Die Hauptpositionen der schwedischen Elf, die im Finale der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2003 in den USA gegen Deutschland auflaufen wird, stehen fest. Im Tor der Schwedinnen hat Caroline Jönsson das Vertrauen ihrer Nationaltrainerin. Ebenso Mittelfeldmotor Malin Moström. Und im schwedischen Angriff war ohnehin klar, dass Victoria Svensson in der Anfangself auflaufen wird.

Alle diese Spielerinnen wurden ins "MasterCard All-Star-Team" der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 gewählt. Der einzige Mannschaftsteil in der schwedischen Frauenfussball-Nationalmannschaft, der bisher noch keine richtige Anerkennung gefunden hat, ist die Abwehrkette.

"Das ist eigentlich immer so", sagte die schwedische Innenverteidigerin Jane Törnqvist. "Ich denke, dass die Mädels alle verdient hätten, in ein All-Star-Team gewählt zu werden. Mir selbst bedeutet es jedoch nicht so viel."

In vier Spielen nur zwei Tore zugelassen

Törnqvist und ihre Mannschaftskameradin Karolina Westberg sind in der zentralen Abwehr der Schwedinnen die Pfeiler der schwedischen Abwehrkette, die am kommenden Sonntag im Endspiel der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2003 in den USA gegen Deutschland antreten wird. Sie zeichnet sich dadurch besonders aus, dass sie in den letzten vier Spielen der Schwedinnen nur zwei Tore zugelassen hat und während der bisher insgesamt fünf absolvierten Partien bei dieser WM-Endrunde auch nur fünf Gegentreffer hinnehmen musste.

Und nur eines dieser Gegentore, das bei der Niederlage der Schwedinnen in ihrem Auftaktspiel gegen die USA fiel, wurde aus dem laufenden Spiel heraus erzielt. All diese statistischen Daten belegen laut Westberg, dass die schwedische Abwehr einfach sehr gute Arbeit leistet, auch wenn kaum jemand dies besonders bemerkt.

"Ich denke nicht, dass dies der ausschlaggebende Punkt ist", meint Westberg. "Wir wissen ganz genau, dass unsere Hauptaufgabe darin besteht, Gegentreffer zu verhindern und dabei steht man halt etwas weniger im Rampenlicht, aber das sollte uns eigentlich egal sein. Wir haben uns bisher beachtlich geschlagen und es bis ins Finale des Turniers geschafft. Für uns bedeutet dieser Erfolg, dass wir auch in unserer Abwehr mehr oder weniger alles richtig gemacht haben müssen."

Da Törnqvist während des gesamten Turnierverlaufs bei der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft noch keinen Treffer erzielt hat, befindet sie sich vor dem großen Finale jedoch in einer eher ungewohnten Lage. In der Statistik der 27-Jährigen stehen bisher zehn Tore, die sie bei ihrem Klub Djurgården/Älvsjö als Abwehrspielerin erzielt hat, und ihre Offensivqualitäten sind der schwedischen Nationaltrainerin Marika Domanski-Lyfors sehr wohl bekannt. Es war auch Domanski-Lyfors, die Törnqvist zu einer hervorragenden Abwehrspielerin umfunktioniert hat, als beide für die schwedische U-17-Nationalmannschaft tätig waren.

Obwohl sie sich so oft wie möglich in den Angriff einschaltet, gesteht Törnqvist ein, dass das Spielniveau bei der diesjährigen FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft die Abwehrspielerinnen dazu zwingt, sich nur in Ausnahmefällen von ihren Defensivpositionen wegzubewegen, um das eigene Tor so gut wie möglich vor den gefährlichen gegnerischen Kontern zu schützen.

Törnquist: Müssen Tore verhindern

"Ich denke, dass es heutzutage für eine Abwehrspielerin viel schwieriger und gefährlicher ist, sich mit in den Sturm einzuschalten. Und zwar nicht aufgrund der harten Abwehrarbeit, die heutzutage verlangt wird, sondern weil die gegnerischen Stürmerinnen in den letzten Jahren einen enormen qualitativen Entwicklungssprung gemacht haben," sagte Törnqvist. "Wir kommen von hinten bei Standardsituationen, Eckbällen, Freistößen und auch zur Unterstützung des Mittelfeldes mit nach vorne, aber in jedem Falle muss unser Hauptaugenmerk zunächst darauf liegen, Tore zu verhindern und nicht, welche zu erzielen."

