Chelsea zwischen Trauer und Hoffnung
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Fernando Torres trottete mit enttäuschtem Blick durch die Katakomben des International Stadium Yokohama. David Luiz' Augen waren von den Tränen der Enttäuschung über die Niederlage gegen Corinthians im Finale der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2012 gerötet – ausgerechnet das Team, das er als Junge unterstützt hatte. Branislav Ivanovic wirkte gleichzeitig verärgert und verstört, so dass kein Journalist es wagte, den groß gewachsenen serbischen Verteidiger anzusprechen.

"Wir hatten durchaus unsere Chancen", sagte Victor Moses gegenüber FIFA.com, während die Gesänge der jubelnden Anhänger von Corinthians noch aus der Ferne zu hören waren. "Aber das war eben so ein Abend, an dem der gegnerische Torwart einfach sensationell war."

Moses war von Rafael Benitez von Beginn an aufgestellt worden und hatte für Druck nach vorn gesorgt. Doch er vergab eine der besten Chancen der Partie. In der Schlussphase der ersten Halbzeit durchbrach er die Verteidigung der Brasilianer und ließ einen gefühlvollen Schuss los, der genau in den Winkel gepasst hätte. Doch Corinthians-Torhüter Cassio gelang es mit einer katzengleichen Parade, den Ball am Tor vorbei zu lenken. "Ich wollte schon jubeln", so der nigerianische Nationalspieler. "Cassio hat den Gegner heute im Spiel gehalten. So ist es im Fussball, damit müssen wir jetzt klarkommen."

Chelseas nächstes Spiel findet am Mittwoch statt. Im Ligapokal trifft das Team dann auf Leeds United. Die nächste Partie in der Premier League steht am 23. Dezember gegen Aston Villa auf dem Programm. Angst vor einem moralischen Tief nach dem Misserfolg bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft hat Moses indes nicht. "Wir sind schließlich Profifussballer", meinte er, während die siegreichen Spieler der Corinthians hinter ihm vorbei drängten. "Wir werden uns schnell wieder mental fangen und die richtige Einstellung finden. Heute haben wir einen schlechten Tag erwischt. Es lief einfach nicht für uns. Aber das werden wir hinter uns lassen."

"Jetzt müssen wir Stärke zeigen"
Chelseas unermüdlicher Mittelfeldspieler Ramires zeigte sich überrascht von dem Resultat. "Eine komplizierte Situation", sagte der Brasilianer gegenüber FIFA.com. "Wir haben in letzter Zeit gut gespielt und sind als Team immer besser zusammengewachsen. Eigentlich haben wir nicht mit einer Niederlage gerechnet. Aber das ist Fussball. Wenn wir alle unsere Spiele gewinnen würden, wären wir ja bald überall die Champions. Aber heute haben eine Niederlage kassiert."

"Ich denke allerdings, dass dieser Fehlschlag uns eine Lektion sein sollte, aus der wir etwas lernen können", fuhr er fort. "Jetzt müssen wir Stärke zeigen und diesen Misserfolg hinter uns lassen. In der Premier League ist noch nichts entschieden. Außerdem haben wir noch die Europa League. Wir dürfen uns jedenfalls nicht darüber beschweren, was passiert ist. Wenn wir das tun, dann werden wir bis zum Saisonende nur noch verlieren."

David Luiz, der zum zweitbesten Spieler des Turniers in Japan gewählt wurde, zeigte sich hingegen sehr enttäuscht und teilte den Optimismus seines Landsmannes nicht. "Das Spiel wurde nur aufgrund von Kleinigkeiten entschieden", meinte er. Auf die Frage nach seinen Tränen nach dem Schlusspfiff antwortete er: "Ich bin ein sehr ehrgeiziger, stolzer Spieler, und das ist meine Persönlichkeit. Wenn man mich fragt, ob ich gern verliere, dann sage ich 'Nein'. Ich habe Gefühle und stehe dazu. Das ist passiert. Es hat mich einfach übermannt."

Während die Jubelfeier von Corinthians noch lang in die Nacht reichen wird, muss man sich bei Chelsea einige Fragen stellen und nun neue Prioritäten setzen.