Hazard: "Ich profitiere vom Erfolg der anderen"
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"Schon komisch", sagt Chelseas Neuverpflichtung Eden Hazard im Gespräch mit FIFA.com und unterdrückt ein Kichern. "Als Chelsea vergangene Saison die Champions League gewonnen hat, war ich noch gar nicht Teil der Mannschaft. Insofern profitiere ich von der harten Arbeit und dem Erfolg anderer, wenn ich hier bin."

So wahr diese Aussage auch grundsätzlich ist – ein Trittbrettfahrer zu sein, kann man dem jungen Belgier wohl kaum vorwerfen. Zu souverän war der Auftritt der Blues beim 3:1 gegen die Mexikaner von Monterrey im Halbfinale der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2012. Entgegen alter Gewohnheit spielte Chelsea FC nämlich sehr offensiv, und Hazard brillierte neben den spanischen Weltmeistern Fernando Torres und Juan Mata sowie dem brasilianischen Jungstar Oscar in der Startelf. Mit ständigen Positionswechseln verwirrte Hazard die gegnerische Abwehr. Das zweite Tor durch Torres legte er auf.

"Es ist großartig, so in ein Turnier zu starten", meint Hazard mit einem lausbubenhaften Grinsen. Dabei blickt er sich auf den Korridoren des International Stadium Yokohama um, zwinkert bekannten Reportern zu und gibt ihnen mit einer kurzen Geste zu verstehen, dass er demnächst zum Interview bereit steht. Hazard gehört eindeutig zu der neuen Generation selbstbewusster Profis, die die Medien nicht scheuen. Wo seine Mannschaftskameraden Frank Lampard und Ashley Cole Interviews noch kühl ablehnen, sucht Hazard eher das Rampenlicht. "Ich habe an unserem Spiel heute nichts auszusetzen. Das Wichtigste war der Sieg, und wir haben gewonnen."

Im Sommer stand Hazard auf dem Wunschzettel praktisch aller großen Klubs in Europa, nachdem er im Trikot von OSC Lille zum zweiten Mal in Folge zum besten Spieler der Ligue 1 gewählt worden war. Anschließend hielt er die Medien über Twitter hübsch auf Trab, flirtete öffentlich mit Manchester United und Manchester City und unterschrieb am Ende doch bei Chelsea. Diese Entscheidung hat er nicht bereut, auch wenn es an der Stamford Bridge zuletzt turbulent zuging: Trainer Roberto Di Matteo musste nach dem frühen Aus in der UEFA Champions League seinen Hut nehmen, seine Nachfolge trat Rafael Benitez an.

"Es ist mir eine Freude, für Chelsea zu spielen", sagt Hazard, plötzlich ganz ernst und konzentriert. "Jeden Tag spiele ich mit tollen Kämpfern zusammen. Die Fans des Klubs sind einfach unglaublich. Die englische Premier League ist eine große Liga mit großen Spielen. Das ist genau mein Ding."

Auch wenn er nicht zu den Champions-League-Gewinnern der vergangenen Saison zählt, fühlt sich Hazard inzwischen als echter Teil der Mannschaft. "Ich bin Spieler von Chelsea und werde alles geben, um den Pokal an die Stamford Bridge zu holen!", betont er.

Wiedererstarkte Belgier
Eden Hazard gehört zur vielleicht besten belgischen Spielergeneration seit Enzo Scifo, Jan Cuelemans und Co., die 1986 das Halbfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ erreichten. Dennoch verdreht er die Augen, wenn die Sprache auf die aktuelle belgische Nationalmannschaft mit Stars wie Vincent Kompany und Marouane Fellaini kommt. "Noch müssen wir beweisen, dass die Vorschusslorbeeren, die wir mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien einheimsen, gerechtfertigt sind", so Hazard.

Überhaupt gilt seine Konzentration aktuell erst einmal der unmittelbar bevorstehenden Aufgabe: dem Endspiel der FIFA Klub-Weltmeisterschaft gegen den brasilianischen Vertreter Corinthians am Sonntag. "Wir haben heute Abend getan, was zu tun war", so Hazard. "Das ist ein guter Anfang. Jetzt können wir uns erst einmal ausruhen. Das ist auch nötig, denn wir hatten in letzter Zeit viele Spiele und Reisestrapazen. Das Spiel am Sonntag wird schwer; da muss die körperliche und geistige Frische stimmen."

"Schließlich hat Corinthians einen klangvollen Namen", meint er und hüpft dabei, ungeduldig wie die meisten 21-Jährigen, von einem Bein aufs andere, um das nächste Interview hinter sich zu bringen. "Corinthians ist ein Traditionsverein", so Hazard weiter. "Als brasilianische Mannschaft werden sie schwer zu spielen sein. Aber in der Videoanalyse werden wir Stärken und Schwächen analysieren und gut vorbereitet sein."