Die Freudentränen, die er nach dem Sieg im Hin- und Rückspiel über Fluminense vergoss, haben nur wenig mit dem Menschen gemeinsam, den man von seiner aktiven Laufbahn als Spieler kannte. Der Argentinier Edgardo Bauza, der erfolgreich den Verein Liga Deportiva Universitaria de Quito betreut, galt als stämmiger und temperamentvoller Mittelfeldakteur, der das Kopfballspiel in Perfektion beherrschte und über einen außerordentlichen Torriecher verfügte. Von diesem Vollblutfussballer der 80er-Jahre, der 1990 in Italien Vize-Weltmeister wurde, ist heute wenig zu sehen.
"Ich habe wirklich nicht erwartet, dass er in Tränen ausbricht. So habe ich ihn noch nie gesehen. Das hatte sich wohl alles angestaut: Der Wunsch, die Copa zu gewinnen, und die Erinnerung an seine Mutter, die vor kurzem verstorben ist", so sein Vater Héctor Bauza. Sein Sohn hat mit 50 Jahren kürzlich so etwas wie eine neue Vaterrolle eingenommen: als Trainer von Liga de Quito.
Bittere Erinnerungen, glorreiche Zukunft
Als er die Mannschaft von dem Peruaner Juan Carlos Oblitas übernahm, befand sich der Verein in einer kleinen Krise. "Noch vor einem Jahr musste ich den Platz unter Polizeischutz verlassen, da man mir an den Hals gehen wollte. Die Presse schrieb, dass meine Zeit abgelaufen sei und dass der Klubpräsident nicht mehr wisse, was er da tue", erläutert der Trainer mit der Ruhe, die jemand hat, der sich in einem feindseligen Umfeld durchgesetzt hat.
Der Übergang war indes alles andere als einfach. Quito knüpfte 2007 wieder an alte Erfolge an und gewann die heimische Liga. Zur Saison 2008 hatte sich die Mannschaft ein klares Ziel gesetzt: Die erste Runde der Copa Libertadores überstehen. "Wir wussten, dass wir auf nationaler Ebene eine Macht waren. Nun mussten wir das noch international unter Beweis stellen", so der ehemalige Erfolgstrainer Rosario Centrals, das er 2001 bis ins Halbfinale des Wettbewerbs führte. "Die Zulosung in die Gruppe B hat uns aber alle geschockt. Wir alle hielten sie für die schwerste Gruppe."
Unbegründet war das nicht: Dem Verein steht ein Budget von gerade einmal sechs Millionen Dollar pro Jahr zur Verfügung. Einige Gruppengegner hatten alleine diesen Betrag für die Verpflichtung neuer Spieler ausgegeben. "Ich wusste, dass uns der große Wurf gelingen könnte, als wir die Gruppenphase überstanden und Estudiantes im Achtelfinale aus dem Rennen geworfen hatten. In diesem Moment wurde mir klar, dass man uns nur schwer besiegen konnte", erinnert sich Bauza. Er sollte Recht behalten: Die Mannschaft setzte sich im Folgenden gegen San Lorenzo, CF América aus Mexiko und schließlich auch gegen Fluminense durch, in einem historischen Finale im Maracanã-Stadion.
Der Weg zum Ruhm
Wie seine über 100 Tore als Verteidiger belegen, entwickelte Bauza schon früh einen besonderen Ehrgeiz und Siegeswillen. Dies ist zweifelsohne einer der Schlüssel zum Erfolg, für den er sich nun feiern lassen kann. "Als ich vor zehn Jahren meine Trainerlaufbahn begann, habe ich mich gefragt, wann ich diesen Titel gewinnen würde. Jetzt stehe ich hier und habe es geschafft. Die Mannschaft hat hart gearbeitet und sich diesen Pokal durch ihre beherzte Spielweise verdient."
Dabei waren die Ergebnisse zum Ende nicht gerade beeindruckend. Von den letzten sieben Begegnungen wurde lediglich eine Partie gewonnen. Dafür aber vielleicht die wichtigste: Das Hinspiel gegen Fluminense. Der 4:2-Sieg und der starke Auftritt im Maracanã-Stadion haben das Bild des Strategen in einer fussballverrückten und anspruchsvollen Stadt wie Quito komplett verändert: "Das war eine Wende um 180 Grad. Man hält mich hier fast für Gott", so ein sichtlich gut gelaunter Trainer gegenüber der Presse.
Im Fussball zählen am Ende lediglich die Resultate. Jetzt strebt Bauza nach einem höheren Ziel: der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2008. Hier geht es im Dezember gegen das mexikanische Team aus Pachuca oder den europäischen Spitzenklub Manchester United. Zweifelsohne ist dies eine gewaltige Herausforderung für den Verein und seine Fans, die darauf hoffen, dass El Patón sie auch durch dieses Abenteuer führen wird.
Klubpräsident Rodrigo Paz hat die Fans schon mal beruhigt: "Es wird schwer, ihn zu halten, da ihn alle haben wollen. Aber er will bleiben. Da ich das auch will, werde ich alles Mögliche unternehmen, um seinen Vertrag zu verlängern. Er bleibt bis Jahresende, schließlich ist er ein Ehrenmann, der sein Wort hält."
