Bevor ich nach Los Angeles gekommen bin, habe ich mir die Spiele der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 abends im Fernsehen angeschaut. Morgens und zu anderen Tageszeiten habe ich dann regelmäßig die offizielle Website der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft, FIFAworldcup.com, aufgerufen (das ist der große Vorteil, den das Internet bietet).

Ich war höchst zufrieden und erfreut von den Berichten und Meldungen, die ich auf der FIFA-Site lesen und von den übrigen Dingen, die ich dort entdecken konnte. All dies unterstreicht nämlich, dass der Frauenfussball definitiv neue Dimensionen erlangt hat. In den letzten Jahren hat sich das spielerische und technische Niveau im Frauenfussball stetig verbessert, aber erst wenn die Endrunde einer FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, kann man mit den eigenen Augen bewundern, welch großartiger Fortschritt sich bis dahin tatsächlich im internationalen Frauenfussball vollzogen hat. Die Endrunde ist meiner Meinung nach wie eine Momentaufnahme eines kontinuierlichen Entwicklungs- und Verbesserungsprozesses zu sehen.

Der Bereich, in dem diese positive Entwicklung am deutlichsten und ausgeprägtesten zu beobachten ist, ist zweifelsohne der technische Standard der Nationalspielerinnen. Bei der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 wurden alle fussballbegeisterten Fans zu Augenzeugen einer Spielkultur auf höchstem internationalen Niveau. Kristine Lillys Ausnahmetreffer im Auftaktspiel gegen die schwedische Nationalmannschaft wird allen als ein fussballerischer Leckerbissen im Gedächtnis bleiben. Das war ein echtes, durch geschlossene Mannschaftsleistung herausgespieltes Tor.

Der von Mia Hamm blind gespielte Pass und anschließende unhaltbare Schuss in den Winkel des gegnerischen Tores waren eine fussballerische Glanzleistung. Birgit Prinz hat mir aufgrund ihres imposanten und durchsetzungsstarken Auftretens vor dem gegnerischen Tor imponiert. Ihr Volleyschuss gegen die Russinnen war einfach atemberaubend, genauso wie das fantastische Aufbäumen und Comeback der Schwedinnen in ihrer Partie gegen Kanada.

Die Zeiten sind endgültig vorbei, als noch ein paar Patzer in der Abwehrkette den gesamten Verlauf einer Partie auf den Kopf stellen und ein Spiel entscheiden konnten. Das Qualitätsniveau der Torhüterinnen aller Nationen hat sich enorm verbessert; und als logische Schlussfolgerung hat die FIFA zum ersten Mal überhaupt einen Pokal für die "Beste Torhüterin" bei einer FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft verliehen. Eine weitere überaus bedeutende Entwicklung, die zu beobachten war, ist die Benennung der Unparteiischen-Quartetts, die durchgängig aus Frauenteams bestanden.

Bei den Spielen selbst hat sich in der taktischen Ausrichtung ebenfalls einiges getan. Der Norweger Even Pellerud hat in seiner Funktion als Nationaltrainer der kanadischen Frauenfussball-Nationalmannschaft sein Team zu einer neuen Reife und Flexibilität im Spielaufbau geführt. Der Schlüssel zum Erfolg der Kanadierinnen war sicherlich Charmaine Hoopers neue Rolle im Zentrum der Abwehrkette der "Ahornblätter", von wo aus sie in beeindruckender Manier die Regie in ihrer Hintermannschaft übernehmen und als Dreh- und Angelpunkt bei Vorlagen für die jungen und pfeilschnellen Angreiferinnen im kanadischen Nationalteam fungieren konnte.

Junge Mannschaftskolleginnen wie Lang, Sinclair und Latham zum Beispiel, konnten sicherlich unglaublich viel Profit aus dieser Erfahrung ziehen und werden diesen für ihre zukünftige internationale Laufbahn auch zu ihrem Vorteil und für ihre persönliche Entwicklung nutzen können. Deutschland hat natürlich brillant gespielt. Die deutschen Damen waren stets unheimlich gut organisiert und profitierten von den überragenden Spielerinnen Bettina Wiegmann und Maren Meinert und deren ausschlaggebenden Spielideen.

Ich bin überaus erfreut, dass immer intensivere und gründlichere Vorbereitungen auf große Turniere im internationalen Frauenfussball zu einem immer höheren Spielniveau geführt haben. Spielerinnen wie Marta, die unwiderstehliche Abby Wambach und die unermüdliche Hanna Ljungberg können mit Stolz auf ihre gezeigten Leistungen und den großen Anteil zurückblicken, den sie bei den Erfolgen ihrer Mannschaften geleistet haben. Und es ist kein Zufall, dass es die physisch starken und überlegenen europäischen und nordamerikanischen Nationalteams bis in die Runde der letzten Vier geschafft haben.

Wenn man die Leistungen betrachtet, die in den 32 Partien gezeigt worden sind, dann bin ich der festen Überzeugung, dass die Kluft zwischen den einzelnen internationalen Konföderationen immer enger wird. Gegen die traditionellen Weltmächte des internationalen Frauenfussballs haben sich die asiatischen und afrikanischen Nationalteams wacker geschlagen, ohne jedoch den Durchbruch geschafft zu haben. Brasilien hat die fussballbegeisterten Fans in Entzücken versetzt und großes spielerisches Können gezeigt.

