Étoile Sahel hat es geschafft. Dem Verein haftete schon der Ruf eines ewigen Zweiten bei seinem Kampf um die Krone im afrikanischen Vereinsfussball an. Es war ein hartes, schwieriges und gelegentlich auch dramatisches Unterfangen für den Klub aus der tunesischen Hafenstadt Sousse, doch nun ist der Traum wahr geworden.

Als Sieger der CAF Champions League 2007 fährt Étoile Sahel als afrikanischer Vertreter zur FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007.

Der Verein stammt aus einer Region, die traditionell bei Wirtschaftswachstum und sportlichem Erfolg die zweite Geige hinter der Hauptstadt Tunis spielt.

Dennoch hat Étoile Sahel immer zu den treibenden Kräften im tunesischen Fussball gehört. Nach der Gründung im Jahr 1925 entwickelte sich der Verein langsam, hat jedoch gerade im letzten Jahrzehnt besondere Erfolge feiern können.

Immerhin ist Étoile der einzige Klub, der von sich behaupten kann, sämtliche kontinentalen Titel geholt zu haben. Zunächst den CAF Cup 1995, dem 1997 ein Triumph beim CAF-Pokal der Pokalsieger folgte. Dann gewann Étoile Sahel 1998 den CAF Super Cup gegen Raja Casablanca aus Marokko im Elfmeterschienen. 1999 wurde die Serie von insgesamt fünf Endspielteilnahmen mit einem weiteren Triumph im CAF Cup fortgesetzt. 2003, bei der letzten Ausgabe dieses Turniers, holte man den Pokal der Pokalsieger, und im vergangenen Jahr schließlich besiegte Étoile Sahel erneut eine marokkanische Mannschaft und gewann damit den neu geschaffenen CAF Konföderationen-Pokal.

Aber der ganz große Wurf, der Triumph in der CAF Champions League, blieb dem Verein lange verwehrt. Zunächst schaffte man über viele Jahre nicht die Qualifikation, weil man in der heimischen Meisterschaft immer wieder nur den zweiten Platz belegte.

Nachdem die CAF aber Tunesien zwei Plätze im Wettbewerb ab der Ausgabe 2004 zugestanden hatte, war Étoile dabei, verlor jedoch zwei Mal in Folge im Finale. Zunächst unterlag man im Elfmeterschießen gegen das nigerianische Team von Enyimba, dann zog man 2005 gegen Al Ahly aus Kairo mit 0:3 aus Hin- und Rückspiel den Kürzeren.

Nun ist Étoile mit dem ersten Champions-League-Titel in der Vereinsgeschichte der Durchbruch gelungen. Dabei setzte man sich überraschend in Kairo gegen den ägyptischen Spitzenklub Al Ahly durch. Der 3:1-Erfolg aus Hin- und Rückspiel war eine gelungene Revanche für die 24 Monate zuvor erlittene Niederlage. Erst sechs Monate zuvor hatte Étoile den Titel in der heimischen Liga geholt.

Es war ein Titelgewinn nach neun Vizemeisterschaften in Folge, acht Mal hinter Espérance Tunis und ein Mal, denkbar knapp, hinter CS Sfaxien.

Ein unerwarteter Triumph
Étoile Sahel hatte in den ersten Runden der CAF Champions League 2007 wenig Probleme, da man aufgrund des Triumphs beim Konföderationen-Pokal 2006 bei der Gruppenauslosung zunächst gesetzt war. Dadurch ging der Klub erst einmal einem Duell mit Al Ahly, dem großen Favoriten und Anwärter auf den sechsten Champions-League-Titel, der der dritte in Folge gewesen wäre, aus dem Weg.

In Gruppe A machte sich Étoile Sahel sofort daran, seinen Platz im Halbfinale zu sichern. Nach Auswärtssiegen in Marokko und Algerien hatte man bereits zwei Spieltage vor dem Ende die Qualifikation für die nächste Runde in der Tasche. Bis zum letzten Gruppenspiel, als man in Libyen gegen Al Ittihad nur eine "B-Mannschaft" auf den Platz schickte, hatte man kein einziges Gegentor einstecken müssen.

Im Halbfinale traf Étoile Sahel auf den sudanesischen Vertreter Al Hilal. Das Hinspiel im Sudan ging verloren. Im Rückspiel sorgten dann zwei herrliche Kopfballtreffer von Nachwuchstalent Amine Chermiti für den 3:1-Sieg, der nach dem 1:2 im Hinspiel einen Platz im Finale gegen Al Ahly bedeutete.

Étoile musste die erste Finalbegegnung zu Hause austragen, und trotz der frenetischen Unterstützung der Anhänger im Olympia-Stadion in Sousse fanden die Tunesier nie zu ihrem Rhythmus. Mohamed Ali Nafka traf zwar ein Mal Aluminium, aber insgesamt hinterließ das ägyptische Team einen solideren Eindruck, so dass viele Beobachter das Rückspiel in Kairo als eine reine Formalität ansahen.

Damit lagen sie jedoch völlig falsch. In Ägypten ging Étoile quasi mit dem Halbzeitpfiff in Führung. 30 Minuten vor dem Ende verloren die Gastgeber dann einen Spieler durch Platzverweis. Späte Kontertore von Chermiti und Moussa Narry sorgten schließlich für den nie erwarteten 3:1-Sieg und den erstmaligen Gewinn der begehrten Trophäe der CAF Champions League.