Noch bei ihrer Ankunft in Deutschland wusste niemand so recht, wie und wo die mexikanische Nationalmannschaft bei diesem FIFA Konföderationen-Pokal einzuordnen sei. Das galt für die Experten ebenso wie für die Mexikaner selbst. Das mexikanische Team hatte vor der Abreise nach Deutschland 17 Spiele in Folge ohne Niederlage aufzuweisen. Zudem führen die Mexikaner die Qualifikation in der CONCACAF-Zone für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ an.

Andererseits hatte Mexiko seit der Copa América 2004 nicht mehr gegen eine der ganz großen Fussball-Nationen gespielt, wobei es beim vorerst letzten Aufeinandertreffen mit Brasilien eine deftige 0:4-Niederlage gegeben hatte. Heute, drei Wochen nach ihrer Ankunft in Deutschland, haben sich die Mexikaner in der ganzen Welt einen Namen gemacht. Und sie erwiesen sich als Entdeckung des Turniers schlechthin.

Eine Mannschaft mit energischem Kampfgeist

Wenn es etwas bei diesem FIFA Konföderationen-Pokal 2005 gab, was die Experten beeindruckte, so war es die Art und Weise, wie sich die Auswahl von Nationaltrainer Ricardo Lavolpe hier präsentiert hat. Das Mitglied der Technischen Studien-Gruppe (TSG) der FIFA, Francisco Maturana, schwärmte gar von "einem Spiel, das der Präzision eines Goldschmiedes gleiche", als er die Leistung der Mexikaner nach ihrem 1:0-Sieg gegen Brasilien analysierte.

Hintergrund dieses Lobs war die Taktik des aus Argentinien stammenden mexikanischen Coachs, auf den zunehmenden physischen Verschleiß des Gegners zu setzen. Eine der wesentlichen Stärken der Mexikaner bei diesem Turnier war vor allem ihre Beweglichkeit und Flexibilität, und das sowohl im Angriff wie auch in der Abwehr.

Die Abwehrspieler der Tri praktizierten stets ein systematisches Forechecking und attackierten die gegnerischen Stürmer sofort mit zwei Mann, sobald diese in Ballbesitz kamen. Gegen die mexikanische Abwehrreihe blieben geniale Spieler wie Ronaldinho und Juan Román Riquelme nahezu wirkungslos. Allein der kraftvoll spielende Michael Ballack war in der Lage, der mexikanischen Abwehrkette Probleme zu bereiten.

Im Angriff erwies sich diese Flexibilität als wirkungsvolle Unterstützung der jeweils Ball führenden Stürmer, besonders dann, wenn ein oder mehrere Spieler anspielbereit waren. Dank ihrer ernormen technischen Fähigkeiten teilten die Mexikaner geschickt die Räume auf und verteilten die Bälle über das gesamte Spielfeld. Dabei nahmen sie sich sogar die Zeit, einige technische Kabinettstückchen zu zeigen. Davon zeugen einige schöne Szenen mit Hackentricks, Übersteigern und weiteren technischen Finessen.

Junge Spieler mit persönlicher Reife

Unterstützt durch ein Spielsystem, das ihren Fähigkeiten entspricht, traten gleich mehrere Akteure im Team der Mexikaner im Turnierverlauf aus der bisherigen Anonymität heraus und entwickelten sich zu Schlüsselspielern ihrer Mannschaft. Allen voran Oswaldo Sánchez. Der zwei Mal als Anheuser Busch Man of the Match geehrte Torhüter von Chivas Guadalajara löste sein Versprechen, bei diesem Turnier auch international auf sich aufmerksam zu machen, in jeder Hinsicht ein. Er war ganz offensichtlich der beste Torhüter des gesamten Turniers und glänzte mit herausragenden Paraden.

Die Abwehrreihe vor ihm bestand aus durchgehend jungen Spielern, die stets taktisch klug gestaffelt waren und ihre mangelnde internationale Erfahrung durch vorbildlichen Kampfgeist kompensierten. Osorio, Pineda und Salcido spielten bei diesem Konföderationen-Pokal 2005 nahezu fehlerfrei. Sie verstanden es, den nötigen Druck nach vorn zu entwickeln und bewiesen dabei eine technische Brillanz, wie sie bei Abwehrspielern selten zu sehen ist.

Im Mittelfeld erwies sich der aufgrund des Fehlens von Márquez zum Kapitän aufgerückte Pável Pardo als echter Spielmacher. Über die Flügel sorgten die Mexikaner ständig für Gefahr. Morales war auf der linken Seite ein wahrer Albtraum für die gegnerischen Abwehrspieler, und auf dem rechten Flügel stellte Pérez sein großes Talent unter Beweis. Zinha trug mit seiner Kreativität und Technik viel zum Spielaufbau der Mexikaner bei, obwohl er insgesamt nicht so zur Entfaltung kam.

Im Angriff bestätigte Jared Borgetti seinen Ausnahmestatus als einer der weltbesten Kopfballspezialisten. Francisco Fonseca gab seinerseits ein beachtliches Debüt auf internationalem Parkett. Obgleich er weniger eingesetzt wurde als seine Mannschaftskameraden, gelangen ihm zwei Treffer und er empfahl sich damit für die WM Deutschland 2006™.

Licht und Schatten

Dennoch war bei den Mexikanern nicht alles eitel Sonnenschein. Die schon fast sprichwörtliche mangelnde Chancenverwertung kostete Mexiko faktisch den dritten Platz, denn hier war ganz offensichtlich mehr drin. Auch gelang es ihnen abermals nicht, sich vom Fluch des Elfmeterschießens zu befreien, der sie bei jedem internationalen Turnier begleitet.

Und dann wäre da noch der Bereich jenseits vom sportlichen Geschehen auf dem Rasen. Die unter seltsamen Umständen organisierte Abreise von Salvador Carmona und Aarón Galindo sowie das danach folgende Schweigen stießen unter den Beobachtern auf allgemeines Unverständnis. Auch wenn sich die Dinge dann aufklärten, so trübt das Ganze doch ein wenig den sonst so positiven Eindruck der Mexikaner bei diesem Turnier.

Schließlich bleibt noch ein Fragezeichen in Bezug auf Rafael Márquez. Der mexikanische Kapitän war nicht bei seiner Mannschaft, als sie ihn am dringlichsten brauchte. Zu Beginn des Turniers noch leicht verletzt, spielte er zunächst ein paar Minuten gegen Griechenland und kehrte schließlich gegen Argentinien in die Mannschaft zurück. Allerdings wurde er dabei eine Minute vor Beginn der Verlängerung vom Platz gestellt und fehlte seinem Team dann schmerzhaft. Zumindest er hat also im nächsten Jahr bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ einiges gut zu machen.