Fast hätte der FC Porto für eine faustdicke Überraschung gesorgt und dem amtierenden Titelträger ausgerechnet im Old Trafford die erste Niederlage seit 22 Spielen in der UEFA Champions League beigebracht. Mit dem heutigen Unentschieden (2:2) sind die Platzherren insgesamt gut bedient, auch wenn sie bis zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit noch in Führung lagen. Damit steht den Engländern für das Rückspiel in Porto eine schwere Aufgabe bevor, denn die Portugiesen schufen sich mit dem Remis eine günstige Ausgangsposition.
In der anderen Begegnung des Tages kontrollierte der FC Villarreal über weite Strecken die Partie und bot dabei einen ebenso erfrischenden Angriffsfussball, wie ihn derzeit die spanische Nationalmannschaft praktiziert. Als das hohe Tempo aus der Anfangsphase bei den Gastgebern in der zweiten Hälfte seinen Tribut forderte und sich zudem das Fehlen von Spielmacher Santiago Cazorla immer stärker bemerkbar machte, mussten die Spanier noch den Ausgleich der Gunners hinnehmen. Die Londoner fanden ihrerseits nach dem Seitenwechsel vor allem dank des wieder in die Mannschaft zurückgekehrten Cesc Fabregas immer besser ins Spiel.
Manchester United - FC Porto 2:2
Tore: Wayne Rooney (15.), Carlos Tevez (85.) für Manchester United; Cristian Rodriguez (4.) und Mariano Gonzalez (89.) für den FC Porto
Gerade einmal 48 Stunden nach dem hart erkämpften 3:2-Erfolg über Aston Villa sah sich Manchester United, bei dem Wayne Rooney zunächst als einzige Spitze agierte, von Beginn an mit einem äußerst offensiven Auftritt der portugiesischen Gäste konfrontiert. Die Portugiesen, die mit konsequentem Forechecking aus einem konstruktiven Spielaufbau heraus überraschten, gingen bereits in der fünften Spielminute in Führung. Nach einem Fehlpass in der englischen Abwehr kam Lucho González in Ballbesitz und bediente Cristian Rodríguez, der Van der Sar mit seinem Linksschuss ins linke Eck keine Chance ließ.
Danach konzentrierten sich die Gastgeber mehr auf die Verteidigung denn auf eigene Angriffsbemühungen. Schuld daran waren aber auch die weiterhin druckvoll nach vorn spielenden Portugiesen, die allein in den ersten zehn Minuten acht Schüsse in Richtung gegnerisches Tor abgaben, davon fünf Mal platziert. Selbst der glückliche und durch einen groben Abwehrfehler von Bruno Alves begünstigte Ausgleichstreffer durch Wayne Rooney brachte ManU nicht in Schwung.
Ein ähnliches Bild bot sich zu Beginn des zweiten Spielabschnitts. Um dies zu ändern, entschloss sich Sir Alex Ferguson, zum gewohnten 4-4-2-System zurückzukehren. Dazu nahm er gleich drei Auswechslungen vor und brachte unter anderem Carlos Tevez und Ryan Giggs. Der FC Porto spielte dennoch weiter offensiv und brachte die Abwehr der Engländer das ein ums andere Mal in arge Bedrängnis. Besondere Mühe bereitete der immer wieder in gefährlicher Position auftauchende Hulk.
Doch nun besann sich auch Manchester United auf seine Angriffsqualitäten. Nachdem Rooney einen Einwurf mit der Hacke auf Tevez verlängert hatte, schob der Argentinier das Leder aus kurzer Distanz zum 2:1 ein. Und obwohl damit die Partie schon entschieden schien, bliesen die Gäste noch einmal zum Gegenangriff und kamen nach einem Zuspiel von Lisandro López auf Mariano González, der den Ball am heraus laufenden Van der Sar vorbei schlenzte, noch zum verdienten Ausgleich. Jetzt muss der Champions League-Sieger aus dem Vorjahr das Rückspiel im Estadio Dragão unbedingt gewinnen.
