Der iranische Verein Sepahan hat zwar das Finale der AFC Champions League gegen den japanischen Meister Urawa Red Diamonds mit 1:3 verloren, doch bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft im Dezember sind die Iraner trotzdem dabei. Am 7. Dezember spielt der Gewinner des Hafzi Cups nun gegen Ozeanienmeister Waitakere United. Im Falle eines Sieges käme es zur Neuauflage des Spiels gegen den Finalgegner aus der asiatischen Champions League und damit für die Schützlinge von Luca Bonacic zur Gelegenheit für eine Revanche.
Der Verein aus Esfahan - gegründet erst 1944 - kann zwar nur auf eine recht kurze Geschichte zurückblicken, hat aber dennoch eine Menge Erfolge vorzuweisen. Die erste Spielzeit in der Iranian Pro League (IPL) absolvierte Sepahan erst 2001/02 und wurde Neunter, doch schon in der Saison darauf ließ man etablierte Vereine wie Esteghlal und Pirouzi hinter sich und brach mit dem Titelgewinn im Rennen um die Meisterschaft das Monopol der Teheraner Mannschaften.
Nach dem erstmaligen Gewinn der iranischen Meisterschaft durch eine Mannschaft von außerhalb der Hauptstadt konnte Sepahan im nächsten Schritt das Abenteuer der kontinentalen Königsklasse angehen. Die erste Teilnahme an der AFC Champions League endete 2003 aber mit einer Enttäuschung und dem Ausscheiden in der Vorrunde.
Die Folgejahre in Irans Eliteliga sollten sich als eher durchwachsen erweisen. Umso überraschender war der diesjährige Erfolg auf kontinentaler Ebene, als Sepahan im dritten Anlauf in der asiatischen Champions League als erste iranische Mannschaft das Endspiel erreichte.
Der Weg nach Japan
Dass es auch für Sepahan nicht ständig nur nach oben geht,
belegte der enttäuschende siebte Platz in der vergangenen
Spielzeit. Der zweite Gewinn des Hafzi Cups und die Teilnahme an
der AFC Champions League entschädigten jedoch für das Abschneiden
in der Liga. Als in der Folge Esteghlal disqualifiziert wurde, war
Sepahan unversehens einziger iranischer Vertreter im Wettbewerb.
Der Start verlief mit einem 2:1-Heimsieg gegen den syrischen
Vertreter Al Ittihad jedoch ganz nach Wunsch. Es folgte ein knapper
Sieg gegen den saudiarabischen Vertreter Al Shabab aus Riyadh.
Sieben Minuten vor Schluss gelang Seyed Salehi das Tor des
Tages.
Danach kam es zu zwei Duellen mit Al Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem ersten Gewinner der Champions League in Asien. Dabei bekam Sepahan deutlich seine Grenzen aufgezeigt. Das Hinspiel verlor man mit 2:3, und im Rückspiel reichte es nur zu einem 1:1-Unentschieden.
Damit kam dem vorletzten Spiel gegen Al Ittihad plötzlich entscheidende Bedeutung zu, und als es darauf ankam, schaffte Bonacics Team einen sensationellen 5:0-Sieg. Der irakische Mittelfeldspieler Abdulwahab Abolheil brachte seine Mannschaft schon nach vier Minuten in Führung. Mohammed Noori und Emad Mohammed gelang danach jeweils ein Doppelpack. Damit war der Einzug in die nächste Runde plötzlich zum Greifen nah.
Aus dem letzten Gruppenspiel gegen Al Shabab benötigte Sepahan nur noch einen Punkt, und den sicherten sich die Iraner in denkbar dramatischer Weise: Al Shababs Verteidiger Hassan Maaz unterlief ein Eigentor.
Das Viertelfinale gegen die offensivstarken Japaner von Kawasaki Frontale war wegen der Schnelligkeit der Gegenspieler ein echter Härtetest für Sepahan. Da sich beide Mannschaften in zwei Spielen so neutralisierten, dass kein Tor fallen wollte, musste das Elfmeterschießen herhalten, und hier hatte Sepahan die besseren Nerven.
Das Halbfinale gegen Al Wahda wiederum ging mit 3:1 in der Addition relativ ungefährdet an Sepahan, das sich Hoffnungen machte, aus der bis dahin so starken Abwehr heraus einen Angriff auf den Titel starten zu können. Doch gegen die Urawa Red Diamonds ging die bewährte Defensivtaktik nicht auf, und die Japaner gewannen die zwei Spiele in der Addition mit zwei Toren Unterschied.
Schlüsselspieler
Die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007 steht vor der
Tür, und die Spieler von Sepahan wollen der Welt beweisen, dass
auch sie Fussball spielen können. Und gegen wen ginge das besser
als gegen die ganz großen Stars.
