächst verwirrt, wusste gar nicht, was passiert ist. Ich habe es erst gar nicht begriffen, weil mein Kopfball ja eigentlich gar nicht so fest war. Aber dann sind mir gleich zwei, drei Sekunden später die ersten Spielerinnen um den Hals gefallen, und da war klar, dass wir Weltmeister sind."
Am 27. Mai 1997 feierte die in Botswana geborene Sozialpädagogik-Studentin ihr Debüt im Nationaltrikot gegen Dänemark. 29 weitere Spiele folgten, in denen sie bislang lediglich einen Treffer erzielte. Das zweite Tor war sicherlich das wertvollste ihrer Karriere. Es war ein unbeschreiblicher Moment. Ein Tor zum WM-Titel zu schießen, ist immer bedeutungsvoll", so Künzer freudestrahlend, mir war es egal, wer das Tor macht. Dass ich es bin und dann noch ein Golden Goal', das ist der Wahnsinn", freut sich die beim 1. FFC Frankfurt in der Bundesliga spielende Akteurin.
Wir hätten das Ding in der zweiten Halbzeit schon entscheiden können. In der Halbzeit haben wir uns nochmal richtig angeheizt. Wir wussten, dass wir das noch packen. Besser als mit dem Ausgleich von Maren Meinert hätten wir in die zweite Halbzeit nicht starten können."
Künzer hat in ihrer jungen Karriere bereits einige Rückschläge einstecken müssen. Mit 15 Jahren setzte sie ein Kreuzbandriss zum ersten Mal fast ein Jahr lang außer Gefecht, zwei weitere Kreuzbandrisse folgten. Bei der Europameisterschaft 2001 fiel sie wegen einer Bänderverletzung aus und betätigte sich als Fernseh-Co-Kommentatorin. Doch die Abwehrspielerin kämpfte sich immer wieder zurück und sorgte nun mit dem 2:1-Siegtreffer für den Höhepunkt ihrer Karriere. Jetzt hofft sie, dass der WM-Sieg den Frauenfussball nach vorne bringt".