Cech: Ein ganz besonderer Wettbewerb
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Petr Cech gehört zu den konstantesten Torhütern des letzten Jahrzehnts. Er hatte maßgeblichen Anteil an Chelseas lang ersehntem Gewinn der UEFA Champions League.

In der Verlängerung des Endspiels gegen Bayern München hielt der tschechische Nationaltorhüter einen Strafstoß, im folgenden Elfmeterschießen parierte er einen weiteren. Damit hatten die Blues den Triumph in der Tasche und gleichzeitig das Ticket zur FIFA Klub-Weltmeisterschaft gelöst.

Der 30-jährige Schlussmann sprach mit FIFA.com über die Aussichten von Chelsea FC in Japan 2012, die Veränderungen bei dem Londoner Klub, seitdem Cech dort dabei ist, und die Torhüter, die er am meisten schätzt.

Petr, wie groß ist Ihre Vorfreude auf die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2012?
Ich freue mich sehr darauf, denn die FIFA Klub-Weltmeisterschaft ist ein Wettbewerb, bei dem ich bisher noch nie dabei war. Es gibt nicht viele Spieler, die von sich sagen können, dass sie die FIFA Klub-Weltmeisterschaft gewonnen haben, den Wettbewerb der Champions-League-Sieger. Einen solchen Erfolg möchte man natürlich unbedingt erreichen. Daher freue ich mich auf das Turnier und hoffe, dass wir diesen Pokal gewinnen können, nachdem wir im UEFA Super Cup das Nachsehen hatten.

Das Turnier ist also eine ganz neue Herausforderung für Sie und für Chelsea?
Ja. Wir haben keinen Spieler, der hier Erfahrung hat. Das wird für uns alle etwas ganz Neues. Aber ich denke, dass wir genügend erfahrene Spieler im Team haben. Schließlich haben die Jungs aus Spanien die Weltmeisterschaft, die Europameisterschaft und die UEFA Champions League gewonnen. Mit all dieser Erfahrung sollten wir die Situation gut im Griff haben. Es wird trotzdem ein neues Turnier für uns. Bei dem Team aus Südamerika sehen wir uns einer ganz anderen Spielweise gegenüber. Wir werden sehen, wie es läuft.

Sie waren bei mehreren Gelegenheiten dabei, als Chelsea in der UEFA Champions League knapp gescheitert ist. Wie viel bedeutet dem Klub der nun endlich geglückte Gewinn dieser Trophäe?
Der Klub stößt damit in eine neue Dimension vor. Man hat uns immer wieder gesagt, dass wir ein großartiger Klub sind, der alle englische Titel gewonnen hat, auch den FA Cup, den League Cup und so weiter, aber eben nicht die Champions League. Die Champions League wollten wir also unbedingt eines Tages gewinnen. Wenn man immer wieder das Halbfinale erreicht und dann so knapp scheitert, wie wir in Moskau [Anm. d. Red.: im Finale 2008 gegen Manchester United), dann glaubt man auch daran, es eines Tages zu schaffen. Der Erfolg stellte sich nun ausgerechnet in dem Jahr ein, als die meisten Außenstehenden es wohl am wenigsten erwartet hätten. Aber wir haben eine gute Champions League gespielt. Drei Mal wären wir um ein Haar ausgeschieden, und drei Mal haben wir es geschafft, das Blatt zu wenden. Man konnte den Teamgeist spüren. In der Champions League lief alles rund, aber in der Liga nicht. Daher haben wir daran geglaubt, dass es dieses Jahr so weit sein könnte.

