Toller Fussball in Großbritannien
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Mexiko holte sich nach langer Wartezeit endlich eine olympische Medaille und wusste auf dem Weg dorthin zu beeindrucken. Die Mexikaner setzten sich im Finale des Olympischen Fussballturniers London 2012 im legendären Wembley-Stadion mit 2:1 gegen Brasilien durch und holten sich Gold.

Die gut organisierte Truppe von Luis Fernando Tena wurde von den über 23-jährigen Akteuren José Corona, Carlos Salcido sowie dem Finalhelden Oribe Peralta verstärkt, die hervorragend mit Nachwuchsstars wie Marco Fabián, Javier Aquino und Mittelfeldmotor Jorge Enríquez harmonierten.

Zuvor war die beste Platzierung von El Tri in diesem Turnier ein vierter Platz gewesen, den man 1968 auf heimischem Boden erreichte. Und obwohl der erste Platz bei der Auflage von 2012 unerwartet gewesen sein mag, so war er doch sicherlich verdient, denn die Mexikaner schlugen sich hervorragend gegen ein brasilianisches Team, das am Finaltag nicht ganz auf dem Posten war. Damit warten die Brasilianer weiterhin vergeblich auf ihre erste Goldmedaille.

Wieder kein Gold für den Favoriten
Nachdem sie sich 1984 und 1988 Bronze sowie 1996 und 2008 jeweils Silber geholt hatten, war die talentierte Truppe von Mano Menezes guter Hoffnung, den "Olympiafluch" nun endlich beenden zu können. Nach fünf Siegen in fünf Spielen und dem Einzug ins Endspiel im sagenumwobenen Wembley-Stadion waren die Erwartungen noch höher, aber jetzt müssen die Brasilianer sich auf jeden Fall noch vier weitere Jahre gedulden. 2016 haben sie dann in Rio de Janeiro erneut die Chance auf olympisches Gold.

Genau wie die nächsten Olympischen Spiele fand auch diese Auflage in einem fussballverrückten Land statt, das sich als perfekter Gastgeber erwies. Legendäre Stadien wie Wembley, Old Trafford und Hampden Park boten hervorragende Einrichtungen für Spieler und Publikum, ausgezeichnete Platzbedingungen und ein mächtiges Zuschaueraufkommen.

Beim diesjährigen Turnier wurde mit einer Gesamtzuschauerzahl von 1.525.134 ein neuer Rekord aufgestellt, zuvor hatte die Auflage von 1984 die größten Zuschauermassen in die Stadien gelockt. Die einzige Enttäuschung war das vorzeitige Ausscheiden von Gastgeber Großbritannien im Viertelfinale. Das Team musste sich nach Elfmeterschießen gegen den späteren Bronzemedaillengewinner Republik Korea geschlagen geben.

Korea Republik freut sich über Bronze
Die Südkoreaner zogen mit nur einem Sieg nach der regulären Spielzeit ins Halbfinale ein, einem 2:1 gegen die Schweiz in der Gruppenphase, in der sie gegen Gabun und den späteren Turniersieger Mexiko keine Gegentreffer zuließen und jeweils zu einem torlosen Unentschieden kamen.

Den 2:0-Erfolg gegen den asiatischen Rivalen Japan im Spiel um die Bronzemedaille erreichten sie mit einer ähnlich disziplinierten Leistung. Am Ende erwies sich Hong Myungbos Team als physisch stärker und fitter und hatte auch bei der Chancenverwertung die Nase vorn. Damit wurden die Hoffnungen des Nachbarn auf einen Podiumsplatz zunichte gemacht.

Beim Olympischen Fussballturnier London 2012 hatten auch zuvor wenig bekannte Spieler die Chance, sich in Szene zu setzen. Der senegalesische Torjäger Moussa Konate, der oftmals vom talentierten Mittelfeldspieler Pape Souare bedient wurde, Japans Flügelflitzer Yuki Otsu mit seinem Torriecher, sowie Omar Abdulrahman, der elegante Mittelfeldakteur aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, erregten mit einer Reihe schöner Auftritte allesamt viel Aufmerksamkeit.

Stützpfeiler mit Erfahrung
Etwas erfahrenere Spieler wie Brasiliens Leandro Damião, Ki Sungyueng (Korea Republik) und Roger Espinoza (Honduras) präsentierten sich ebenfalls in Hochform und erwiesen sich als wichtige Stützpfeiler ihrer Teams.

