Fluminense musste auf dem Weg ins Finale der Copa Libertadores 2008 zahlreiche hohe Hürden nehmen. Im Viertelfinale blieben dem Team nur noch knapp 20 Minuten, um gegen den brasilianischen Meister São Paulo ein 0:2 aufzuholen. Tatsächlich gelang dieses schier unglaubliche Unterfangen in der dritten Minute der Nachspielzeit, als Washington per Kopf traf. Im Halbfinale gegen Boca Juniors lag Flu eine halbe Stunde vor Schluss noch mit 2:3 in der Gesamtwertung zurück, doch dann erzielten die Schützlinge von Renato Gaúcho noch drei weitere Treffer und sicherten sich so den Einzug ins Finale gegen LDU Quito.

Die Botschaft Fluminenses war unmissverständlich: Es ist erst vorbei, wenn das Spiel zu Ende ist. Genau mit dieser Einstellung muss die Mannschaft aus Rio de Janeiro auch heute Abend in das entscheidende Final-Rückspiel gegen LDU Quito gehen - und sie wird alles versuchen um zu schaffen, was bisher erst zwei Mannschaften in der Geschichte der Copa Libertadores schafften: einen Zwei-Tore-Rückstand aus dem Final-Hinspiel aufzuholen und am Ende doch noch die Trophäe zu gewinnen.

Trotz dieser Zahlen herrscht im Team von O Tricolor Carioca Optimismus und man ist fest entschlossen, es erneut so zu machen wie gegen São Paulo und Boca Juniors. "Ich bin sicher, dass wir es im ausverkauften Maracaná-Stadion schaffen werden", kündigte Trainer Renato Gaúcho, der 1983 als rechter Flügelflitzer mit Grêmio den Titel in der Copa Libertadres gewann. Heute bereitet er die Spieler von Fluminense auf die wichtigsten 90 Minuten ihrer Karriere vor (da in diesem Wettbewerb die Auswärtstorregel nicht gilt, könnte eine Verlängerung und auch ein Elfmeterschießen bevorstehen).

"Ich habe schon vor dem ersten Spiel gesagt, dass die Entscheidung in diesem Finale erst nach 180 Minuten fällt. Die ersten 90 Minuten sind gespielt und der Gegner hat zwei Tore Vorsprung. Jetzt stehen die zweiten 90 Minuten bevor, aus denen auch 120 werden könnten. Wir haben die Macht der Fans im Rücken, die uns schon zu vielen großartigen Siegen inspiriert haben. So war es auch gegen São Paulo und Boca. Ich habe großen Respekt vor LDU, aber ich glaube trotzdem, dass wir es schaffen."

Washington, der mit sechs Toren maßgeblich zum Erreichen des Finales beigetragen hat, teilt den Optimismus seines Trainers. "Ich bin sicher, dass wir es schaffen können - und die Fans sind es auch", bekräftigte er. "Die Fans sind unsere Triebfeder. LDU wird es vor 80.000 Anhängern, die hinter uns stehen, hier im Maracaná nicht leicht haben.

Coração Valente (sein Name bedeutet das "Tapfere Herz"), der die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007 im Trikot der Urawa Red Diamonds als Torschützenkönig abschloss, hätte nichts dagegen, wenn morgen jemand anderes die Schlagzeilen beherrscht, so lange er mit Fluminense im kommenden Dezember erneut in Japan dabei wäre. "Ich träume natürlich davon, das Siegtor zu erzielen, aber wenn das einem anderen Spieler gelingt, ist das auch kein Problem", so der Torjäger. "Es kommt einzig und allein darauf an, dass wir den wichtigsten Titel in der Geschichte des Klubs gewinnen."

Die Stars von 1984 drücken die Daumen
Der einzige Titelgewinn von Fluminense datiert aus dem Jahr 1984, als das Team die Brasileiro-Meisterschaft gewinnen konnte. Der Spieler, dessen Tor damals den Titelgewinn perfekt machte, ist ebenfalls überzeugt, dass Fluminense triumphieren kann. "Ich liebe diesen Klub und ich liebe seine Fans und ich bin sicher, dass wir gewinnen werden", so der Paraguayer Romerito. Und auch Branco stimmte seinem ehemaligen Teamgefährten zu: "Ich bin überzeugt, dass wir die Libertadores gewinnen werden", erklärte er knapp.

Carlos Alberto Parreira, der die Mannschaft mit Stars wie Romerito, Branco, Paulo Victor, Ricardo Gomes, Washington und Assis vor 24 Jahren zum nationalen Meistertitel führte, wird unter den zahlreichen Anhängern sein und seinem ehemaligen Arbeitgeber im Maracaná-Stadion die Daumen drücken. "Fluminense hat 80.000 im Rücken, das ist ein Riesenvorteil. Das haben wir ja gerade gegen São Paulo und Boca wieder gesehen", so seine Einschätzung. "Ich denke, dass es für LDU sehr schwer wird und das Fluminense am Ende den Titel holt."

Die Statistik und die Geschichte stehen zwar nicht auf Seiten der heutigen Gastgeber, doch dafür ist der Optimismus beim früheren und aktuellen Personal des Vereins umso größer, dass das wichtigste Spiel in der Geschichte des Klubs mit Jubelfeiern enden wird.