Ein Führungstreffer – noch dazu möglichst früh erzielt - ist oft entscheidend im Fussball. Wer in Führung geht, gewinnt nicht nur meistens das Spiel. Nach einem ersten Tor spielen die Mannschaften auch befreiter nach vorn.

Diese Bedeutung eines eventuellen Führungstreffers ist den Schwedinnen vor ihrem ersten Endspiel bei einer FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft am Sonntag gegen Deutschland besonders bewusst.

Mittelfeldspielerin Malin Andersson jedenfalls glaubt, dass "der erste Treffer das Spiel entscheidet". "Das heißt nicht, dass die Partie vorbei ist, sollte Deutschland ein Tor machen, aber es würde dann außerordentlich schwierig, noch zu gewinnen."

In drei ihrer vier letzten Spiele ist den Schwedinnen tatsächlich die Führung gelungen - und alle drei wurden gewonnen. Einzig in der Halbfinalpartie gegen Kanada mussten die Skandinavierinnen einen Rückstand aufholen. Allerdings machten die Nordamerikanerinnen den Fehler, sich nach der Führung ganz in die Abwehr zurückzuziehen und hatten der geballten Offensivkraft und Schnelligkeit der Schwedinnen nichts entgegenzusetzen. Gegen die Deutschen würde das sicher ganz anders aussehen.

"Wenn die Deutschen in Führung gehen spielen sie sicherlich viel cleverer", glaubt Abwehrspielerin Kristin Bengtsson. "Kanada hat einfach versucht, uns mit langen Bällen vom Tor weg zu halten. Uns war das egal, den wir haben den Ball ja postwendend zurück bekommen. Deutschland hat nach der Führung gegen die USA richtig gut gespielt, also dürfen wir sie möglichst nicht in Führung gehen lassen."

Gegen den haushoch favorisierten Gastgeber hatte Deutschland im Halbfinale mit 3:0 die Oberhand behalten und sich damit zum zweiten Mal die Teilnahme am Endspiel gesichert. Nach einer Viertelstunde hatte Kerstin Garefrekes die Deutschen per Kopf in Führung gebracht. Den Rest der Spielzeit konterten die Deutschen wie aus dem Lehrbuch. Je verzweifelter die Amerikanerinnen auf den Ausgleich drängten, desto mehr Lücken taten sich für die Deutschen in der Abwehr auf. Diese nutzten sie, um in der Schlussphase mit zwei weiteren Toren den Sack zuzumachen.

"Wir müssen unbedingt auf das erste Tor drängen", findet daher Malin Andersson. "Wenn wir in Führung gehen, bekommen wir mehr Platz und können unsere Schnelligkeit ausspielen. Und wenn sie in Führung gehen, müssen wir kühlen Kopf bewahren und versuchen, dank unserer Schnelligkeit in den Rücken ihrer Abwehr zu gelangen."

Wie's gemacht wird, haben die Schwedinnen ja schon gegen Kanada bewiesen. Nach der relativ späten Führung für Kanada in der 65. Minute durch Kara Lang wollten die Nordamerikanerinnen das Ergebnis nur noch über die Zeit retten. Aber die Schwedinnen überliefen die kanadische Abwehr ein ums andere Mal. Ganze 14 Minuten brauchten sie für den Ausgleich. Abwehrspielerin Hanna Marklund hatte indes nie einen Zweifel am Ergebnis.

"Ich glaube, wir waren spielerisch die ganze Zeit überlegen. Wir hatten so viele Chancen, dass wir immer überzeugt waren, noch ein Tor zu machen", sagt auch Stürmerin Josefin Öqvist. "Nach ausgelassenen Chancen haben wir natürlich gehadert, aber ich glaube nicht, dass irgendwer Zweifel daran hatte, dass wir noch treffen würden. Als Malin (Moström) dann den Ausgleich markiert hatte war uns allen klar, dass wir auch gewinnen würden."

Ausgerechnet Josefin Öqvist, das Nesthäkchen im schwedischen Kader, machte den Siegtreffer mit einem fulminanten Rechtsvolley an den Innenpfosten, von wo das Leder ins Tor prallte. Für Malin Andersson ist damit klar: Gegen ein physisch starkes und noch dazu sehr defensiv eingestelltes Team einen Rückstand in einen Sieg umzuwandeln gibt Selbstvertrauen.

"Unserem Tempo konnten sie nichts entgegensetzen", findet Malin Andersson. "Durch den Rückstand haben sie uns sogar geholfen, besser zu spielen. Aber die Deutschen würden wohl nach einer Führung ganz anders spielen als Kanada."

Für Kristin Bengtsson jedenfalls steht fest: Egal ob Deutschland oder Schweden in Führung geht - wichtig wird sein, nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Die Schwedinnen machen derweil kein Geheimnis daraus, dass sie der Robustheit und der Kopfballstärke der Deutschen mit Schnelligkeit und Kontern begegnen wollen. Der Schnelligkeit der Schwedinnen kommt laut Kristin Bengtsson besondere Bedeutung zu.

"Wir müssen einfach raus gehen und daran glauben, dass wir zuerst treffen", sagt sie. "Wenn wir in Rückstand geraten, müssen wir es eben so machen wie gegen Kanada und versuchen, schnell hinter die gegnerische Abwehr zu kommen. In diesem Spiel hatten wir viele Chancen und wir haben nie nachgelassen, auch wenn uns erst spät ein Tor gelungen ist. Ich glaube, das wird auch im Finale entscheidend sein."