Von Doris Fitschen

Ich bin vom guten Abschneiden des deutschen Teams nicht überrascht. Nach der zweiten Halbzeit im Spiel gegen Kanada war mir klar, dass es das Team weit bringen kann. Da hat sich die Mannschaft vom frühen Rückstand nicht irritieren lassen und sich ins Spiel zurückgekämpft. Im weiteren Turnierverlauf haben sie attraktiven und erfrischenden Fussball gespielt und gezeigt, welches Potenzial in diesem Team steckt.

Die deutsche Mannschaft zeichnet sich durch einen tollen Teamgeist und eine optimalen Mischung aus erfahrenen und jungen Spielerinnen aus. Bereits in den Vorbereitungsspielen war zu sehen, dass das Team auf einem guten Weg ist. Die jungen Spielerinnen haben sich toll entwickelt und so muss einem auch in Zukunft nicht bange sein.

Die Atmosphäre beim bisherigen Turnier war hervorragend, ähnlich wie bei der Weltmeisterschaft 1999. Natürlich ist es durch die kurze Vorbereitungszeit ein etwas anderes Turnier. Die Spiele werden in kleineren Stadien ausgetragen und die Anstoßzeit im Finale ist sehr früh, um nicht mit den Übertragungen der großen US-Sportarten, wie der NFL zu kollidieren.

Den deutschen Spielerinnen wird das aber sicherlich keine Probleme bereiten, da sie es aus der Bundesliga gewohnt sind, so früh zu spielen. Dafür ist diese Anstoßzeit für den deutschen und auch für den schwedischen Frauenfußball eine große Chance, die Popularität dieser Sportart enorm zu erhöhen, denn in beiden Ländern wird das Spiel zur besten Sendezeit dem Fernsehpublikum präsentiert. Wir hoffen, dass wir bei der Live-Übertragung in der ARD eine Einschaltquote von sieben Millionen Zuschauern erreichen. Das wäre toll für den Frauenfußball.

Bereits vor der WM hatten die Länderspiele sehr gute Einschaltquoten mit einem Marktanteil von bis zu 25 Prozent. Das Interesse für die Frauen-Nationalmannschaft ist in den letzten Jahren ohnehin stark gestiegen. Zu den Länderspielen am frühen Nachmittag kommen im Schnitt 8.000 Zuschauer. Und beim ersten Länderspiel nach der WM am 13. November gegen Portugal in Reutlingen werden bestimmt eine ganze Menge mehr Zuschauer ins Stadion kommen. Die Begeisterung ist derzeit so groß wie nie zuvor.

Ich bin mir sicher, dass die deutsche Mannschaft den Titel holt. Ich tippe auf einen 3:1-Sieg für Deutschland. Wenn Deutschland den Titel gewinnt, kann ich mir gut vorstellen, dass es in Deutschland einen Frauenfußball-Boom geben wird. Es muss dann aber auch daran gearbeitet werden, das öffentliche Interesse zu erhalten, um den Sport auch für Sponsoren interessant zu gestalten. Im kommenden Jahr steht ja bereits das nächste große Turnier an, die Olympischen Spiele 2004 in Athen. Zudem würden durch den Erfolg junge Mädchen sicherlich animiert werden, verstärkt in die Vereine zu drängen, um Fußball zu spielen.

Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land wäre für mich natürlich ein Traum. Das würde dem Frauenfußball bei uns einen zusätzlichen Schub geben. Vielleicht klappt das ja 2011.