Das ist ein gutes Zeichen für den südamerikanischen Frauenfussball, wo die Männer eigentlich auf dem Standpunkt stehen, dass Fussball doch immer noch eine Männerdomäne ist. Aber die Fussballkünstlerinnen aus Südamerika beginnen langsam, jedoch stets unbeirrt, sich immer mehr durchzusetzen und ihr Können unter Beweis zu stellen, wie es zum Beispiel auch das Frauenfussball-Nationalteam aus Argentinien bei seinem ersten Auftritt auf der ganz großen internationalen Fussballbühne getan hat.

All dieser Fortschritt ist auch das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit des internationalen Fussballverbandes FIFA. Ich selbst habe mich im Rahmen meines Amtes innerhalb der FIFA lange dafür eingesetzt, auch im Frauenfussball eine ausgeglichene und harmonische Entwicklung voranzutreiben. Mein persönlicher Traum war es immer, dass jeder der Möglichkeit haben sollte, nicht nur beim Prestige trächtigsten und wichtigsten internationalen Turnier teilzunehmen, sondern diese begehrteste Trophäe auf der Welt auch gewinnen zu können.

Die Einführung der FIFA U-19 Frauenfussball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr war ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung und Förderung des internationalen Frauenfussballs. Würde es dieses neue internationale Turnier nicht geben, dann wäre ich nicht so sicher, ob Mannschaften wie Kanada zum Beispiel eine so glänzende Leistung bei dieser FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2003 gezeigt hätten.

Aber die FIFA wurde eigentlich nur ins Leben gerufen, um ihren nationalen Verbänden auf der ganzen Welt zu dienen, deren Vitalität und Unterstützung wiederum das Lebenselixier der FIFA sind. Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen, um all unseren befreundeten Verbänden meinen größten Dank für die jahrelange und unaufhörliche Unterstützung auszusprechen. Zunächst möchte ich dem chinesischen Fussballverband dafür danken, dass er mit einer solch anerkennenswerten Bereitwilligkeit zugestimmt hat, die unvermeidliche Verlagerung des WM-Turniers in die USA mitzutragen. China hat es mehr als verdient, Gastgeber der nächsten FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2007 zu sein; und ich bin außerdem auch höchst erfreut, dass sich die internationale Frauenfussballfamilie nur ein Jahr vor der Austragung der Olympischen Spiele in Peking zusammenfinden wird.

Ich möchte außerdem auch einen herzlichen Gruß und Dank an die Vereinigten Staaten von Amerika richten. Nicht nur, weil der US-amerikanische Fussballverband bereits in bravouröser und erfolgreicher Manier diese vierte FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft mit einer unglaublichen Vorankündigungszeit von nur vier Monaten auf die Beine gestellt hat. Sondern weil die Leistung des US-Verbandes umso bemerkenswerter wird, wenn man sich vor Augen hält, wie er es geschafft hat, die Tausenden von Fans und Medienvertreter zu begeistern, dieses sportliche Ereignis zu einem Zeitpunkt so massiv zu unterstützen und mitzutragen, an dem sowohl die Fans als auch die Medien von anderen attraktiven Sportereignissen im eigenen Land hätten abgelenkt werden können.

Ich zolle den USA außerdem auch Tribut für deren bewundernswerte Unterstützung aller Arten des Fussballs. Nach zwei Weltmeistertiteln und einer olympischen Goldmedaille mussten sich die Favoritinnen bei dieser WM-Endrunde mit dem dritten Platz zufrieden geben. Aber auch dieses etwas kleinere Erfolgserlebnis schmälert auf keinen Fall die historischen Leistungen der amerikanischen Frauenfussball-Nationalmannschaft. Sie hat sich bereits jetzt in den Geschichtsbüchern des internationalen Frauenfussballs verewigt. Diese legendäre Mannschaft hat die Fussballwelt jahrelang mit ihren Weltklassespielerinnen und wunderbarem Fussball begeistert. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass die U-19-Frauenfussball-Nationalmannschaft bereits jetzt mit hervorragenden Leistungen auf sich aufmerksam macht, und die Aussichten für die Zukunft des amerikanischen Frauenfussballs sehr ermutigend sind.

Ich kann natürlich nicht abschließen, ohne ein paar Worte zur amerikanischen Frauenfussball-Profiliga zu verlieren. Für mich persönlich ist die WUSA ein fester Bestandteil des Gesamtfundamentes des internationalen Frauenfussballs; und die WUSA war ein sprichwörtliches Sprungbrett für den Erfolg, den Spielerinnen auf der ganzen Welt im internationalen Frauenfussball erreicht haben. Gerade die Stars der WUSA haben stets für Glanzmomente in den Spielen auch dieses WM-Turniers gesorgt und den so entscheidenden Funken in den Herzen vieler junger Amerikanerinnen entfacht.

Außerdem hat die WUSA auch einen riesigen Einfluss auf diese FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft gehabt. Seien wir doch ehrlich. Wenn solche herausragenden Spielerinnen wie Birgit Prinz, Marinette Pichon und Homare Sawa ihre Nationalteams zu Höchstleistungen animiert haben, wie es bis dato nur den Frauenfussball-Nationalmannschaften der USA, Norwegens und Chinas gelungen war, dann müssen eben diese Weltklassespielerinnen doch im Grunde der WUSA zu tiefem Dank verpflichtet sein, weil sie nur hier ihre fussballtechnischen Fertigkeiten und Qualitäten bis zur Perfektion ausreifen konnten. Ich hoffe aus diesem Grund inständig, dass die WUSA diese Krise bald überstehen wird und ihren für den internationalen Frauenfussball so wichtigen Spielbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen wird.

Und abschließend möchte ich sagen, dass die WUSA genauso auf die Unterstützung der FIFA und natürlich die ihres Präsidenten zählen kann, wie es die gesamte Frauenfussballbewegung auf der ganzen Welt tun kann.