Los Angeles, 1984

Vier Jahre nach dem Boykott der Spiele in Moskau wegen des Einmarschs in Afghanistan revanchierten sich die Staaten des Ostblocks mit dem Boykott der Spiele in Los Angeles, wobei Sicherheitsbedenken vorgeschoben wurden. Wenige Wochen vor Beginn des Olympischen Fussballturniers zogen sich also die Mitfavoriten DDR, CSSR und UdSSR zurück, weshalb die Bundesrepublik Deutschland, Italien und Norwegen nachrückten.

Trotz der kurzfristigen Teilnahme schlugen sich die Italiener ganz beachtlich und belegten den vierten Platz, nachdem sie das Spiel um die Bronzemedaille gegen das trotz Boykott teilnehmende kommunistische Jugoslawien, mit 2:1 verloren. Italien bot eine Reihe zukünftiger Stars auf - Franco Baresi, Daniele Massaro, Aldo Serena und Pietro Vierchowod. Auch Kameruns Stürmer Roger Milla erntete später bei der Weltmeisterschaft USA 1990 Ruhm und Ehre, doch auch in diesem Olympischen Wettbewerb gelang ihm schon ein Treffer.

Zum ersten Mal durften auch Profis am Olympischen Fussballturnier teilnehmen. Spieler, die bereits an Weltmeisterschaften teilgenommen hatten - das galt vor allem für europäische und südamerikanische Profis - blieben allerdings ausgeschlossen, weshalb Mannschaften wie Kanada und Ägypten überraschend gut mitspielen konnten und bis ins Viertelfinale kamen.

Frankreich, dessen "A-Mannschaft" wenige Wochen zuvor die Europameisterschaft gewonnen hatte, kam nur langsam auf Touren: Gegen Katar gab es nur ein mageres 2:2, auch gegen Chile reichte es nur zu einem 1:1-Unentschieden, und Norwegen wurde mühsam mit 2:1 geschlagen. In der K.O.-Runde lief es dann besser: Ägypten wurde nach zwei Toren von Daniel Xuereb mit 2:0 abgefertigt, Jugoslawien im Halbfinale nach Verlängerung mit 4:2 besiegt, wobei wiederum Xuereb und Guy Lacombe die beiden entscheidenden Treffer markierten.
Brasilien hatte seine Olympiamannschaft fast vollständig aus einem Clubteam gebildet - dem von Internacional Porto Alegre. Durch einen Halbfinalsieg im Elfmeterschießen gegen Kanada erreichten die Brasilianer das Endspiel; nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden.

Die Franzosen krönten ihren erfolgreichen Sommer mit dem 2:0-Finalsieg gegen Brasilien. François Brisson und Xuereb erzielten die Treffer in der 55. und 62. Minute. Xuereb wurde gemeinsam mit Borivoje Cvetkovic und Stjepan Deveric aus Jugoslawien Torschützenkönig; alle drei hatten fünf Tore auf dem Konto.

Für eine erfreuliche Überraschung sorgten die Zuschauerzahlen an den vier Spielorten - Palo Alto in Kalifornien, Annapolis im Bundesstaat Maryland, Cambridge, Massachusetts und vor allem im kalifornischen Pasadena, wo 101.799 Besucher das Finale in der Rose Bowl verfolgten - ein Rekord für die Vereinigten Staaten. Insgesamt 1.421.627 Zuschauer kamen zu den 32 Spielen - damit war Fussball die meistbesuchte olympische Sportart. Dieser Erfolg half den USA dann auch, sich die Austragung der Weltmeisterschaft 1994 zu sichern.