Von Shannon Boxx

Wenn ich auf den vergangenen Monat zurück blicke, kann ich nur ungläubig staunen. Wir haben nur noch ein einziges Spiel bei dieser Weltmeisterschaft vor uns, und ich kann kaum glauben, wie schnell das Turnier vorbei war. Diese Weltmeisterschaft war eine unglaubliche Erfahrung für mich, weil ich eigentlich überhaupt nicht damit gerechnet hatte, hier zu sein. Wenn ich jetzt auf die Weltmeisterschaft zurück schaue, dann ist mir immer noch ganz wirr im Kopf, wie nach einem Wirbelsturm, denn das Turnier hat für mich viele Veränderungen gebracht - und zwar gute!

"Ich kann kaum glauben, dass dies jetzt mein Leben ist. Nie zuvor hätte ich mir all das träumen lassen. Einen Tag vor der endgültigen Bekanntgabe des Kaders habe ich es ins Team geschafft. Dabei wollte ich vor drei Jahren sogar ganz mit dem Fussball aufhören! Ich habe versucht, jede Minute der Weltmeisterschaft zu genießen, und (fast) jeder Tag war toll.

Das ist wirklich lustig, denn eigentlich hatte ich ja überhaupt nichts erwartet. Als ich erfuhr, dass ich in der Mannschaft war, dachte ich, 'Toll, ich bin in der Mannschaft - aber ich werde wohl nicht viel spielen.' Doch dann stand ich beim ersten Spiel gleich in der Startaufstellung, das war unglaublich. Und dann im nächsten Spiel wieder, und auch bei dem so wichtigen Spiel gegen Deutschland - einfach unglaublich. Gar nicht zu sprechen von dem Charterflugzeug, mit dem wir herumgeflogen sind. Es war eine außerordentlich tolle Zeit. Gerade wenn man nichts erwartet, wird es nur um so aufregender.

Ich empfinde es als großes Glück, dass ich zusammen mit solch tollen Spielerinnen spielen durfte. Wenn man in der WUSA mit bzw. gegen sie spielt, lernt man sie schon etwas kennen. Doch wie sie sich abseits des Feldes verhalten, das lernt man dabei nicht. Ich habe viel von ihnen gelernt, und ich habe auch viel über sie gelernt. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass sie sich alle untereinander sehr wohl fühlen und ich habe gelernt, dass sie mit ganzem Herzen dabei sind, wenn sie auf den Platz gehen. Natürlich habe ich auch gespürt, wie gern sie die Weltmeisterschaft gewonnen hätten. Das war im Spiel gegen Deutschland und auch danach deutlich zu spüren.

Ich finde, die Mannschaft hat gut auf die Niederlage gegen Deutschland reagiert. Natürlich waren wir nach dem Spiel gegen Deutschland am Boden zerstört und völlig niedergeschlagen, und in gewisser Weise sind wir das auch jetzt noch. Doch wir können die Zeit nicht zurück drehen. Was geschehen ist, ist geschehen. Jetzt konzentrieren wir uns alle voll und ganz auf das Spiel gegen Kanada. Dieses Spiel am Samstag ist unsere Chance allen zu beweisen, dass wir eine großartige Mannschaft sind. Wir können die Weltmeisterschaft mit einem Sieg beenden. Das wollen wir tun und dafür werden wir kämpfen.

Es war für mich eine großartige Erfahrung, in dieser Mannschaft zu spielen, doch ich bin natürlich auch enttäuscht, dass wir nicht so weit gekommen sind, wie wir wollten, dass wir das ganz große Ziel nicht erreicht haben. Ich fühle mich für meine Leistung im Spiel gegen Deutschland verantwortlich, und ich fühle mich auch dafür verantwortlich, dass unsere Veteraninnen ihre Karrieren nun nicht mit einem weiteren Weltmeistertitel beenden können. Ich fühle mich noch sehr neu und habe nicht so gut gespielt wie ich gekonnt hätte, wenn ich mich in dieser Umgebung schon richtig wohl gefühlt hätte.

Es ist allerdings erst meine erste Weltmeisterschaft und ich hoffe doch sehr, dass ich noch bei weiteren spielen kann. Aber dass ich jetzt in der Mannschaft bin, bedeutet ja auch noch lange nicht, dass ich auch drin bleibe. Ich weiß genau, dass ich sehr viel arbeiten muss, um bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, denn geschenkt wird einem nie etwas.