Nachdem ihnen noch die zwei schweren WM-Qualifikationsspiele von Anfang Juni in den Knochen gesteckt hatten, kam für die Nordafrikaner beim FIFA Konföderationen-Pokal Deutschland 2005 bereits nach der Vorrunde das Aus. Dennoch hinterließ das Team von Trainer Roger Lemerre in der Gruppe A, in der neben Tunesien noch Argentinien, Deutschland und Australien spielten, bei den Zuschauern einen guten Gesamteindruck. Ab sofort hat die tunesische Nationalmannschaft nur noch ein Ziel vor Augen: Im nächsten Jahr wieder nach Deutschland zu kommen, um es dann noch besser zu machen.

Mit zwei Niederlagen gegen Argentinien (1:2) und Deutschland (0:3) sowie einem Sieg über Australien (2:0) im letzten Gruppenspiel entspricht die Bilanz der Tunesier insgesamt den allgemeinen Erwartungen. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass von denen, die alle drei Partien der Tunesier beobachten konnten, wohl niemand mit einem so hohen spielerischen Niveau dieser Mannschaft gerechnet hatte.

Mehr noch. Die Feststellung, dass Tunesien fast noch ins Halbfinale gekommen wäre, ist keineswegs übertrieben. Schon im Auftaktspiel gegen Argentinien hätte Tunesien bereits in der 17. Minute in Führung gehen können, wenn Mhadhebi seinen Elfmeter nicht rechts am Kasten des argentinischen Keepers Germán Lux vorbei geschossen hätte. Die Partie, in der die Tunesier ihrem Gegner über weite Strecken ebenbürtig waren, wurde am Ende nur durch die individuelle Klasse der Südamerikaner entschieden.

Gleiches gilt für das darauf folgende Spiel gegen Deutschland. Auch wenn das Ergebnis auf eine klare Überlegenheit der Gastgeber schließen lässt, so sah das Ganze in der Realität anders aus. Die DFB-Elf, die lange kein probates Mittel gegen die konzentriert spielende und kompakte Abwehr der Tunesier fand, konnte sich erst in der Schlussviertelstunde etwas befreien und den deutlichen Sieg perfekt machen. In die Enttäuschung der tunesischen Spieler mischte sich dann auch der eine oder andere Hoffnungsschimmer. "Ich bin zwar nicht glücklich über dieses Ergebnis, aber wir haben zumindest gezeigt, dass mit Tunesien zu rechnen ist", so der tunesische Kapitän Hatem Trabelsi nach der Partie.

Viel hat nicht gefehlt...

Was das dritte und damit letzte Spiel Tunesiens bei diesem Turnier betrifft, so haben die Nordafrikaner dabei in zweierlei Hinsicht positiv auf sich aufmerksam machen können. Während das Erreichen des Halbfinales nicht mehr möglich war, hatte sich Roger Lemerre entschlossen, nicht nur ein neues Spielsystem, sondern auch ein paar neue, noch weitgehend unerfahrene Akteure zu testen.

Und das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen. Am Ende der 90 Spielminuten stand die Gewissheit, dass Tunesien zum ersten Mal seit dem FIFA-Weltpokal™ Argentinien 1978 wieder einen Sieg bei einem bedeutenden FIFA-Wettbewerb errungen hatte. So konnten die Tunesier, die in keiner der drei Partien wirklich enttäuscht hatten, erhobenen Hauptes die Heimreise antreten. "Wenn dieses oder jenes anders gelaufen wäre, dann hätten wir vielleicht ins Halbfinale kommen können... Aber ich behalte lieber die guten Spiele in Erinnerung, die wir hier gemacht haben" so der Kommentar von Mehdi Nafti.

Und weil es Marokko zum gleichen Zeitpunkt in Kenia nicht besser machte und im Qualifikationsspiel der Afrika-Zone für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ nur ein mageres 0:0 erzielte, stehen die Zeichen für Tunesien in diesem Monat gar nicht so schlecht. Mit Spielern wie Karim Saidi, Wissem Abdi, Karim Essediri, Haykel Guemamdia und Chaouki Ben Saada, die allesamt als Entdeckungen des Turniers gelten, kann der amtierende Afrikameister die nächsten WM-Qualifikationsspiele wieder etwas lockerer angehen.

Angesichts der Konstellation, dass Tunesien noch zwei Mal gegen Kenia und danach noch zu Hause gegen Marokko spielen muss, scheint die WM-Qualifikation zumindest in greifbare Nähe gerückt, zumal sie definitiv aus eigener Kraft geschafft werden kann. Auch Roger Lemerre ist sich sicher: "Unsere nächsten WM-Qualifikationsspiele, vor allem die beiden Partien gegen Kenia, werden die Entscheidung bringen. Wir haben unser Schicksal in den eigenen Händen, und natürlich wollen wir 2006 wieder nach Deutschland". Und es steht wohl außer Zweifel, dass der französische Coach und seine Mannschaft im nächsten Jahr mit höheren Ambitionen nach Deutschland kommen wollen.