Ein Stern auf dem Trikot der Nationalmannschaft symbolisiert einen Titelgewinn bei einer FIFA WM. Nun hat auch die FIFA Klub-Weltmeisterschaft ein eigenes Symbol. Der AC Mailand, Sieger des Turniers in Japan im vergangenen Dezember, darf sich als erster Klub mit dem schillernden Symbol des Erfolges schmücken.

FIFA.com führte ein Interview mit dem Brasilianer Kaká, dem besten Spieler des Turniers in Japan und FIFA Weltfussballer 2007. Wir fragten ihn auch nach seiner Meinung zu dieser interessanten Neuerung.

Ricardo, was halten Sie von der Initiative der FIFA, die dem AC Mailand ermöglicht, ein Symbol zur Erinnerung an den Sieg bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2007 auf dem Trikot zu tragen?
Diese Idee gefällt mir sehr gut. Es ist schön, dass eine italienische Mannschaft diese Tradition beginnt. Hier in Italien ist es üblich, für einen gewonnenen Meistertitel ein kleines Wappen ( Scudetto) am Trikot anzubringen, und eine Kokarde für den Sieg im nationalen Pokalwettbewerb. Das neue Symbol wird alle daran erinnern, dass wir Klub-Weltmeister geworden sind, und dass uns bis zum Dezember niemand diesen Titel streitig machen kann. Es wäre fantastisch, erneut die Champions League zu gewinnen. Dann hätten wir die Chance, diesen Titel und damit auch dieses Symbol zu verteidigen!

Dieses Emblem haben Sie durch den Triumph bei dem Turnier in Japan erworben: Welche Erinnerungen sind Ihnen mit einigen Wochen Abstand noch im Gedächtnis?
Die Klub-WM wurde erstmals im neuen Format ausgespielt. Der Wettbewerb ist dadurch viel interessanter geworden, weil jetzt mehr Mannschaften dabei sind. 2003 haben wir nur ein einziges Spiel bestritten [Anm. d. Red.: Damals wurde das Turnier noch als Interkontinental-Pokal gespielt]. Wir haben verloren - und damit war es auch schon vorbei. Dieses Mal sind wir früher angereist, haben uns andere Spiele angesehen und unsere möglichen Gegner beobachtet. Jetzt erst ist es wirklich ein vollwertiges Turnier.

Im Halbfinale ging es gegen die Urawa Reds, im Finale gegen die Boca Juniors. Welches Spiel war das schwerere?
Beide Spiele waren schwer, aber gleichzeitig auch aufregend und unterhaltsam. Zunächst haben wir gegen eine japanische Mannschaft gespielt, die von einem enthusiastischen Publikum unterstützt wurde. Danach ging es gegen die Boca Juniors, die uns vier Jahre zuvor besiegt hatten. Das waren zwei ganz verschiedene Spiele und ganz verschiedene Siege.

Genau wie in einigen Champions-League-Spielen haben Sie auch hier eine entscheidende Rolle gespielt. Sie haben ein Tor selbst erzielt und zahlreiche Vorlagen gegeben. Woher kommt diese Fähigkeit, in den wichtigsten Momenten zur Stelle zu sein?
Bei derartigen Spielen bin ich immer ganz besonders motiviert. Man bereitet sich zwar auf alle Spiele gleich vor, doch wichtige Spiele und Endspiele bringen einen stärkeren psychologischen Druck mit sich.

Bei der WM 2006 allerdings haben Sie sehr stark angefangen, doch am Ende lief es nicht mehr gut. Was ist da passiert?
Ich habe versucht, mich so gut wie möglich vorzubereiten, und ich denke, dass ich während des gesamten Turniers konstante Leistungen gezeigt habe, zumindest bis zum Achtelfinale. Dann bekam ich im Spiel gegen Ghana ein Problem mit dem Knie. Danach waren nur drei Tage Zeit zur Erholung. Daher blieb ich gegen Frankreich hinter meinen Möglichkeiten zurück. Doch abgesehen von dieser Verletzung war ich körperlich gut in Form.

Als nächster Höhepunkt stehen die Olympischen Spiele 2008 auf dem Programm. Was reizt Sie daran, bei diesem Turnier dabei zu sein?
Ich würde sehr gern nach Peking fahren, denn Brasilien hat im Fussball schon alles gewonnen außer einer Olympischen Goldmedaille. Als ich noch jung genug war, hat sich Brasilien nicht qualifiziert. Jetzt müsste ich als einer der Spieler oberhalb der Altersgrenze nominiert werden.

Gibt es bereits eine Vereinbarung mit dem Trainerstab?
Ich habe mitgeteilt, dass ich zur Verfügung stehe - mehr nicht. Beim letzten Mal hat Brasilien auf Spieler oberhalb der Altersgrenze verzichtet. Man muss also einfach abwarten, wie der Verband entscheidet. Außerdem muss man natürlich auch die Verpflichtungen mit dem AC Mailand berücksichtigen, beispielsweise mögliche Qualifikationsspiele für die Champions League. Jedenfalls wäre ich gerne dabei.

