Wenn es am Sonntag im Finale der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 gegen Deutschland geht, wollen die Schwedinnen keine geheime, aber dafür eine umso wirkungsvollere Waffe einsetzen - ihre Schnelligkeit.

"Unsere Schnelligkeit wird im Spiel gegen Deutschland ausschlaggebend sein", sagt die schwedische Cheftrainerin Marika Domanski-Lyfors. "Nur mit Schnelligkeit und guter Technik können wir die Deutschen davon abhalten, uns zu weit zurück zu drängen, und gleichzeitig versuchen, in den Rücken ihrer Abwehr zu kommen."

Nach ihrer Niederlage im ersten Gruppenspiel gegen die USA haben die Schwedinnen gezeigt, wie weit man mit Tempofussball kommen kann. Nach vier Siegen in Folge stehen sie im Finale der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 - und in jedem Spiel war Schnelligkeit der Schlüssel zum Sieg. Egal ob man die Stürmerinnen Hanna Ljungberg und Victoria Svensson, die Mittelfeldspielerinnen Anna Sjöström und Malin Moström oder die Verteidigerinnen Jane Törnqvist und Karolina Westberg betrachtet - sie alle verfügen über eine so hohe Grundschnelligkeit, dass sie jederzeit das Tempo anziehen können und dadurch mehr Chancen herausspielen, als langsamere Spielerinnen.

"Unsere Schnelligkeit erlaubt es uns, aggressiv zu spielen", meint Moström. "Und gegen Deutschland werden wir sehr aggressiv spielen müssen. Wir müssen unseren besten Fussball zeigen und versuchen, sie immer wieder unter Druck zu setzen."

Schnelles Umschalten von Defensive auf Offensive

Die schwedische Spielführerin Malin Andersson ist der Meinung, dass ihr Team aufgrund der Schnelligkeit der Einzelspielerinnen in der Lage ist, sofort von der Defensive in die Offensive umzuschalten und umgekehrt. Diese Fähigkeit zum schnellen Umschalten bekamen vor allem die Kanadierinnen im Halbfinale zu spüren - und auch gegen Deutschland wollen die Schwedinnen sich dadurch Vorteile verschaffen.

"Es kommt viel darauf an, dass wir den Ball kurz und flach spielen", so Andersson. "Wir müssen wirklich versuchen, mit Kurz- und Flachpassspiel zum Erfolg zu kommen. Denn letzten Endes nützt dir all deine Schnelligkeit nichts, wenn du keine guten, genauen Pässe bekommst."

Außerdem wird laut Andersson die schwedische Fähigkeit zum schnellen Umschalten von der Abwehr in den Angriff auch davon beeinflusst, wie aggressiv die blaugelbe Defensive zu Werke geht.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass sie gute Pässe spielen", sagt Andersson. "Das müssen wir mit allen Mitteln verhindern. Die Deutschen sind wirklich gut darin, Überzahlsituationen zu schaffen und Doppelpässe zu spielen, und das gelingt ihnen durch gute und schnelle erste Pässe. Wir müssen die ballführende Spielerin sofort unter Druck setzen, und wenn sie dennoch einen Pass spielen kann, müssen wir den Rückpass verhindern."

Die schwedische Spielführerin betont, dass es umgekehrt der deutschen Abwehr nicht gelingen darf, das schwedische Passspiel zu unterbinden. Den Schlüssel zum Erfolg sieht auch hier in der Schnelligkeit ihres Teams.

"Wir müssen den Ball schnell laufen lassen", so Andersson. "Nur wenn wir unser Spiel mit Tempo aufziehen, zwingen wir sie dazu, hinter uns her zu laufen - und das wird für größere Freiräume sorgen. Aber es hängt alles von unserem Passspiel ab. Kommen die Pässe ungenau, dann haben wir keine Chance."

Mit Svensson und Ljungberg verfügen die Schwedinnen über das wahrscheinlich schnellste Sturmduo des Turniers. Auch wenn sie der deutschen Viererkette körperlich unterlegen sind, haben die schwedischen Stürmerinnen mit dieser Situation gute Erfahrungen gemacht: Auch gegen die kanadische Abwehr wirkten Svensson und Ljungberg auf den ersten Blick deutlich unterlegen, aber im Verlauf des Spiels stellte das schwedische Sturmduo ihre Gegenspielerinnen ein ums andere Mal vor fast unlösbare Aufgaben. Svensson bereitete beide schwedischen Tore vor, während Ljungberg mit ihren Sprints durch die kanadische Hintermannschaft häufig drei Gegnerinnen auf sich zog.

Gute Balance ist wichtig

Doch Marika Domanski-Lyfors weiß auch, dass Schnelligkeit allein nicht ausreichen wird, den Weltmeistertitel nach Schweden zu holen.

"Wir brauchen eine gute Balance", so die schwedische Cheftrainerin. "Wir müssen die ballführende Spielerin mit unserer Schnelligkeit unter Druck setzen, doch auch in der Tiefe gut stehen. Wir müssen versuchen, einige Spielerinnen weit genug in die deutsche Hälfte zu bringen, um offensiv jederzeit gefährlich zu sein, aber wir dürfen auch nicht zu offensiv stehen und dabei unsere Verteidigung vernachlässigen. Es kommt also darauf an, die richtige Balance zu haben."

Für Moström lässt diese Balance sich nur mit einem Mittel herstellen: "Unsere Schnelligkeit ist der Schlüssel", sagt sie. "Alles was wir tun, müssen wir schnell tun."