Der Schlüsselspieler
Luis Lucho González ist derzeit die wichtigste Stütze im Ensemble des FC Porto. Der Argentinier mit der ausgefeilten Technik zieht die Bälle nahezu magisch an. Er ist der Dreh- und Angelpunkt des portugiesischen Meisters, der durch seine präzisen Zuspiele auf seine Vorderleute ebenso besticht wie durch seine plötzlichen Tempowechsel, mit denen er die gegnerische Abwehr durcheinander bringt. Überdies zögert er auch nicht, selbst für Torgefahr zu sorgen, sobald sich ihm dazu die Gelegenheit bietet. Denn Lucho González verfügt auch über unumstrittene Qualitäten als Torjäger. Davon zeugen nicht weniger als neun Treffer in der portugiesischen Meisterschaft sowie zwei Tore in der laufenden UEFA Champions League.
Die Wende im Spiel
Der Treffer von Wayne Rooney, der nach einer Viertelstunde und inmitten der stärksten Drangperiode der Portugiesen fiel, brachte ManU wieder ins Spiel zurück, nachdem die Abwehr der Engländer zuvor ziemlich ins Schwanken geraten war. Der Fehler von Bruno Alves, der bei seiner Rückgabe auf den Torhüter den heranstürmenden Rooney übersehen hatte, lässt allerdings auch den Schluss zu, dass sich die Gäste nach dem furiosen Beginn etwas zu sicher fühlten.
FC Villarreal - FC Arsenal 1:1
Tore: Marcos Senna (10.) für den FC Villarreal; Emmanuel Adebayor (66.) für den FC Arsenal
Villarreal übernahm sofort die Initiative und startete mit sehenswertem Offensivfussball in die Partie. Kurze Ballkontakte und Übersicht im Spielaufbau bescherten den Gastgebern zunächst klare Vorteile. Hinzu kam, dass stets ein oder zwei Spieler bereit standen, um den Ball zu erobern. Dennoch dauerte es einige Zeit, bis Marcos Senna die anhaltende optische Überlegenheit auch in Zählbares ummünzen konnte.
Der FC Arsenal überstand die erste Angriffswelle der Hausherren mit Geschick und Geduld und fand danach vor allem dank des glänzend aufgelegten Cesc Fabregas, der nach seiner Verletzung gerade rechtzeitig ins Team zurückgekehrt war, zunehmend besser ins Spiel. Nachdem die Spanier nach einer Stunde Spielzeit etwas nachgelassen hatten, legten die Gunners deutlich zu und sahen sich schon bald durch einen herrlichen Treffer von Emmanuel Adebayor belohnt.
Obwohl die Spanier in der Schlussphase noch einmal alles nach vorn warfen, konnten die Londoner die Punkteteilung über die Zeit retten und sich so eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche schaffen.
Der Schlüsselspieler
Marcos Senna, Kapitän des FC Villarreal, war heute auf dem gesamten Spielfeld aktiv. In seiner Rolle als Balleroberer gewann das Mitglied des spanischen Europameister-Teams zahlreiche Zweikämpfe und versorgte seine Mitspieler permanent mit gezielten Pässen. Dadurch entlastete er zusätzlich seine Kollegen im Mittelfeld. Außerdem stellte er bei seinem Tor aus fast 30 Metern, bei dem der Ball genau im Winkel einschlug, erneut seine außerordentliche Schusskraft unter Beweis. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Senna in der Entstehung dieses Treffers erst Samir Nasri den Ball abgenommen hatte und danach nach vorn stürmte. Dies belegt seinen enormen Aktionsradius in dieser Partie, auch wenn er in der zweiten Hälfte mehrmals im Abschluss scheiterte.
Die Wende im Spiel
In der 66. Minute nutzte Cesc Fabregas einen Moment der Unaufmerksamkeit des gegnerischen Verteidigers Joan Capdevila und spielte einen Musterpass auf Emmanuel Adebayor. Der Topstürmer aus Togo nahm das Leder mit der Brust und mit dem Rücken zum Tor an, bevor er den Ball per Fallrückzieher platziert im Netz versenkte. Türhüter Diego Lopez hatte keine Abwehrchance. Ein Traumtor, das seiner Mannschaft das Tor zum Halbfinale öffnen könnte.
