Zwei Giganten greifen nach der Krone
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Al Ahly Kairo aus Ägypten und Esperance de Tunis aus Tunesien haben die afrikanische Königsklasse zusammen nicht weniger als acht Mal gewonnen. Die Rekordzahl von sechs Siegen entfällt dabei auf Al Ahly, während Titelverteidiger Esperance den wichtigsten Vereinswettbewerb auf dem afrikanischen Kontinent bislang zwei Mal für sich entscheiden konnte. Am Sonntag stehen sich die beiden Teams in der ersten von zwei Partien gegenüber, die darüber entscheiden, wer sich im nächsten Jahr mit dem Titel der CAF Champions League schmücken darf.

Da der Sieger darüber hinaus das Ticket für die FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2012 löst, steht für beide sehr viel auf dem Spiel.

Es wird erwartet, dass Tausende Fans des Kairoer Spitzenklubs die Reise nach Alexandria antreten werden, nachdem Vertreter des ägyptischen Verbandes ankündigten, dass man einer beschränkten Anzahl Fans - man geht von 15.000 aus - Zutritt zum Borg El Arab Stadium in der Hafenstadt gewähren wird. Es wird erst das zweite Spiel in Ägypten sein, das vor Zuschauern ausgetragen wird, nachdem bei der Tragödie von Port Said im Februar nach dem Spiel zwischen Al-Masry und Al-Ahly Dutzende Fussballfans ihr Leben verloren. So verwundert es nicht, dass die Tragödie noch heute die Spieler von Al Ahly berührt, die den Kontinentaltitel auch für ihre ums Leben gekommenen Fans holen möchten.

"Wir werden unser Bestes tun, um den Titel zu gewinnen und ihn den Seelen unserer Fans zu widmen, die ihr Leben in Port Said verloren haben. Im Laufe des Wettbewerbs haben wir darunter gelitten, vor leeren Rängen spielen zu müssen. Dass unsere Anhänger nun wieder dabei sind, wird unserem Team besondere Motivation für dieses wichtige Duell geben", erklärte Ägyptens Nationalstürmer Emad Meteab und fügte hinzu: "Dass unsere Fans wieder da sind, macht uns stärker. Es wird ganz sicher ein sehr schwieriges Spiel werden, aber wir haben nur noch den Gewinn dieses Titels im Kopf. Wir wissen, wie umkämpft die Duelle zwischen ägyptischen und tunesischen Vereinen sind. Wir haben Respekt vor Esperance, aber keine Angst."

Al Ahly, das den Wettbewerb zuletzt 2008 gewonnen hat, wird auf den am Fuß verletzten linken Außenverteidiger Sayed Moawad verzichten müssen. Er könnte jedoch beim Rückspiel am 17. November in Tunis wieder an Bord sein. Sorgen machten sich die Roten Teufel zuletzt auch um Torhüter Sherif Ekramy, der Anfang der Woche beim Training aussetzen musste. Mittlerweile hat die medizinische Abteilung Entwarnung gegeben, so dass der Nationaltorhüter am Sonntag wohl dabei sein dürfte.

Zur Verfügung steht auch wieder der wichtige Spielmacher Mohamed Aboutrika, der wegen einer vereinsinternen Sperre mehrere Spiele, einschließlich der beiden Halbfinalpartien, verpasst hatte. Trainer Hossam El Badry wird entscheiden müssen, ob er den 33-Jährigen wieder ins Team beruft. Dies gilt auch für den jungen Mittelfeldspieler Mahmoud Hassan. Der Teenager, von den Fans auch "Trezeguet" genannt, hat bereits mehrere Spiele im Wettbewerb bestritten, fehlte jedoch zuletzt beim 1:0-Sieg gegen die Sunshine Stars im Halbfinale aufgrund von Verpflichtungen bei der U-20-Auswahl Ägyptens.

Angreifer Mohamed 'Gedo' Nagy, der zwei Mal beim 3:3-Unentschieden in Nigeria erfolgreich war und auch das goldene Tor im Rückspiel erzielte, dürfte für den meisten Wirbel im Angriff von Al Ahly sorgen.

Bei Esperance, das zum dritten Mal in Folge das Endspiel erreicht hat, steht auch der erfolgreichste Stürmer des Wettbewerbs unter Vertrag. Sehr zum Leidwesen der Fans ist Emmanuel Clottey, der bereits zwölf Mal erfolgreich war, nach seinem Wechsel vom ghanaischen Verein Berekum Chelsea im September noch nicht spielberechtigt. Fehlen wird dem Team auch Wunderkind Youssef Msakni, der sich am Donnerstag nach Auskunft des Vereins einer Notoperation am Blinddarm unterziehen musste. Der Verlust des Spielmachers dürfte ein schwerer Schlag sein. Da auch sein offensivfreudiger Bruder Iheb aufgrund einer Verletzung das Hinspiel verpassen wird, muss Kameruns Joseph Yannick Ndjeng die Hauptlast im Angriff tragen.

Esperance hat auf dem Weg ins Finale nicht die Offensivstärke gezeigt, die sich Trainer Nabil Maaloul gewünscht hätte, denn in den letzten sechs Spielen in der CAF Champions League hat sein Team nur sieben Treffer erzielt. Dennoch hat sich die Mannschaft in den letzten beiden Spielzeiten als sehr schwer zu spielender Gegner erwiesen, und so verwundert es nicht, dass Maaloul voller Selbstvertrauen äußert, dass man in Alexandria auf Sieg spielen wird. "Trotz der Stärke Al Ahlys sind wir auf einen Dreier aus", erklärte er und fügte hinzu: "Das Wichtigste am Sonntag ist es jedoch, keinen Gegentreffer zu kassieren. Das ist unser vorrangiges Ziel."

Der defensive Mittelfeldspieler Houcine Ragued, ein in Paris geborener Tunesier, der seine erste Saison in Afrika spielt, verwies auch darauf, dass das Team darauf brenne, Afrika bei der FIFA Klub-WM zu vertreten. "Das bedeutet zusätzliche Motivation. Die meisten Spieler waren bereits im vergangenen Jahr bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft dabei. Die haben uns neuen Spielern erzählt, was für eine großartige Erfahrung das war. Auch unsere Fans wollen unbedingt, dass wir den Titel holen und dass Tunesien dann Afrika bei der FIFA Klub-WM vertritt."