Die beiden schwedischen Stars könnten in punkto Spielanlage oder Erscheinungsbild nicht gegensätzlicher sein. Westberg, 25 Jahre alt, ist mit ihren blonden Haaren und den blauen Augen eine Schwedin wie aus dem Bilderbuch. Wohingegen Törnqvists äußeres Erscheinungsbild keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass sie philippinischer Herkunft ist. Westberg ist Rechtsfuss und hat einen gewaltigen Schuss, den sie auch einsetzt, um ab und an den Ball mit einem gewaltigen Befreiungsschlag aus den Gefahrenbereich zu schlagen.

Törnqvist ist trotz ihrer eher zierlichen Statur eine verbissene Kämpferin, die sich mit furchtloser und unermüdlicher Aufopferungsbereitschaft in Zweikämpfe stürzt. Trotz dieser Unterschiede bilden diese beiden Spielerinnen eines der weltbesten Duos in der zentralen Abwehr einer Frauenfussball-Nationalmannschaft.

"Ich denke, dass sich unsere Abwehr im bisherigen Turnierverlauf recht beachtlich geschlagen und teilweise richtig gute Leistungen gezeigt hat," erklärte Domanski-Lyfors. "Wir haben uns von Spiel zu Spiel beachtlich gesteigert. Jane und Karolina sind für unser gesamtes Team überaus wichtig, und sie haben bisher ihre Sache auch sehr gut gemacht. Die beiden spielen nicht in der Nationalmannschaft, weil sie sich ausrechnen, irgendwelche Preise oder Auszeichnungen zu bekommen. Deshalb bin ich eigentlich davon überzeugt, dass sie nicht darüber verärgert sind, dass sie nicht in das All-Star-Team gewählt wurden."

Frühe Anstoßzeit kein Problem für die Schwedinnen

Westberg meinte außerdem, dass der frühmorgendliche Anstoßzeitpunkt keine großen Auswirkungen auf die Einstellung und die Leistung insbesondere der schwedischen Abwehr haben wird. Das gelte aber auch für den Rest des Nationalteams.

"In Schweden trainieren wird auch sehr früh morgens, bevor wir zur Arbeit gehen. Deshalb sind wir diese frühen Spielzeiten bereits gewohnt," sagte Westberg, die beim schwedischen Klub Malmö FF unter Vertrag steht. "Außerdem denke ich, dass alle Spielerinnen vor dem Finale hellwach sein werden. Und schließlich ist es ja auch so, dass wir derzeit sowieso alle sehr früh aufstehen, zwischen 5 und 6 Uhr morgens."

Die beiden Verteidigerinnen könnten außerdem auch mit einer leicht unterschiedlichen Einstellung ins Finale gegen die Deutschland gehen. Törnqvist zum Beispiel war bei den letzen beiden Aufeinandertreffen gegen die Deutschen nicht im schwedischen Kader. Sie hatte sich 2001 einen Bänderriss zugezogen und musste sich die UEFA-Europameisterschaft 2001 von der Tribüne aus ansehen. Damals gewann Deutschland den Europameistertitel. Und beim Algarve Cup 2002 war sie gegen Deutschland auch nicht am Start. Hier konnten jedoch die Schwedinnen den Sieg für sich verbuchen.

Törnqvist hat jedoch keine Revanchegefühle gegen die deutsche Nationalmannschaft. "Nein, auf keinen Fall gegen das deutsche Nationalteam," erklärte sie. "Ich mache mir über die anderen Spielerinnen nicht so viele Gedanken. Ich versuche meine gesamte Konzentration auf meine eigene Person zu lenken und darauf, was mein eigenes Team zu leisten hat. Es ist, wie wir alle wissen, nur Fussball. Und ich muss mein Hauptaugenmerk auf meine Aufgaben auf dem Spielfeld richten und die Leistungen, die ich bringen muss."

Westberg, die auch deutsch spricht und die bei den Spielen 2001 und 2002 gegen die Deutschen dabei war, könnte ein oder zwei Dinge zum amtierenden Europameister Deutschland sagen.

"Ja, vielleicht," sagte sie lachend. "Vielleicht können wir ja ein bisschen miteinander plaudern."