Zwischen der 78. und der 90. Minute des Halbfinalspiels gegen Kanada besannen sich die Schwedinnen auf ihre Stärke. Nachdem sie mit 0:1 gegen Kanada zurück lagen, mussten die Skandinavierinnen sich gewaltig ins Zeug legen, um überhaupt den Ausgleich zu schaffen, denn die Nordamerikanerinnen verteidigten ihre knappe Führung mit Mann und Maus. Doch ein Unentschieden reichte den Schwedinnen letztlich nicht, und so drückten sie nach dem Ausgleich machtvoll weiter auf den Siegtreffer.

Lohn der Anstrengung waren zwei spektakuläre Tore in den letzten elf Minuten der Partie und mit dem 2:1-Sieg der erstmalige Einzug ins WM-Endspiel. Allerdings war es für die Schwedinnen keine völlig neue Erkenntnis, wie stark sie sein können, sondern eher eine Bestätigung dessen, was sie ohnehin schon wussten.

"Wir haben in diesem Spiel sicher keine neue Dimension erreicht", meinte Stürmerin Hanna Ljungberg anschließend. "Wir wussten einfach, dass wir die bessere Mannschaft waren, und wir hatten schließlich auch den ganzen Abend besser als die Kanadierinnen gespielt. Bei den vielen Torchancen die wir hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis wir endlich trafen."

Für Ljungberg, die mit 93 Länderspielen zu den Veteraninnen gehört, war der Sieg über Kanada nichts Außergewöhnliches, schließlich siegte am Ende die klar bessere Mannschaft. Nur die Art und Weise des Sieges fand sie recht dramatisch. Doch einige ihrer Mannschaftskameradinnen waren da nicht so sicher. Josefine Öqvist, die schließlich das entscheidende Tor markierte, meinte, sie sei von der ersten Sekunde an furchtbar nervös gewesen. Kein Wunder, hat sie doch im Gegensatz zu Ljungberg erst sieben Länderspiele absolviert.

Nervöse Öqvist

"Ich habe es die ganze Zeit gespürt", so die 20-Jährige. "Ich war zwar am Anfang sehr nervös, aber viele unserer Spielerinnen waren ganz ruhig. Ich habe gespürt, dass sie wussten, wir würden gewinnen, und das gab mir Selbstvertrauen. Ich bin immer noch ein bisschen wie in Trance, weil ich dieses Tor gemacht habe, und natürlich bin ich sehr glücklich, weil wir nun im Endspiel sind."

Die jüngeren und weniger erfahrenen Spielerinnen im schwedischen Team haben wohl am meisten aus dem Halbfinalsieg der Schwedinnen gelernt. Und gerade weil die erfahrenen Spielerinnen so siegessicher waren, empfanden sie den Sieg letztlich nicht als so etwas besonderes.

Normalerweise sind die Schwedinnen gern in der Rolle der Außenseiter. Sie scheuen stets vor markigen Sprüchen zurück und kündigen nur selten "Wir werden siegen" an. Doch gegen Kanada war dies anders.

"Ich weiß nicht, ob das tatsächlich so neu ist", meinte Abwehrspielerin Jane Törnqvist. "Wir wussten einfach, dass wir die bessere Mannschaft waren. Wir haben auf die verbleibende Zeit geschaut und gesehen, wie die Kanadierinnen spielten, und wir wussten ganz einfach, dass wir noch zwei Tore machen würden. Wir kannten die Aufgabe und wussten, was zu tun war. Das ist eigentlich nichts Neues für uns."

Dieses Selbstvertrauen ist man von der schwedischen Nationalmannschaft nicht gewöhnt. Vor zwei Jahren, als die Mannschaft im Finale der UEFA-Europameisterschaft der Frauen ebenfalls gegen Deutschland im Finale stand, war von dem jetzigen Selbstvertrauen kaum etwas zu spüren. Ljungberg fasste es am Freitag so zusammen:

Schweden will den Titel

"Nun, wir haben die Silbermedaille schon sicher. Doch das ist uns nicht genug. Wir wollen noch einen Schritt weiter gehen. Wir wissen, dass wir gegen jedes Team bestehen und gewinnen können. Jetzt ist unsere Stunde gekommen!"

Einen Grund für die schwedische Selbstsicherheit wusste sie auch zu nennen. Im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften, die um ein oder zwei herausragende Spielerinnen aufgebaut sind, ist das schwedische Team auf allen Positionen sehr stark besetzt. Wenn eine wichtige Spielerin wie Ljungberg im Angriff nicht trifft, oder wenn eine Verteidigerin wie Törnqvist ein Spiel aussetzen muss, rücken die Schwedinnen einfach etwas enger zusammen und sammeln sich und ihre Kräfte um eine andere.

"Wir haben eine starke Abwehr und einen sehr guten Sturm. Alle arbeiten sehr gut zusammen", so Ljungberg. "Jede Spielerin in unserer Mannschaft kann das entscheidende Tor erzielen. Wir vertrauen uns und glauben an uns. Deswegen macht es so großen Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen. Wir spielen alle für einander."