Sie spielen sehr gern in der Nationalmannschaft, richtig?
Je mehr Spiele ich für Brasilien absolvieren kann, desto besser. Die Seleção ist ein in der ganzen Welt bekanntes Qualitätssiegel und es ist schön, dabei zu sein. Mir und meinen Kameraden (hier in Europa) fehlt allerdings die Möglichkeit, öfter in Brasilien zu spielen. Doch so kann man aufwändige Reisen vermeiden, daher sind die entsprechenden Entscheidungen des brasilianischen Verbandes CBF verständlich.

Sie selbst symbolisieren die Gegenwart des brasilianischen Fussballs und spielen bei Milan zusammen mit Ronaldo und Pato, die für dessen jüngste Vergangenheit sowie dessen Zukunft stehen. Was halten Sie von diesen beiden Fussballern?
Pato ist ein Spieler, der gerade am Anfang seiner Karriere steht. Er repräsentiert den derzeitigen Boom. Ronaldo hingegen ist die absolute Nummer eins. In der Geschichte des brasilianischen Fussballs kommt Ronaldo gleich hinter Pelé.

Der Weg zur FIFA Klub-Weltmeisterschaft führt über die Champions League. Wie sehen Sie das bevorstehende Duell zwischen dem AC Mailand und Arsenal London?
Ich habe mir einige Partien angesehen. Die Engländer spielen einen sehr schönen Fussball und gehören zu den besten Teams in Europa. Sie haben viele interessante junge Spieler in ihren Reihen. Doch immer wenn wir gegen starke Gegner spielen, zeigen wir die besten Leistungen: Auch dieses Mal wird es so sein.

Verfolgen Sie den Afrikanischen Nationen-Pokal?
Bislang habe ich noch nicht viele Spiele gesehen. Nur am Sonntag habe ich vor unserem Spiel einen Teil von Ghana gegen Nigeria gesehen. Der afrikanische Fussball gefällt mir gut, denn die Spieler verfügen über ähnliche technische Qualitäten wie die Brasilianer. Allerdings fehlt ihnen oft die nötige Konzentration und die taktische Abgeklärtheit.

Was erwarten Sie von der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™?
Die afrikanische Umgebung wird ein wichtiger Faktor. Bei Olympischen Spielen und im Juniorenbereich haben die Mannschaften aus Afrika in der Vergangenheit viele Titel gewonnen. Ich erinnere mich noch an Atlanta 1996, als Nigeria gegen Argentinien siegte. Ich selbst habe bei einer U-20-Weltmeisterschaft gegen Ghana gespielt. Wir haben verloren und sind ausgeschieden. Die Afrikaner haben physisch sehr starke Mannschaften. Das gibt im Juniorenbereich oft den Ausschlag. Bei der letzten WM sind wir dann im Achtelfinale erneut auf Ghana getroffen und konnten Revanche nehmen. Das war eine schöne, aber auch schwere und harte Partie. Daran kann man ablesen, dass die Afrikaner auf dem richtigen Weg sind, auch bei den A-Nationalmannschaften.

2007 haben Sie mit dem Verein und als Einzelspieler zahlreiche Titel gewonnen. Stimmt es, dass die Spieler auf solche Ehrungen nicht besonders viel Wert legen?
Auf keinen Fall! Ich persönlich lege sehr viel Wert auf individuelle Auszeichnungen, denn sie öffnen einem Akteur den Weg in die Elite der Spieler, die Fussballgeschichte schreiben. Bis heute können sich kaum ein Dutzend Spieler mit dem Titel FIFA Weltfussballer schmücken, und ich bin einer davon.

Wer könnte am ehesten in Ihre Fußstapfen treten und ähnlich viele Auszeichnungen gewinnen?
Mir gefällt Lionel Messi sehr gut. Aber ich traue auch Pato viel zu. Er ist erst 18 Jahre alt, aber sein großes Talent ist offensichtlich. Kurz und gut: Argentinien gegen Brasilien.

Man sagt, dass Fabio Capello, der neue Nationaltrainer Englands, einige sehr strenge Regeln eingeführt hat. Was denken Sie auf Grundlage Ihrer eigenen Erfahrungen darüber?
Jede Situation erfordert andere Maßnahmen. Vieles hängt vom Trainer ab und von dem Vertrauen, das er in seine Spieler setzt. 2002 hatten wir nach jedem Spiel einen freien Tag und vor jedem Spiel haben wir uns ein paar Samba-Tänzchen gegönnt. Wir durften auch unsere Mobiltelefone nutzen. Und wir haben gewonnen. Es gab stets einen grundlegenden Respekt für unsere professionelle Einstellung. 2006 entschied man sich für eine andere Marschrichtung. Wir durften nur sehr selten das Quartier für kurze Zeit verlassen, und es gab noch weitere Einschränkungen. Das Ergebnis war bei Weitem nicht so gut. Es gibt hierfür keine festen Regeln: Ein Trainer muss das Spielermaterial kennen, das ihm zur Verfügung steht, und dann entsprechend die Spieler auswählen. Es gibt keinerlei Zweifel, dass Capello seiner neuen Aufgabe gewachsen ist.