Das Abschneiden Chinas bei der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 ließ doch sehr zu wünschen übrig. Auf den ersten Blick scheint das Problem lediglich darin zu liegen, dass es den Spielerinnen nicht gelang, die jeweils starken Abwehrketten der Gegner zu durchbrechen. Doch das Turnier hat gezeigt, dass das Problem viel tiefer liegt. China hat es nicht verstanden, mit den großen Veränderungen im internationalen Frauenfussball Schritt zu halten. Heutzutage muss man stark, athletisch und körperbetont spielen und das Spiel an sich reißen, indem man den Ball durch Schnelligkeit und Einsatz immer wieder erkämpft.
Die europäischen Mannschaften, insbesondere Deutschland, Schweden und Norwegen, haben mich sehr beeindruckt. Ihre Fortschritte in den vergangenen vier Jahren sind wirklich enorm sie gehören jetzt definitive zur Weltspitze. Den Erfolg Deutschlands kann man zum Teil auf neue Strategien zurück führen. Die Deutschen haben nicht nur ihre Fertigkeiten am Ball verbessert, sondern sind auch viel schneller geworden. Möglicherweise sind sie jetzt sogar schneller als die Chinesinnen. Außerdem hat Deutschland eine ganze Reihe außerordentlich talentierter Spielerinnen. Neben der Starstürmerin Birgit Prinz gibt es noch viele andere Spielerinnen, die Bälle erkämpfen, Angriffe einleiten und sich gegen die Abwehr durchsetzen können. Damit haben die Deutschen viel mehr Offensivoptionen und schießen in der Folge deutlich mehr Tore.
Im Gegensatz hierzu ist der Angriff Chinas eher eindimensional und eine effektive Verteidigung dadurch einfacher. Hinzu kommt, dass der Ball in den chinesischen Reihen nicht so schnell lief, wie es erforderlich gewesen wäre. So kamen die Chinesinnen kaum zu guten Torchancen. Obwohl China allerdings in seinen Spielen jeweils deutlich mehr Chancen hatte, als der Gegner, sprangen dabei nur sehr wenige Tore heraus, nämlich nur drei in vier Spielen.
Die FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr hat einige deutliche Trends gezeigt, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Zunächst einmal konnte man beobachten, dass viele Mannschaften große Fortschritte gemacht haben und dass die Kluft zwischen den Spitzenmannschaften und dem Rest viel kleiner geworden ist. Die europäischen Mannschaften sind hierfür der beste Beweis. Eine weitere interessante Entwicklung besteht darin, dass körperliche Dinge wie Größe, Schnelligkeit und Kraft immer wichtiger werden. Von den acht Mannschaften, die es ins Halbfinale geschafft haben, war Kanada die technisch schwächste. Dennoch gelang es den Kanadierinnen mit ihrem körperbetonten und aggressiven Spiel die favorisierten Chinesinnen zu besiegen.
Auch das körperbetonte Spiel der USA hat mich beeindruckt, umso mehr, als dass das Durchschnittsalter des amerikanischen Teams deutlich höher liegt, als bei den meisten anderen Mannschaften. Zwar stand am Ende des Halbfinales zwischen Deutschland und den USA ein deutlicher 3:0-Sieg für Deutschland, doch das Spiel selbst war ziemlich ausgeglichen, und zum Beginn der Nachspielzeit stand es ja auch nur 1:0. China könnte auch von Nordkorea einiges lernen wenn die Nordkoreanerinnen etwas mehr internationale Erfahrung gesammelt haben, dürfte es in den nächsten Jahren sehr interessant werden, deren Entwicklung zu beobachten.
China hat sich 1999 mit einem hartnäckigen und selbstbewussten Stil bis ins Finale gekämpft. Dabei zeigte die Mannschaft Selbstvertrauen und Siegeswillen, während sich die guten technischen Fähigkeiten der Spielerinnen voll entfalten konnten.
Nach dieser Weltmeisterschaft werden eine ganze Reihe von Ländern ihren Stil verändern müssen, wenn sie beim nächsten Turnier erfolgreicher sein wollen. Insbesondere die chinesische Mannschaft steht vor großen Veränderungen, da viele Stammspielerinnen allmählich die 30 erreichen und sich aus der Nationalmannschaft zurückziehen werden. Vor China, dem wichtigsten Fussballland in Asien und ehemaligen Asien-Meister, liegt bis zur Weltmeisterschaft 2007 noch ein schwieriger und langer Weg.