Wie sehr hat sich der Klub verändert, seit Sie dabei sind?
Ich denke, dass sich vor allem die Erwartungen verändert haben und die Wahrnehmung des Klubs. Als ich herkam, hatte Chelsea noch nie die Premier League gewonnen. Dann kam mit José Mourinho ein neuer Trainer, und alle sagten: "OK, wenn ihr ein gutes Jahr habt und einen Champions-League-Platz erreicht, dann wäre das ein guter Start." Aber er hatte eine etwas andere Einstellung. Er sagte nicht "Ich will einen guten Start", sondern "Ich will die Liga gewinnen!" Plötzlich hatten wir eine starke Truppe zusammen und haben wirklich gut gespielt und prompt sogar zwei Mal in Folge den Titel geholt! Damit hat sich der Klub verändert. Denn nun waren wir nicht mehr länger einer der Herausforderer. Wir waren zweifacher Meister, und nun ging es darum, ganz oben an der Spitze zu bleiben. Und wir sind in der Spitze geblieben – das ist die größte Herausforderung. Man kann die Liga ein Mal gewinnen und dann wieder in der Versenkung verschwinden. Aber das war bei uns nicht der Fall. Wir wollten die Meisterschaft gewinnen, und wir wollten uns an der Spitze halten und zu den zwei Topteams in England gehören, die jedes Jahr um den Titel kämpfen. In all den Jahren, die ich hier bin, haben wir stets Manchester United herausgefordert. Wir haben nicht immer gewonnen, aber wir waren immer ganz vorn mit dabei, auf den Champions-League-Plätzen. Wir haben mehrfach das Halbfinale der Champions League erreicht und große Spiele geliefert. Es war nur eine Frage der Zeit, wann wir die Champions League gewinnen würden. Letztlich hat es acht Jahre gedauert, eine lange Zeit, aber in diesen acht Jahren hatten wir auch oft sehr viel Pech.

Waren Sie überrascht, wie schnell letzte Saison die Wende gelungen ist?
In der Liga lief es nicht gut für uns, daher mussten wir uns in der Champions League ganz besonders ins Zeug legen, um die Saison zu retten. Wir standen unter großem Druck, haben dann aber unser Heimspiel gegen Valencia gewonnen. Das war ein sehr gutes Spiel, danach glaubten wir an unseren Erfolg. Dann aber kam im Achtelfinale das Auswärtsspiel in Neapel, das vieles verändert hat, denn André [Villas-Boas] wurde entlassen, und Roberto [di Matteo] übernahm. Wir hatten eine gute Serie im heimischen Pokalwettbewerb und in der Liga, und dann kam das Heimspiel gegen Neapel, in das wir entsprechend selbstbewusst gingen. Wenn man es in einer solch schwierigen Situation schafft, das Blatt zu wenden, dann erkennt man, dass das Team dem Druck standhalten und es weit bringen kann. Das haben wir gegen Barcelona gezeigt und auch im Finale. Wir haben in diesen Spielen große Moral bewiesen. Viele Leute sagen, dass da eine Menge Glück im Spiel war. Aber ich glaube nicht an Glück, denn um die Champions League zu gewinnen, muss man 13 Spiele bestreiten. Man kann nicht einfach sagen, dass wir in all diesen Spielen Glück gehabt hätten, denn man hat nie in allen Spielen Glück. Man muss hart kämpfen, man muss solide verteidigen und gut organisiert spielen. Wenn man gegen Barcelona 60 Minuten in Unterzahl zu überstehen hat, dann muss man wissen, was man tut. Wir haben es geschafft, und ich glaube nicht, dass man da von Glück sprechen kann.

Denken Sie, dass Sie nun den Gipfel Ihrer Karriere erreichen?
Es wird oft gesagt, dass Torhüter um die 30 erfahren und reif genug sind und diesen Abschnitt ihrer Karriere besonders genießen können. Genau das empfinde ich auch. Ich habe dieses Gefühl schon lange und bin froh, dass ich mit nunmehr 30 Jahren immer noch Spaß an dem habe, was ich mache. Ich genieße den Fussball sehr. Das kann man vielleicht auch in den Spielen erkennen.

Welche Torhüter in der Premier League und rund um die Welt schätzen Sie besonders?
Das ist immer schwer zu sagen. Es ist eigentlich kaum möglich, einen ganz bestimmten Torhüter zu nennen, denn alle spielen in verschiedenen Ligen. Die Wahl ist daher nicht leicht. Man schaut auf Konstanz und auf den Einfluss, den ein Torhüter auf sein Team hat. Da sind auf jeden Fall Casillas, Neuer und Buffon zu nennen – sie haben großen Einfluss auf ihre Teams. Ich denke, dass Joe Hart in den letzten Jahren auf dem richtigen Weg ist. Jetzt spielt er in der Champions League und ist die Nummer eins von England. Da zeigt er starke Leistungen. Er war beim Titelgewinn von Manchester City in der vergangenen Saison ein wichtiger Akteur, und es gelingt ihm, sein Niveau zu halten. Nach diesen Kriterien kann man Torhüter beurteilen. Und diese Jungs sind schon lange dabei und zeigen seit Jahren wirklich gute Leistungen.