Sydney 2000

Die stolzen Löwen

16 Nationen, 32 Spiele und 102 Tore - durchschnittlich mehr als drei pro Spiel - so lauteten die wichtigsten Statistiken des Olympischen Fussballturniers der Männer in Australien.

Zu Beginn des Turniers galt Titelverteidiger Nigeria als Favorit, doch am Ende hatte sich ein anderes afrikanisches Team durchgesetzt: die "Unzähmbaren Löwen" aus Kamerun gewannen zum ersten Mal die Goldmedaille.

Der clevere Trainer Jean-Paul Akono hatte eine perfekte Mischung aus Jugend und Erfahrung aufgeboten: Nachwuchskräfte wie Geremi Njitap, Lauren Etame Mayer und Samuel Eto'o liefen neben alten Hasen wie Patrick Mboma und Serge Mimpo auf. Dazu kam ein unbändiger Siegeswille, der Kamerun bis ganz oben aufs Treppchen brachte. Nicht alles lief rund, und die Gruppenspiele verliefen eher enttäuschend: einem mühsamen 3:2-Sieg gegen Kuwait folgten glanzlose Unentschieden gegen die Tschechische Republik und die USA. Doch es sollte besser werden.

Im Viertelfinale gelang den Löwen die große Sensation, als sie die von Wanderley Luxemburgo trainierten Brasilianer aus dem Wettbewerb warfen. Nach neunzig Minuten stand es 1:1 - Mboma hatte die Afrikaner in Führung gebracht, Ronaldinho in der Nachspielzeit nach einem Abwehrfehler ausgeglichen. In der Verlängerung wurde der unauffällige Mbami eingewechselt und markierte das Golden Goal, das ihn bis heute zu einem afrikanischen Helden machte: ein historischer Sieg.

Das Halbfinale gegen Chile begann für Kamerun mit einer Schrecksekunde, als Patrice Abanda seinen eigenen Torhüter bezwang. Doch wieder war es Kapitän Mboma, der für den Ausgleich sorgte, bevor Lauren Etame Mayer in der Schlussminute einen Elfmeter zum Siegtreffer verwandelte - Kamerun stand im Finale.

Die 104,098 Glücklichen, die eine Karte fürs Finale ergattern konnten, erlebten ein unvergessliches Fussballspiel. Schon nach zwei Minuten brachte Xavi die Spanier mit einem Freistoß in Führung. Angulo hätte nur zwanzig Sekunden später auf 2:0 erhöhen können, doch Torhüter Idriss Carlos Kameni konnte seinen Elfmeter abwehren. Kurz vor der Pause jedoch gelang den Iberern durch Gabri tatsächlich der zweite Treffer. Doch nicht umsonst nennt man die Westafrikaner "unzähmbar": zunächst half ihnen ein Eigentor von Amaya, dann glich Eto'o zum 2:2 aus. Die Spanier verloren sowohl Gabri als auch José Mari durch Platzverweise, und Kamerun hatte das Heft nun fest in der Hand, doch neun Spanier verteidigten das Unentschieden mit letztem Einsatz bis zum Ende der Verlängerung. Die Goldmedaillen wurden im Elfmeterschießen vergeben! Die Spieler Kameruns verwandelten alle Elfmeter, bei den Spaniern traf der unglückliche Amaya nur den Pfosten, und so standen die Löwen zum ersten Mal ganz oben auf dem olympischen Treppchen.

Die andere Überraschung dieses olympischen Turniers waren die Chilenen, die angeführt von ihrem hervorragenden Mittelstürmer Ivan Zamorano (der mit sechs Treffern auch Torschützenkönig wurde) die Bronzemedaille gewannen. Die USA wurden ehrenvolle Vierte, während sich die erfolgsverwöhnten Brasilianer mit dem Fair-Play-Pokal begnügen mussten.