Die 50. Ausgabe der Copa Libertadores stand der vorherigen in nichts nach, denn auch sie war auf ihre Weise etwas Besonderes. Estudiantes de La Plata bot beeindruckende Leistungen und sicherte sich nach langer Zeit wieder einmal den begehrten Titel, während erneut eine brasilianische Mannschaft im Endspiel scheiterte. Der uruguayische Fussball wiederum erlebte eine Wiederauferstehung, in einem Jahr, in dem ganz Venezuela hinter dem FC Caracas stand. Nachfolgend präsentiert FIFA.com eine Zusammenfassung des prestigeträchtigsten Turniers des Kontinents.

Der Titelträger
39 Jahre mussten vergehen, bis Estudiantes de La Plata endlich wieder den Gipfel des südamerikanischen Vereinsfussballs erklimmen konnte. Und dies gelang in beeindruckender Manier. Obwohl sich der Klub zunächst durch die Qualifikations-Playoffs kämpfen musste und in der Gruppenphase auch noch Coach Leonardo Astrada verlor, gelang es dem Trainer-Debütanten Alejandro Sabella, ein Team zu formen, das am Ende zum Titel stürmte. Die Zahlen sprechen für sich: zehn Siegen stehen drei Unentschieden und drei Niederlagen gegenüber. Dazu stellte man mit Mauro Boselli den Torschützenkönig des Turniers und schaffte es, zu Hause ohne Gegentor zu bleiben.

Kopf des Teams war Juan Sebastián Verón, der in die Fußstapfen seines Vaters trat und mit 34 Jahren für dieselbe Mannschaft den Titel gewann. La Bruja wurde am Abend des dritten Sieges eines argentinischen Teams im Estadio Mineirao zum besten Spieler der Finalbegegnungen gegen Cruzeiro gewählt. Auf dem Weg dorthin bezwang El Pincha die Teams von Sporting Cristal, Deportivo Quito und Universitario de Sucre, Libertad de Paraguay, Defensor Sporting und Nacional de Montevideo.

Die Lektionen
Die diesjährige Copa Libertadores begann für Brasilien in geradezu traumhafter Manier, denn im Achtelfinale stellte das Land nicht weniger als sechs Teams. Doch nach einigen direkten Duellen erreichte nur eines von ihnen - Cruzeiro Belo Horizonte - das Finale. Die entscheidende Partie entwickelte sich dann zu einem Albtraum, denn trotz eines 0:0 im Finalhinspiel bei Estudiantes stand das Team von Adilson Batista am Ende im eigenen Stadion mit leeren Händen da.

Für Palmeiras wiederum war es insofern ein besonderes Turnier, als man nun mit dem FC Sao Paulo gleichgezogen hat, das bisher mit 14 Teilnahmen brasilianischer Rekordhalter in der Geschichte des Wettbewerbs war. Darüber hinaus hat der Klub nun die meisten Spiele bestritten (140) und die meisten Siege erreicht (73).

Überraschend war das schlechte Abschneiden vieler hoch gehandelter Teams. So schied Titelverteidiger Liga de Quito bereits in der Gruppenphase aus, ebenso wie Colo Colo, River Plate, San Lorenzo de Almagro und die kolumbianischen Vertreter Independiente Medellín und América de Cali. Sao Paulo und Boca Juniors, für die Experten ganz heiße Anwärter auf den Titel, kamen ebenfalls nicht sehr weit. So scheiterten die Argentinier bereits im Achtelfinale an Defensor Sporting, während Sao Paulo, aufgrund des Rückzugs der mexikanischen Vereine kampflos im Viertelfinale, dort gegen Cruzeiro ausschied.

Kolumbien und Bolivien waren die einzigen Länder ohne einen Vertreter im Achtelfinale.

Die Überraschungen
Estudiantes, das erste argentinische Team mit Ausnahme von Boca Juniors, das in den letzten 13 Jahren den Titel holte, war beileibe nicht die einzige angenehme Überraschung im Verlauf des Turniers. Der FC Caracas bestätigte die Vorschusslorbeeren und erreichte zum ersten Mal in der Geschichte des venezolanischen Fussballs das Viertelfinale. Das Team aus der Hauptstadt scheiterte schließlich an Gremio Porto Alegre, das im Rückspiel zu Hause allerdings bis zur letzten Minute zittern musste.

Auch Uruguay war mit dem Abschneiden seiner Vertreter Nacional de Montevideo und Defensor Sporting hochzufrieden. El Bolso war das erste uruguayische Team in 20 Jahren, das ein Halbfinale erreichte, während die Violetas einen ähnlichen Erfolg nur knapp verpassten und im Viertelfinale am späteren Turniersieger Estudiantes scheiterten.

Überragende Spieler
Neben Veron und Boselli konnte sich Estudiantes auf seinen herausragenden Torhüter Mariano Andujar verlassen, während Rolando Schiavi, Meister mit Boca Juniors und nun bei den Newell's Old Boys unter Vertrag, die Abwehr in den letzten vier Spielen meisterhaft dirigierte. Bei Cruzeiro überragten Torhüter Fabio, der Kopf der Mannschaft Ramires und die Offensivabteilung mit Kléber und Wellington Paulista.

Aber es gab noch weitere Akteure, die eine Erwähnung verdient haben: Darío Figueroa war der entscheidende Spieler für den Erfolg von Caracas, ebenso wie Souza und Keirrison bei Gremio beziehungsweise Palmeiras. Jorge Núñez und Rodrigo Teixeira erzielten jeweils sieben Treffer für Nacional de Paraguay und Deportivo Cuenca. Nicolás Lodeiro war eine der großen Überraschungen bei Nacional de Montevideo, während Diego De Souza hauptverantwortlich für das gute Abschneiden von Defensor Sporting war.

Wussten Sie schon?
Das diesjährige Finale war bereits das dritte in Folge, das eine brasilianische Mannschaft zu Hause verlor. Die vorherigen Leidtragenden waren Gremio gegen Boca Juniors im Jahr 2007 und Fluminense gegen Liga de Quito in 2008.

Statistisches
323: Die Anzahl der Treffer, die in 134 Spielen im Verlauf des Turniers erzielt wurden. Die meisten Tore schoss Cruzeiro (22 in 14 Partien), das kurioserweise auch das Team mit den meisten Platzverweisen stellte: nicht weniger als 5 Rote Karten sahen die Spieler dieses Klubs.

Das Zitat
"Die Spieler von Estudiantes haben sich so einen Titel schon lange verdient. Dank ihrer Anstrengung sind wir heute in den Olymp der Götter dieses Vereins aufgestiegen, haben Ruhm geerntet und eine legendäre Leistung geboten. Wir sind zu Recht Meister und haben außerdem Verón in unseren Reihen, den wichtigsten Spieler in der Geschichte dieses Klubs."
Alejandro Sabella (Trainer,  Estudiantes de La Plata)

Endstand
1. Estudiantes La Plata (ARG) *
2. Cruzeiro Belo Horizonte (BRA)
* Meister und damit für die FIFA Klub-Weltmeisterschaft qualifiziert

Torschützenliste
1. Mauro Boselli (8 Tore) - Estudiantes La Plata
2. Jorge Núñez (7) - Nacional de Paraguay
3. Rodrigo Teixeira (7) - Deportivo Cuenca