DER TAGESRÜCKBLICK Die Spielerinnen haben im Vorfeld kein Wort darüber gesprochen. In der gesamten Woche vor dem Spiel wollte niemand zu diesem Thema etwas sagen. Doch in den Gesichtern spielte sich eine grimmige Entschlossenheit wider, als die Amerikanerinnen sich auf das Spiel um den dritten Platz gegen Kanada vorbereiteten. Die meisten der über 25.000 Zuschauer im Home Depot Center dürften ebenfalls an das Thema gedacht haben.
Das Thema nämlich, dass diese FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft wohl für eine ganze Reihe amerikanischer Veteraninnen, die den Frauenfussball in den USA ganz weit nach vorne gebracht haben, die letzte WM gewesen sein dürfte. Mia Hamm, Julie Foudy, Joy Fawcett, Kristine Lilly, Brandi Chastain und Tiffeny Milbrett bildeten seit über einem Jahrzehnt das Rückgrat des US-Teams. Sie alle sind jedoch mittlerweile über 30 Jahre alt und werden wohl nicht wieder auf der größten Bühne des Frauenfussballs zu bewundern sein.
Obwohl sie sich mit dem kleinen Finale zufrieden geben mussten, nachdem sich Deutschland im Halbfinale gegen die Gastgeberinnen durchgesetzt hatte, zeigten die Amerikanerinnen hier wieder die gewohnte Entschlossenheit und hielten die Kanadierinnen in Schach, die verbissen um ihren Platz in der Spitze des internationalen Frauenfussballs kämpften. Ein frühes Tor von Kristine Lilly sowie Treffer durch Shannon Boxx und Tiffeny Milbrett in der zweiten Halbzeit entschieden die Partie, in der Kanada nur durch Christine Sinclair spät im zweiten Durchgang zum Torerfolg kam.
Die Gastgeberinnen präsentierten sich so, wie man sie vom Anfang des Turniers in Erinnerung hatte. Der Treffer durch Lilly ähnelte dem ersten Turniertor der Amerikanerinnen im Auftaktspiel gegen Schweden, während der zweite nach einer von Mia Hamms präzisen Ecken fiel, die in der Gruppenphase so oft zu bewundern waren. Doch als Shannon Boxx sich bei Mia Hamm für das Zuspiel bedankte, hatte diese Geste einen nostalgischen Beigeschmack, denn die Titelverteidigung war misslungen und der Generationswechsel im Team steht bevor. Beifall und Jubel des Publikums klangen eher wie ein wehmütiger Gruß denn wie echte Erregung.
Auch bei den Kanadierinnen gab es einige nachdenkliche Momente. Zwar ist die Mannschaft eine der jüngsten bei der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft und hat den Generationswechsel größtenteils schon hinter sich, doch für die noch verbliebenen alten Hasen Andrea Neil und Charmaine Hooper dürfte USA 2003 die letzte Weltmeisterschaft gewesen sein. Insbesondere Hooper wird eine große Lücke hinterlassen, war sie doch volle 17 Jahre lang die Leitfigur des kanadischen Frauenfussballs. Dass die gelernte Stürmerin sich erfolgreich in ihrer neuen Aufgabe als Verteidigerin bewährt hat, unterstreicht nur die technischen Fertigkeiten und die Willensstärke Hoopers.
Zwar könnten die meisten der genannten Veteraninnen theoretisch auch in vier Jahren in China wieder antreten, doch als nach dem Spiel die Medaillen vergeben wurden, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, als verabschiedeten sie sich mit ihrem Winken vom Publikum. Jedenfalls gehört die Endrunde von USA 2003 für alle Teams bis auf Deutschland und Schweden, die morgen um den Weltmeistertitel spielen, nun der Vergangenheit an. Und Erinnerungen an die Vergangenheit sind immer auch ein bisschen wehmütig.