Als Martina Müller vor knapp zwei Monaten im WM-Vorbereitungsspiel gegen Nigeria zur Halbzeit eingewechselt wurde, sich 45 Minuten lang in der sengenden Hitze von Trier abrackerte und zwei Tore erzielte, zeichnete sich bereits ab, dass die 23-Jährige auf den 20-köpfigen WM-Zug aufspringen würde. Schon in den Trainingslagern zuvor war für Bundestrainerin Tina Theune-Meyer zu sehen, dass Müller auf einem guten Weg war.
Doch dass die Stürmerin, die in der Bundesliga für SC 07 Bad Neuenahr spielt, nur wenige Wochen später für derartiges Aufsehen bei der Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2003 sorgen würde, hat sie selber am allerwenigsten erwartet. Das ist wie ein Traum", strahlt Müller und zeigt ihr sympathisches Lächeln.
Im Viertelfinale gegen Russland erzielte sie den Führungstreffer zum 1:0, bereits im Vorrundenspiel gegen Argentinien trug sie sich mit einem wunderschönen Kopfball in die Torschützenliste ein.
Martina Müller hat fantastische Tore erzielt, darunter das wichtige gegen Russland. Das Kopfballtor gegen Argentinien war phänomenal", schwärmt sogar Theune-Meyer.
Einen großen Anteil an ihrem steilen Aufstieg schreibt Müller der Sportfördergruppe zu. Dort kann ich professionell trainieren. Die Vorbereitung war optimal", so Müller.
WUSA-Engagement geplatzt
Traurig ist die gebürtige Kasslerin, dass die US-Profiliga WUSA ihren Betrieb eingestellt hat. Denn der nächste Sprung auf der sportlichen Karriereleiter war bereits geplant: ein Wechsel in die USA zu Philadelphia Charge. Der US-Klub hatte Müller bereits ein Angebot unterbreitet. Ich hoffe, dass es mit dem professionellen Frauenfussball in den USA weitergeht", erklärt Müller.
Müller, die den Spitznamen M + M trägt, genießt die Atmosphäre in den USA und freut sich besonders über den Zusammenhalt in der Mannschaft. Gegen die USA standen wir am Rand und haben alle mitgefiebert. Da war kein Neid zu spüren, dass man selber nicht auf dem Platz stand."
Möglicherweise steht ein weiteres Highlight ihrer Karriere kurz bevor ein Einsatz im WM-Finale gegen Schweden. Bundestrainerin Tina Theune-Meyer deutete wenige Tage vor dem Endspiel an, möglicherweise Umstellungen in der Aufstellung gegenüber dem USA-Spiel vorzunehmen. Vielleicht spielt in diesen Überlegungen Müller eine Rolle, eine offensiv ausgerichtete deutsche Mannschaft mit Prinz, Meinert und Müller im Angriff wie im Viertelfinale gegen Russland ist durchaus auch gegen Schweden denkbar.
Conny Pohlers im Vordergrund
Eine weitere Stürmerin hat sich in den vergangenen Monaten und auch bei der Weltmeisterschaft in das Blickfeld gespielt: Conny Pohlers. Auch sie erzielte bei ihrem Einsatz gegen Argentinien einen Treffer, würde natürlich gerne häufiger ihr Können unter Beweis stellen. Alle 20 Spielerinnen würden am liebsten immer spielen, das ist doch klar", so Pohlers. Auch sie bekommt ihr Lob von der Bundestrainerin: Sie hat sich toll in die Mannschaft integriert."
Diesen Erfolg schreibt sie in erster Linie ihrem Engagement in der WUSA zugute, wo sie ein halbes Jahr für Atlanta Beat spielte. Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich heute nicht hier", ist sich die 24-Jährige sicher. Außerdem hat sie der Auslandsaufenthalt auch persönlich weiter gebracht. Alle haben mir sehr bei der Integration geholfen und ich habe viele neue Freunde gewonnen."
