Im zweiten Spiel der Gruppe A besiegte Deutschland Tunesien mit 3:0. Im Stadion Köln taten sich die Gastgeber beim FIFA Konföderationen Pokal am Samstag, den 18. Juni 2005 zunächst schwer. Doch in der zweiten Halbzeit brach Michael Ballack in der 74. Minute mit einem Elfmetertor den Bann. Bastian Schweinsteiger erhöhte in der 80. Minute auf 2:0 bevor der eingewechselte Mike Hanke kurz vor Schluss den Endstand erzielte.

Im Vergleich zum 4:3-Auftaktsieg hatte Bundestrainer Jürgen Klinsmann seine Elf auf drei Positionen umgestellt. Im Tor spielte absprachegemäß Jens Lehmann für Oliver Kahn, der aufgrund von Rückenproblemen gar nicht im Kader stand. Auf der rechten Mittelfeldseite erhielt Sebastian Deisler den Vorzug vor Bernd Schneider, und im Sturm lief Gerald Asamoah statt Kevin Kuranyi an der Seite von Lukas Podolski auf.

Tunesiens Trainer Roger Lemerre krempelte seine Startelf gegenüber der 1:2-Niederlage im ersten Spiel gegen Argentinien komplett um. Gleich sieben neue Spieler standen in der Anfangsformation, darunter auch Torwart Ali Boumnijel. Im Sturm sollte statt Haykel Guemamdia der schnelle Ziad Jaziri an der Seite von Santos für Gefahr sorgen.

Bei strahlendem Sonnenschein im mit fast 45.000 Zuschauern ausverkauften Stadion Köln hatte die DFB-Auswahl bereits in der vierten Minute die große Chance zum 1:0. Nach Zuspiel von Podolski lief Asamoah alleine auf Boumnijel zu, zögerte aber einen Moment zu lang und scheiterte aus spitzem Winkel am tunesischen Schlussmann.

Nur eine Minute später sah Radhi Jaidi nach einem Foul an Podolski die Gelbe Karte von Schiedsrichter Peter Prendergast. Für den Abwehrchef der Tunesier war es bereits die zweite Verwarnung im laufenden Wettbewerb, er ist damit in der nächsten Partie gegen Australien gesperrt.

In der neunten Minute erspielte sich der Afrikameister seine erste Gelegenheit. Nach schönem Zuspiel von Jawhar Mnari tauchte Jaziri plötzlich freistehend vor Lehmann auf, doch der Angreifer lupfte den Ball aus vollem Lauf über das deutsche Tor.

Die Antwort der deutschen Nationalelf ließ nicht lange auf sich warten. Nach 17 Minuten hatten die Zuschauer bereits den Torschrei auf den Lippen. Nach tollem Pass von Deisler hatte Arne Friedrich freie Bahn, der Verteidiger scheiterte aber am glänzend parierenden Boumnijel. Der Treffer hätte augrund einer Abseitsstellung jedoch ohnehin nicht gezählt. Wenig später holte sich Friedrich nach Foul an Adel Chadli seine insgesamt zweite Gelbe Karte ab, er muss damit am Dienstag gegen Argentinien gesperrt zusehen.

Tunesien spielte weiter munter mit und wäre nach 27 Minuten beinahe in Führung gegangen. Eine gefährliche Hereingabe von Kapitän Hatem Trabelsi konnte Lehmann mit starkem Reflex gerade noch im kurzen Eck von der Linie kratzen.

Auf der anderen Seite konnte Clayton in der 32. Minute einen Kopfball von Michael Ballack auf der Torlinie klären. Wenige Minuten später versuchte es Bastian Schweinsteiger aus rund 20 Metern, sein Schuss flog allerdings über das Tor.

Große Aufregung gab es dann in der 40. Minute. Podolski kam völlig freistehend vor dem tunesischen Tor an den Ball und schob zum vermeintlichen Führungstreffer ein, doch der Schiedsrichterassistent erkannte auf Abseits. Die letzte Chance des ersten Durchgangs hatte Deisler, dessen Schuss kurz vor dem Halbzeitpfiff zu hoch angesetzt war. So ging es für beide Teams beim Stand von 0:0 in die Kabinen.

Zur zweiten Halbzeit erschienen beide Mannschaften ohne personelle Veränderungen. Die erste Chance hatte Podolski, der aus 18 Metern an Boumnijel scheiterte (50.). Auf der anderen Seite verlängerte Chadli eine Hereingabe mit der Fußspitze Richtung langes Eck, Lehmann tauchte blitzschnell ab und parierte glänzend.

Tunesiens Coach Lemerre ging nun volles Risiko und brachte mit Hamed Namouchi einen weiteren Angreifer. Die nächste Torszene hatte aber die deutsche Mannschaft. In der 61. Minute hatte Ballack Pech, als sein gezirkelter Freistoß aus 20 Metern um Zentimeter am Pfosten vorbei segelte. Auch Klinsmann wechselte anschließend und brachte Kuranyi für Asamoah.

Nach 67 Minuten erspielte sich Deutschland die nächste gute Gelegenheit, aber Schweinsteiger nahm dem einschussbereiten Podolski im Strafraum den Ball vom Fuß und wurde in letzter Sekunde am Torschuss gehindert. Klinsmann setzte jetzt auf mehr Offensive und brachte Schneider für Thomas Hitzlsperger.

Doch Tunesien hielt dagegen und kam immer wieder gefährlich über die Flügel, der pfeilschnelle Trabelsi konnte nach schönem Dribbling gerade noch von Robert Huth vom Ball getrennt werden (71.). Fast im Gegenzug gelang der deutschen Elf der Führungstreffer. Nach Zuspiel von Podolski wurde Ballack im Strafraum von Wissem Abdi gefoult, Schiedsrichter Prendergast entschied auf Elfmeter. Der Kapitän der DFB-Auswahl ließ sich diese Chance nicht entgehen und verwandelte unter dem großen Jubel der Zuschauer sicher zum 1:0. Für Ballack war es der zweite Turniertreffer, er zog damit in der Torschützenliste mit dem führenden Australier John Aloisi gleich.

Tunesien spielte in der Folge noch offensiver und drängte auf den Ausgleich. Die dadurch entstehenden Freiräume nutzte die deutsche Nationalmannschaft eiskalt aus. Bei einem Konter spielte Podolski einen traumhaften Steilpass in den Lauf von Schweinsteiger, der den tunesischen Keeper im Strafraum umkurvte und aus spitzem Winkel ins lange Eck zum 2:0 einschob (80.). Spätestens jetzt herrschte Karnevalsatmosphäre auf den Rängen, die Fans feierten die DFB-Auswahl und vor allem Podolski, der im Kölner Stadion ein Heimspiel hatte.

Podolski wurde anschließend unter stehenden Ovationen ausgewechselt. Für ihn kam Mike Hanke, der zwei Minuten vor Abpfiff den Schlusspunkt setzte. Nach Flanke von Deisler scheiterte der Stürmer zunächst mit seinem Kopfball an Boumnijel, ehe er den Abpraller zum 3:0-Endstand über die Linie drückte. Es war sein erster Treffer für das DFB-Team im zweiten Länderspiel.