Besonders ankommen wird es dabei auf Kapitän Maharram Navidkia, der im Mittelfeld Initiator vieler Angriffe ist und mit seiner Kreativität maßgeblichen Anteil daran hatte, dass das Finale der AFC Champions League erreicht wurde. Der ehemalige Kapitän der iranischen Olympiaauswahl gewann 2002 bei den Asienspielen die Goldmedaille. Noch im gleichen Jahr konnte er mit Sepahan, dem Verein seiner Heimatstadt, sensationell die iranische Meisterschaft bejubeln.
Seine Erfolge blieben nicht unbemerkt, und so wechselte Navidkia 2004 zum VfL Bochum in die Bundesliga. In Deutschland konnte er sich aber wegen einer in der Olympiaqualifikation gegen die Republik Korea zugezogenen Knieverletzung nie richtig durchsetzen und kam über eine Handvoll Spiele für den Revierklub nicht hinaus.
Dennoch konnte der 25-Jährige aus seiner Auslandserfahrung wichtige Erkenntnisse gewinnen. Gereift kehrte er im vergangenen Sommer zu Sepahan zurück und führte die Mannschaft als Kapitän zum Gewinn des Hafzi Cups. Die Verletzungen bleiben leider nach wie vor ein ständiger Begleiter von Navidkia, aber wie wichtig er für die Elf sein kann, zeigte er nicht zuletzt im Halbfinale gegen Al Wahda, als er fünf Minuten vor Schluss ins Tor traf.
Hauptabnehmer für Navidkias Zuspiele ist übrigens der irakische Stürmer Emad Mohammed, der mit der Olympia-Auswahl 2004 in Athen sensationell das Halbfinale erreicht hatte.
Der Mann am Ruder
Trainer Luka Bonacic ist als Mann der klaren Worte und des
explosiven Temperaments ebenso berühmt wie berüchtigt, aber auf
seine ureigenste Weise gelingt es ihm immer wieder, aus seinen
Spielern das Beste herauszukitzeln. Bekannt wurde Bonacic erstmals
1996, als er in Kroatien zum Trainer de Jahres gewählt wurde, weil
es ihm zuvor gelungen war, mit dem unbeschriebenen Blatt NK Varteks
das nationale Pokalfinale zu erreichen.
Ansonsten aber konnte Bonacic in seinen 18 Trainerjahren in Europa nicht weiter auf sich aufmerksam machen. Sein Wechsel zu Sepahan 2006 bot ihm die Gelegenheit, das zu ändern. Tatsächlich stellte sich der Erfolg dort sehr schnell ein. 2006 und 2007 holte Bonacic mit Sepahan mit dem Hafzi Cup gleich zwei Mal in Folge den iranischen Pokal, ehe er den Verein in diesem Jahr bis ins Endspiel der prestigeträchtigen Champions League in Asien führte.
Zwar blieb ihm dort der ganz große Wurf versagt, aber nachdem es bis zum Debüt bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft gegen Waitakere United nicht einmal mehr drei Wochen sind, gilt die ganze Konzentration der Vorbereitung auf dieses Ereignis. "Gegen die Neuseeländer müssen wir uns gut vorbereiten", so der Trainer. "Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe."
Vereinsgeschichte
Gegründet wurde der Klub 1944 zunächst unter dem Namen Shahin
Esfahan. Offiziell war er dem beliebteren Teheraner Klub Shahin FC
angegliedert. Dieser Zusammenschluss endete 1967, und der Verein
wurde in Sepahan umbenannt. Der Verein ist in Esfahan beheimatet,
dem geografischen Zentrum Irans und bis heute Knotenpunkt des
Gewürz- und Seidehandels. Zudem war Esfahan einst die Hauptstadt
des Perserreichs.
Trotz dieser glorreichen Geschichte fristete die Stadt fussballerisch lange Zeit ein Schattendasein gegenüber der modernen Hauptstadt Teheran. Das änderte sich erst mit dem bahnbrechenden Erfolg in der iranischen Liga 2002/03, als man als erster nicht aus Teheran stammender Verein Meister werden konnte.
Bis 1993 hatte Sepahan nur in den örtlichen Ligen der Provinz Esfahan eine Rolle gespielt. Dann aber wurde der Verein von der Fabrik Siman aufgekauft. Seit 2000 befindet er sich im Besitz des Stahlwerks Foolad. Ein Schachzug, der sich als erfolgreich herausstellen sollte. Dank der konstanten und nachhaltigen finanziellen Ausstattung gelang binnen weniger Jahre der Aufstieg in die Spitze des iranischen Fussballs.
Sepahan (IRN) 