Barcelona, 1992

Nicht oft gewinnt die Gastgebernation beim Olympischen Fussballturnier die Goldmedaille, doch den Spaniern gelang dieser Coup auf dramatische Weise.

In letzter Sekunde entkamen die Spanier im Finale gegen Polen der Verlängerung, nachdem sie in der zweiten Halbzeit im Stadion Nou Camp einen Pausenrückstand aufgeholt hatten. Francisco "Quico" Narvaez erzielte in der Nachspielzeit mit einem Heber über den polnischen Torhüter Aleksander Klak den Siegtreffer. Zu den 95.000 Zuschauern im Stadion des FC Barcelona gehörten auch der spanische König Juan Carlos mit seiner Gattin Sophia und IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch.

Wojciech Kowalczyk hatte Polen in der Nachspielzeit der ersten Hälfte in Führung gebracht. Zehn Minuten nachdem König Juan Carlos seinen Platz eingenommen hatte, gelang Abelardo per Kopf der spanische Ausgleich (65.). Quico brachte die Gastgeber in der 70. Minute in Führung, doch die Polen glichen sechs Minuten später durch Ryszard Staniek noch einmal aus, bevor Quico der spektakuläre Schlusspunkt gelang.

Spanien hatte die Vorrunde ohne Gegentor überstanden und sich leicht gegen Kolumbien (4:0), Ägypten (2:0) und Katar (2:0) durchgesetzt. Auch im hart umkämpften Viertelfinale gegen Italien ließen die Spanier keinen Treffer zu und gewannen 1:0 durch ein Tor von Quico. Auch Ghana gelang im Halbfinale kein Tor gegen die Spanier, die 2:0 gewannen.

Ghana bot mit einem Durchschnittsalter von 18,8 Jahren das mit Abstand jüngste Team des Turniers auf und gewann überraschend die Bronzemedaille - die erste afrikanische Fussballmannschaft, die überhaupt eine olympische Medaille holte. Im Spiel um den dritten Platz besiegten sie das andere Überraschungsteam Australien mit 1:0. Im Tor stand dabei am Ende Ghanas Nummer Drei Simon Addo, da Nummer Zwei Ibrahim Dossey wegen einer Verletzung ausgewechselt werden musste. Das entscheidende Tor gelang Isaac Asare in der 20. Minute durch einen Freistoß, nachdem Dossey fünf Minuten zuvor einen australischen Elfmeter gehalten hatte.

Auch wenn das Fussballturnier spielerisch überzeugte, war das Organisationskomitee vom Zuschauerzuspruch enttäuscht, besonders im Vergleich zu den erfolgreichen Turnieren der letzten Zeit. Nur 466.300 Zuschauer sahen die 32 Spiele - im Schnitt 14.572 pro Spiel. Die spanischen Fussballfans verpassten dabei die Auftritte zahlreicher Stars von morgen, darunter der Kolumbianer Faustino Asprilla, der Schwede Tomas Brolin, Italiens Dino Baggio, Australiens Mark Bosnich oder der spanische Stürmer Luis Enrique.