Vor genau drei Wochen feierte Argentinien ein großes Fest, als die Nationalmannschaft in Buenos Aires den Erzrivalen Brasilien besiegte und sich damit das Ticket zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006TM sicherte. Heute bietet sich der Mannschaft von José Pekerman erneut die Chance, Geschichte zu schreiben. Sollten die Argentinier in Frankfurt erneut gegen Brasilien siegen, hätte die A-Nationalmannschaft zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder einen Titel gewonnen. Ein Jahr vor dem WM-Turnier in Deutschland kommt dem FIFA Konföderationen-Pokal dabei eine ganz besondere Bedeutung zu.
Den letzten Titel holten die Albicelestes am 4. Juli 1993 in Ecuador. Damals besiegte die Mannschaft von Alfio Basile Mexiko im Finale der Copa América mit 2:1 und feierte damit den zweiten Sieg in Folge bei diesem Turnier. Niemand dachte damals daran, dass nun eine lange Durststrecke folgen sollte.
Mehrmals reisten die Argentinier noch als Favoriten zu Turnieren an, um ebenso oft wieder enttäuscht nach Hause zu fahren. Dies gilt vor allem für den FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002, der immer noch schmerzliche Erinnerungen wachruft. José Pekerman bietet sich heute Abend die Gelegenheit, seinen Namen in den Geschichtsbüchern des argentinischen Fussballs zu verewigen.
"Eine andere Geschichte"
Abgesehen von ihrer schwarzen Serie wissen die Argentinier, dass ihnen eine ganz besondere Partie bevorsteht. Es geht um einen Titel, Deutschland ist der Schauplatz, und der Gegner heißt Brasilien. All das verleiht dem Spiel am Mittwoch mehr als nur einen Hauch von Weltmeisterschaft. "Alle Spieler wollen bei solchen Begegnungen dabei sein. Sie alle sind besonders motiviert, gegen eine Mannschaft zu spielen, die viel Respekt verdient", bemerkt ein stets diplomatischer José Pekerman. Der Trainer weiß, wovon er spricht: Seinen ersten Titel im Nachwuchsbereich holte er 1995 ausgerechnet gegen die Brasilianer, die er 1997 mit seinem Team bei der nächsten Junioren-Weltmeisterschaft in Malaysia erneut ausschaltete.
Man muss jedoch gar nicht so lange zurückdenken, um an überschäumende Freude der Albicelestes nach einem Sieg gegen den Nachbarn zu denken. Am Dienstag bezwang die U-20-Nationalelf Argentiniens mit dem überragenden Lionel Messi die Brasilianer im Halbfinale bei der FIFA Junioren-Weltmeisterschaft Niederlande 2005. Zuvor hatte die A-Nationalmannschaft am 8. Juni in der Südamerikagruppe der WM-Qualifikation den Weltmeister mit 3:1 besiegt. Für Pekerman kann jene Begegnung "einen gewissen Einfluss haben, wenngleich sich im Fussball die Dinge nicht immer wiederholen."
Was für ein Spiel erwartet uns am Mittwochabend? "Es wird ein großes Spiel werden, mit Spielern, die zwei Mannschaften vertreten, die zu den besten der Welt gehören. Beide Mannschaften spielen einen schnellen Kombinationsfussball, lassen den Ball gut laufen und sind außerordentlich torgefährlich, was es für jeden Gegner besonders schwer macht."
Aber lassen wir uns nicht von der unerschütterlichen Diplomatie des argentinischen Nationaltrainers täuschen. Er weiß genau, worum es geht. "Wir sind nach Deutschland gekommen, um einige Antworten zu suchen und die Mannschaft weiter zu formen. Eines sollte jedoch klar sein: Wir möchten so viel wie möglich erreichen. Das verlangt schon unsere Geschichte von uns."