Guerrero: "Kann man nicht mit Worten beschreiben"
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Der Peruaner Paolo Guerrero dürfte in diesem Moment bei weitem der glücklichste Fussballer sein. Und das ist ihm auch anzumerken. Obwohl er aufgrund der Verletzung, die ihn beinahe die Teilnahme an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2012 gekostet hätte, noch ein wenig humpelte, strahlte der Torjäger des brasilianischen Vertreters Corinthians über das ganze Gesicht.

Und er hat auch allen Grund dazu: Soeben markierte er den entscheidenden Treffer, der Corinthians den zweiten Titel seiner Geschichte bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft bescherte. Mit einem unhaltbaren Kopfballtreffer zwang er Chelsea FC in die Knie und sorgte dafür, dass der Titel als weltbester Klub erstmals seit sechs Jahren wieder nach Südamerika geht. FIFA.com sprach in Yokohama mit Guerrero über seine aktuelle Situation, das entscheidende Tor und seine Widmung für das peruanische Volk.

Paolo, herzlichen Glückwunsch! Haben Sie schon realisiert, dass Sie Weltmeister sind?
Ich bin gerade dabei, ja. Ich bin jetzt sehr glücklich und sehr zufrieden. Wir haben hart für diesen Titel gearbeitet, uns sehr viel Mühe gegeben und Opfer gebracht. Jetzt ist der Moment gekommen, um zu feiern, etwas anderes brauchen wir nicht.

Erzählen Sie uns von Ihrem Tor – erinnern Sie sich noch daran, oder ist es vor lauter Emotionen gelöscht?
Im Moment kann ich mich nicht an den ganzen Spielzug erinnern, das stimmt. Ich glaube, er ging von der linken Seite aus. Danilo wollte abschließen, doch er wurde abgeblockt, nicht wahr? Woran ich mich erinnere, ist, dass der Ball in der richtigen Höhe zu mir flog, um ihn über die Linie zu drücken.

Kann man in so einem Moment an etwas denken, oder setzt da der Verstand aus?
In so einem Moment muss man so kaltblütig wie möglich sein, da ist praktisch keine Zeit, um nachzudenken. Man muss an den Ball, wo auch immer er ist und auf welche Weise auch immer. Ich glaube, dass die Kugel sogar noch die Latte berührte, bevor er reinging. Ja, ja – man muss kaltblütig sein und innerhalb von Sekunden die richtige Entscheidung treffen. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als mit dem Kopf hinzugehen – zum Glück ging er rein!

Im Vorfeld des Finales hieß es, dass Corinthians ein defensives Team sei. Haben Sie derartige Äußerungen gehört? Dienten sie als Motivation?
Ich persönlich habe nichts dergleichen gehört. Aber gut, ich denke andererseits, dass jeder Trainer seine Besonderheiten hat, seine eigenen Arbeitsweisen, und die Mannschaften nach seinen Vorstellungen führt. Ob defensiv oder nicht, wir haben den Titel gewonnen. Und nur das zählt.

Der südamerikanische Fussball hatte diesen Titel seit sechs Jahren nicht mehr gewonnen. Kannten Sie diese Statistik?
Na klar! Der Trainer sprach in den Besprechungen häufig darüber. Zweifellos war dies eine zusätzliche Motivation. Wir sind glücklich und stolz, dieses Turnier für Südamerika gewonnen zu haben. Sie hätten die Szenen in der Kabine sehen sollen: alle glücklich, zufrieden und feiernd mit den Trophäen. Auch ich holte eine [Anm. d. Red.: Bronzener Ball von adidas], und das freut mich umso mehr.

Man darf gar nicht daran denken, dass Sie wegen Ihrer Knieblessur beinahe das Turnier verpasst hätten…
Ich war sehr besorgt, als ich mir die Verletzung zuzog, jetzt kann ich es zugeben. Gott sei Dank konnte ich mich rechtzeitig erholen und in guter Form die zwei Spiele bestreiten. Ich hätte sie um nichts in der Welt verpassen wollen.

Wie geht es dem Knie jetzt? Wir haben gesehen, dass Sie das Feld humpelnd verlassen haben.
Es schmerzt ein wenig, doch das ist mir egal! Einen Titel wie diesen zu erringen, kann man nicht mit Worten beschreiben. Ganz egal, was für eine Verletzung es ist, es hat sich gelohnt. Für mich ist das Wichtigste, dass wir Weltmeister sind. Alles Weitere wird man später sehen.

Sie haben mit der Fahne Perus gefeiert. Können Sie sich vorstellen, wie dieser Triumph dort verfolgt wurde?
Peru, mein Land, ist mir sehr wichtig und immer bei mir. Diesen Titel widme ich auch allen Peruanern.