Vier Jahre, nachdem die USA die FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft 1999 in einem dramatischen Elfmeterschießen gewonnen hatten, ging die FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 mit einem ähnlich packenden Finale zu Ende. Deutschland gewann am Ende verdient den Weltmeistertitel, benötigte hierzu allerdings im fast ausverkauften Home Depot Center in Carson (Kalifornien) ein Golden Goal' gegen die sehr starke schwedische Mannschaft. Die Partie bot hervorragenden, packenden Fussball und setzte einen würdigen Schlusspunkt für ein tolles Turnier.
Die eingewechselte Nia Künzer war die glückliche Torschützin des Golden Goal'. Sie köpfte einen Freistoß von Renate Lingor in der achten Minute der Verlängerung ein. Der Ball flog über die schwedische Torhüterin Caroline Jönsson hinweg in die Maschen und beendete den Traum der Schwedinnen vom Titelgewinn. Diese hatten zuvor zahlreiche Angriffe der Deutschen unbeschadet überstanden. Nicht zuletzt Jönsson war es zu verdanken, dass die Partie nicht bereits in der regulären Spielzeit durch Deutschland entschieden wurde. Die Torhüterin lag nach dem deutschen Siegtreffer fassungslos am Boden und verbarg das Gesicht in den Händen, während die gesamte deutsche Delegation den Platz stürmte und den Weltmeistertitel bejubelte.
Bittere Niederlage für Schweden
Die Bilder waren typisch für das Ende eines großen Turniers, doch für Schweden daher nicht minder bitter. Die Schwedinnen, die mit einer 1:3-Niederlage gegen die USA ins Turnier gestartet waren, hatten sich danach zu Publikumslieblingen entwickelt. Auf den Rängen sah man im Finale viele blau-gelbe Fahnen und entsprechend gekleidete Fans, die das Team aus Skandinavien lautstark unterstützten. Doch nach der Entscheidung waren auch die beeindruckenden Stürmerinnen Victoria Svensson und Hanna Ljungberg am Boden zerstört.
Dabei hatte es zuvor noch sehr gut für die Schwedinnen ausgesehen: Ljungberg hatte in der 41. Spielminute die Führung erzielt, nachdem sie einen perfekten Steilpass von Svensson erlief und den Ball unter Silke Rottenberg hindurch eiskalt in die Maschen setzte. Trotz dieses Gegentores wurde Rottenberg nach dem Spiel als beste Torhüterin des Turniers ausgezeichnet. Schweden nahm die zu diesem Zeitpunkt verdiente Führung mit in die Halbzeitpause. Allerdings war Ljungberg auch die tragische Figur des Spiels, die nur Minuten vor Spielende beim Stande von 1:1 alles hätte klar machen müssen, doch den Ball nicht im Tor unterbringen konnte. Maren Meinert hatte unmittelbar nach Beginn der zweiten Halbzeit den Ausgleich für Deutschland erzielt.
Ljungberg wollte eine Flanke von Frida Östberg mit dem rechten Fuß direkt aufs Tor ziehen, verfehlte jedoch den Ball völlig und die Chance war vertan. Im Endspiel kann selbst der kleinste Fehler entscheidend sein, und so war es auch hier. Fussball kann manchmal grausam sein, das musste die beliebte schwedische Stürmerin, ohne Zweifel eine der besten Spielerinnen des Turniers, heute auf bittere Weise erfahren.
Deutschland feiert ausgelassen
Ganz anders natürlich die Bilder auf Seiten des frisch gebackenen Weltmeisters Deutschland. Die fünfmaligen Europameisterinnen freuten sich ausgelassen über ihren ersten Weltmeistertitel. Deutschland ist mit Nationaltrainerin Tina Theune-Meyer das erste Land, das unter Führung einer Frau Weltmeister wurde, und auch das erste Land, das sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen Weltmeistertitel feiern konnte. Dieser Erfolg dürfte die Entwicklung des Frauenfussballs in Deutschland weiter beflügeln, der sich ohnehin im Aufwind befindet.
Letztlich hofft man immer, dass die positiven Erinnerungen und Gefühle bei einem Sportereignis länger im Gedächtnis bleiben, als die negativen. So erinnert man sich noch heute an den Jubel von Brandi Chastain nach dem Finale von USA 1999, während der von Liu Ying verschossene Elfmeter langsam in Vergessenheit gerät. So darf man auch hoffen, dass das Bild der scheidenden deutschen Spielführerin Bettina Wiegmann, die im Konfettiregen vor der Weltmeistermannschaft den Pokal in die Höhe reckt, länger im Gedächtnis bleibt, als das der am Boden zerstörten Hanna Ljungberg und ihrer schwedischen Teamkameradinnen, die sich nach einem tollen Spiel mit dem Vizeweltmeistertitel zufrieden geben müssen.