Falls Griechenland eine Lektion beim FIFA Konföderationen-Pokal 2005 gelernt hat, dann die, dass es keine leichten Spiele in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 geben wird. Otto Rehhagel und seine Spieler werden dies zwar auch vor dem Turnier bereits gewusst haben, doch nun ist dem Europameister klar, dass er sich keinerlei Fehler mehr erlauben darf, wenn er nächstes Jahr in Deutschland dabei sein will.
Die Griechen, die bereits mit etlichen Verletzten angereist waren, fanden einfach nicht in die Spur. Sie boten zwei untypisch fade Leistungen und verloren dabei im Eröffnungsspiel der Gruppe B mit 0:3 gegen Brasilien und anschließend mit 0:1 gegen Japan, was bereits das Ausscheiden aus dem Turnier bedeutete.
"Wir machen gerade eine schwierige Phase durch und waren nicht in der Lage, unsere übliche Aggressivität zu zeigen" erklärte Stürmer Angelos Charisteas gegenüber FIFAworldcup.com nach der Partie gegen Japan. Das alte Feuer, das bei ihrem Triumph bei der Euro 2004 brannte, war noch einmal zu sehen, als die Griechen im letzten Gruppenspiel beim torlosen Unentschieden gegen Mexiko eine deutliche Leistungssteigerung verzeichnen konnten. Aber das war zu wenig, und es kam zu spät.
Die griechische Mannschaft, der im Vergleich zu vielen ihrer Gegner die Kreativität und Durchschlagskraft im Angriff fehlt, kompensiert diese Schwächen üblicherweise mit einer geschlossenen und leidenschaftlichen Mannschaftsleistung, die ihre Rivalen weitgehend neutralisiert. Wenn man diesen Faktor jedoch nicht in die Waagschale werfen kann, kommen die negativen Ergebnisse von selbst.
Die Leistung gegen Mexiko, vor einer beeindruckenden Zahl griechischer Fans, zeigte, dass die Flamme zumindest noch flackert und noch nicht ganz erloschen ist.
Griechenland litt sicher auch unter dem Fehlen des Innenverteidigers Traianos Dellas und der Verletzung seines Abwehrkollegen Mihalis Kapsis, der in den ersten beiden Spielen ausgefallen war. Dazu kommt noch, dass der rechte Außenverteidiger Giourkas Seitaridis im ganzen Turnier nur 45 Minuten im Einsatz und Kapitän Theodoros Zagorakis im Spiel gegen Japan nicht verfügbar war. Für eine Mannschaft, die sich vor allem auf ihre Defensivabteilung verlassen muss, waren diese Ausfälle zu schwer, um sie verkraften zu können.
Natürlich werden Rehhagel diese Spieler demnächst wieder zur Verfügung stehen, aber er muss zwei weitere Probleme aus dem Weg schaffen, bevor es im September in der Qualifikation für Deutschland 2006 gegen Kasachstan geht.
Zunächst geht es darum, Griechenlands Sturmflaute zu beheben. Das Team hat nun schon seit fünf Spielen nicht mehr ins Schwarze getroffen, obwohl man im Angriff in Bestbesetzung aufgelaufen ist. Gegen Mexiko kamen statt den Stürmern Charisteas und Zisis Vryzas zunächst Ioannis Amanatidis und anschließend Theofanis Gekas und Dimitrios Papadopoulos zum Einsatz. Aber auch mit vier Stürmern auf dem Feld kam der Europameister zu keinem Torerfolg.
Das zweite Problem ist die mangelnde Breite des griechischen Kaders und der Einbau junger Spieler. Dies offenbarte sich darin, dass es den Griechen nicht möglich war, die verletzungsbedingten Ausfälle von Spielern während des FIFA Konföderationen-Pokals zu kompensieren.
Gekas, Amanatidis sowie die Verteidiger Sotirios Kyrgiakos und Efstathios Tavlaridis waren einige der Ersatzkräfte, die von Rehhagel während des Turniers mit unterschiedlichem Erfolg erprobt wurden. Die Qualifikationsspiele zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 und das Turnier selbst sind nun auch kaum eine Möglichkeit für die Griechen, um Experimente zu wagen, so dass Rehhagel immer darauf vertrauen und hoffen muss, dass seine bei der Euro 2004 erprobte Formation fit bleibt.
Die Griechen haben in Deutschland indes einige positive Lektionen gelernt, als eine zusammengewürfelte Elf gegen ein mexikanisches Team, das zuvor Weltmeister Brasilien geschlagen hatte, eine starke Partie bot. Die Löcher in den verschiedenen Mannschaftsteilen, die in den ersten Partien noch offensichtlich waren, schienen gestopft. Außerdem hatte die Mannschaft nach zwei peinlichen Niederlagen in den ersten beiden Partien ihren alten Kampfgeist wieder entdeckt.
Rehhagels erste Aufgabe wird es sein, die Flamme in den nächsten zwölf Monaten am Lodern zu halten, falls die Griechen ihre Erfolgsgeschichte von der Euro 2004 im nächsten Jahr in Deutschland fortsetzen wollen.