Im Finale setzte sich am Ende der Außenseiter durch, und dies war insgesamt ein Turnier, bei dem sich die im Vorfeld als Favoriten präsentierten Teams nicht besonders hervortun konnten. Spanien, das mit Stars wie Jordi Alba, Javier Martinez und Juan Mata antrat, erzielte im gesamten Wettbewerb keinen einzigen Treffer und bildete schließlich das Tabellenschlusslicht einer Gruppe, in der außerdem Japan, Honduras und Marokko vertreten waren. Ganz ähnlich erging es Uruguay (Gruppe A), dessen vorzeitiges Ausscheiden nach der Gruppenphase auch Luis Suárez, Edinson Cavani und Nicolás Lodeiro nicht verhindern konnten.

Die Senegalesen wussten hingegen, mit einer Mischung aus Schnelligkeit und körperlicher Stärke zu überzeugen und schafften gemeinsam mit Gastgeber und Gruppensieger Großbritannien den Sprung ins Viertelfinale. Erwartungsgemäß gehörte Craig Bellamy zu den Leistungsträgern, aber Roy Hodgson gefielen auch die Auftritte von Steven Caulker, Tom Cleverley und Daniel Sturridge, und er berief sie für das nächste Länderspiel Englands.

Honduras und Ägypten zeigen starke Leistungen
Ebenfalls im Viertelfinale standen Honduras und Ägypten, die aus ihren guten Leistungen bei diesem Turnier Hoffnung für die Zukunft schöpfen können. Die elegante japanische Auswahl von Takeshi Sekizuka kassierte von der Gruppenphase bis zum Halbfinale 408 Minuten lang keinen einzigen Gegentreffer. Und auch die arabischsprachigen Nationen Ägypten und Vereinigte Arabische Emirate konnten mit denkwürdigen Momenten aufwarten.

Ägypten konnte im Hampden Park einen 3:1-Sieg gegen Belarus verbuchen, während die VAE die Zuschauer im Wembley-Stadion zum Schweigen brachten, als sie den Ausgleichstreffer gegen die Gastgeber erzielten und über weite Strecken der zweiten Halbzeit die dominierende Mannschaft waren. Am Ende ging das Team von Stuart Pierce aber dann doch noch mit einem 3:1-Sieg vom Platz.

Blatter lobt englische Fans
FIFA-Präsident Joseph S. Blatter war im Turnierverlauf in allen Stadien zu Gast und sparte nicht mit Lob für die Gastgeber. "Die britischen Fans gehören seit jeher zu den sachkundigsten und leidenschaftlichsten der Welt", erklärte er gegenüber FIFA.com.

"Dies haben sie auch während der Olympischen Spiele bewiesen, bei denen sie gemeinsam mit Fans aus all den anderen Ländern den Fussball gefeiert haben. Sie waren freundlich und respektvoll und haben gemeinsam die Leidenschaft für das schönste aller Spiele genossen. Damit haben sie in Cardiff, Glasgow, London, Newcastle und Coventry eine wundervolle Atmosphäre geschaffen. Es hat mir und meinen Kollegen von der FIFA sehr viel Freude bereitet. Wir sind stolz, dass wir ein solch erfolgreiches Turnier miterlebt haben."

Teilnehmer:
Belarus, Brasilien, Ägypten, Gabun, Großbritannien, Honduras, Japan, Korea Republik, Mexiko, Marokko, Neuseeland, Senegal, Spanien, Schweiz, Vereinigte Arabische Emirate, Uruguay.

Die Abschlusstabelle:
1. Mexiko (Gold)
2. Brasilien (Silber)
3. Korea Republik (Bronze)
4. Japan

Fairplay-Preis: Japan

Stadien:
City of Coventry Stadium, Hampden Park, Millennium Stadium, Old Trafford, St. James' Park, Wembley-Stadion

Tore insgesamt:
76 (Durchschnitt pro Spiel: 2,38)

Beste Torschützen:
6 Tore: Leandro Damião (BRA)
5 Tore: Moussa Konate (SEN)
4 Tore: Oribe Peralta (MEX)

Gesamtzuschauerzahl: 1.525.134
Durchschnittliche Zuschauerzahl: 47.660