Gerade einmal sechs Tage nach dem Ausscheiden beim FIFA Konföderationen-Pokal Deutschland 2005 sorgte der Rücktritt des australischen Nationaltrainers Frank Farina für Aufsehen. Seine sechsjährige Amtszeit ist die längste, die ein australischer Nationalcoach bisher erreichte. Welches Erbe hinterlässt er seinem Nachfolger?

Unabhängig davon, wer Farina letztlich beerbt: der neue Trainer übernimmt eine Mannschaft mit viel Charakter und Offensivstärke. Lediglich vier Spiele trennen die Australier noch von der erfolgreichen Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™. Daneben traten bei der diesjährigen Auflage des FIFA Konföderationen-Pokals aber auch einige Schwächen deutlich zu Tage.

In der Offensive hatten die Australier keine Probleme. In der Abwehr sah dies angesichts der jeweils vier Gegentreffer gegen Deutschland und Argentinien schon ganz anders aus. Bereits die erste Halbzeit im Auftaktspiel gegen Gastgeber Deutschland war äußerst unterhaltsam. Zwei Mal geriet Australien in Rückstand, zwei Mal konnte das Team ausgleichen. Ein Strafstoß von Michael Ballack nach einer Stunde Spielzeit stellte Farinas Mannschaft dann vor Schwierigkeiten, und die Aufgabe gestaltete sich nach einem weiteren Treffer durch Lukas Podolski zwei Minuten vor Spielende noch schwieriger.

Die motivierte und gut organisierte Mannschaft gab sich jedoch keinesfalls geschlagen. John Aloisis Treffer in der Nachspielzeit war hierfür der nachhaltige Beweis und brachte die Australier gegen den dreimaligen Weltmeister auf einen Treffer heran. Letztlich mussten sie sich aber geschlagen geben.

Im zweiten Spiel gegen Argentinien in Nürnberg erging es ihnen ähnlich. Die Argentinier führten nach 53 Minuten bereits mit drei Toren. Die einzigen, die im Stadion noch an sich glaubten, waren die Australier selbst. Und sie brachten die Argentinier mit ihren zwei Anschlusstreffern noch einmal gehörig ins Schwitzen. Noch ein Tor mehr, und die große Überraschung wäre perfekt gewesen.

Als sie im Anschluss auf den Ausgleich drängten, machte schließlich Luciano Figueroa in der 89. Minute seinen Hattrick perfekt und ließ Australiens Träume vom Erreichen des Halbfinales endgültig platzen. Zu diesem Zeitpunkt sah die Statistik schon recht düster aus. Die zwei Treffer der Tunesier in Leipzig erhöhte die Anzahl der Gegentreffer der Australier in Deutschland auf ganze zehn.

"Das ist alles andere als gut", sagte Farina nach dem Spiel. "Unsere zehn Gegentreffer beruhen auf individuellen Fehlern, und zwei Elfmeter waren ebenfalls dabei. Auf internationalem Niveau wird man für seine Fehler bestraft. Diese Erfahrung nehmen wir mit aus dem Turnier. Daran müssen wir in Zukunft arbeiten."

Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache. Australien ist erst die dritte Mannschaft in der Geschichte des FIFA Konföderationen-Pokals, die alle Gruppenspiele verloren hat. Die Australier kassierten die zweithöchste Anzahl an Gegentreffern in der Gruppenphase. Nur Neuseeland musste bei der Auflage von 2003 noch einen Treffer mehr hinnehmen.

Vor diesem Hintergrund und den zunehmenden Spekulationen um Farinas Zukunft trat der Trainer im beiderseitigen Einvernehmen mit dem Verband zurück. "Die ständig zunehmenden Spekulationen um mein Amt als Trainer dürfen die Leistungsfähigkeit der Mannschaft nicht beeinträchtigen. Diese potenzielle Gefahr hat mich zu meinem Entschluss bewegt", erklärte Farina. "Wir verfügen über die Spieler und die Unterstützung, um uns für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, und dem darf nichts im Wege stehen."

Vorausgesetzt man gewinnt im September die Relegationsspiele gegen die Salomon-Inseln in der Ozeanien-Zone, dann hat der neue Trainer mit seiner Mannschaft noch bis November Zeit, bevor die alles entscheidende Relegation gegen den Fünftplatzierten der Südamerikazone in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft ansteht.

Die Australier werden in der Relegation von der Rückkehr von Harry Kewell, Marco Bresciano und dem wieder voll genesenen Mark Viduka profitieren. Aber die größte Sorge von Farinas Nachfolger dürfte die Abwehr sein. Mit Spielern wie Mark Schwarzer, Craig Moore, Tim Cahill und Aloisi konnten die verletzungsbedingten Ausfälle allerdings gut kompensiert werden. Die Chancen, sich erstmals seit dem Turnier 1974 in Deutschland wieder für eine WM-Endrunde zu qualifizieren, stehen also gut.