Am 22. Juni 2006 verabschiedete sich die japanische Nationalmannschaft mit einer 1:4-Niederlage gegen Brasilien von der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Deutschland. Doch nicht allein deshalb bleibt dieser Tag für die japanischen Fans in trauriger Erinnerung. An jenem Nachmittag in Dortmund bestritt Hidetoshi Nakata auch sein letztes Spiel als Profi.
Der gerade einmal 30-jährige Japaner ist nach seiner erfolgreichen Zeit bei Perugia, AS Rom, FC Parma, Bologna, Florenz und den Bolton Wanderers eine Legende in seinem Land. 2002 führte er darüber hinaus die Nationalmannschaft ins Achtelfinale der WM im eigenen Land.
In Tokio, wo er sich im Rahmen der FIFA Klub-Weltmeisterschaft an Promotion-Maßnahmen beteiligte, gewährte Nakata FIFA.com sein erstes Exklusiv-Interview seit seinem Rücktritt, das sich ausschließlich mit dem Fussball befasste. In einem vertraulichen Gespräch berichtete er, was er im letzten Jahr gemacht hat, zudem sprach er über seine Verbindung zum Fussball und verriet seine Zukunftspläne.
Herr Nakata, wir haben Sie im letzten Jahr etwas aus den
Augen verloren. Was genau haben Sie nach Ihrem Rücktritt vom
professionellen Fussball gemacht?
Ich bin viel um die Welt gereist. Ich habe eigentlich mein
ganzes Leben lang Fussball gespielt, und nun war für mich die Zeit
gekommen, verschiedene Länder zu besuchen und alles mit eigenen
Augen zu sehen. Aus diesem Grund hat man mich nie sehr lange an
einem Ort gesehen.
Welche Länder haben Sie denn besucht?
Viele. Nachdem ich acht Jahre in Europa gelebt hatte, kannte
ich schon viele Länder auf diesem Kontinent. Aber als ich meinen
Rücktritt erklärt hatte, sagte ich mir: "Du bist doch Japaner
und Asiate. Du müsstest eigentlich Asien kennen." Nun, und so
habe ich eben meinen Kontinent bereist.
Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen, seitdem Sie
zurückgetreten sind. Vermissen Sie diesen Sport?
Natürlich, ich liebe doch den Fussball. Es ist ja auch nicht
so, dass ich nicht mehr spiele. Manchmal, wenn ich ein Land
besuche, spiele ich ganz gerne mit anderen Leuten. Ich war
beispielsweise vor kurzem in Bhutan und habe die Zeit genutzt, um
dort mit Mönchen Fussball zu spielen. Dann wieder sehe ich Leute
auf der Straße, die einem Ball hinterlaufen. Der Fussball ist ein
weltweites Phänomen und wird überall gespielt. Man bekommt also
immer mal wieder Gelegenheit, gegen den Ball zu treten.
Haben Sie mit dem Kapitel Fussball endgültig abgeschlossen?
Oder werden Sie eines Tages als Trainer oder Manager
zurückkehren?
Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass ich die
richtige Person bin, um als Trainer oder Manager zu arbeiten.
Fussballspielen hat mir immer gefallen, aber nicht unbedingt, es
anderen beizubringen. Ich weiß noch nicht, was ich machen werde,
obwohl ich vielleicht eines Tages noch einmal ein Comeback als
Spieler wagen könnte. Ich bin mir da nicht so sicher! (lacht)
Lassen Sie uns über die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan
2007 reden. Wie hat Ihnen diese bislang gefallen?
Ich bin bislang noch nicht im Stadion gewesen, habe aber die
Spiele alle verfolgt. Natürlich ist das Niveau sehr hoch, und auch
die ganze Atmosphäre ist sehr beeindruckend. Viele Leute sind zu
den Spielen in die Stadien geströmt. Die Urawa Reds haben starke
Leistungen gezeigt. Ich habe auf jeden Fall vor, das Finale im
Stadion zu sehen, darauf freue ich mich schon sehr.
Möchten Sie noch etwas zu den Urawa Red Diamonds
sagen?
Nun, in der asiatischen Champions League haben sie wirklich
starke Leistungen gezeigt, weshalb sie auch an diesem Turnier
teilnehmen. Gegen Sepahan haben sie eine überzeugende Partie
geboten, gegen den AC Mailand war es dann ein viel schwereres
Spiel. Ich würde sagen, dass sie alles gegeben haben, aber
natürlich gab es entscheidende Unterschiede zwischen beiden Teams.
Solche Spiele sind jedoch sehr wichtig für die Mannschaft. Die
Verantwortlichen können erkennen, was sie noch ändern müssen, um
sich weiter zu entwickeln und noch besser zu werden. Deshalb ist
dieses Turnier auch so wichtig.
Das Turnier findet nun schon seit drei Jahren in Japan
statt. Wie wichtig ist es für den japanischen Fussball?
Sehr wichtig. Mal abgesehen von der WM 2002 hat es in Japan
nie große Turniere gegeben. Der Toyota Cup und die FIFA
Klub-Weltmeisterschaft machen sehr viel aus. Es ist schon etwas
anderes, Mannschaften im Stadion und nicht im Fernsehen spielen zu
sehen. Jetzt wissen die Leute, was wirklich guter Fussball ist. Das
ist jetzt nicht gegen die J.League gerichtet, aber die europäischen
Mannschaften und ihre Spieler haben schon ein anderes Level. Die
Möglichkeit zu haben, sie live zu sehen, wird auch das Niveau in
der eigenen Liga anheben.
Die japanische Nationalmannschaft hat einen neuen Trainer:
Takeshi Okada. Welche Erwartungen haben Sie an ihn?
Ich habe beim FIFA-Weltpokal in Frankreich 1998 mit ihm
zusammengearbeitet. Ich glaube nicht, dass ich mich täusche, wenn
ich sage, dass er ein großer Trainer und auch ein hervorragender
Mensch ist. In den letzten acht oder neun Jahren habe ich nichts
mehr mit ihm zu tun gehabt, weshalb ich nicht weiß, ob er sich in
dieser Zeit verändert hat. Er wird viele der Ziele, die er sich
setzt, auch erreichen. Ich setze große Hoffnungen in ihn.
Die letzte Frage: Welche Chancen räumen Sie Japan nach der
Auslosung der Qualifikationsgruppen in Durban Ende November auf
eine Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika
2010™ ein?
Die Chancen sind eigentlich immer gleich. Natürlich gleicht
sich das Niveau der Mannschaften immer mehr an, weswegen es nie
leicht sein wird, das Ticket zu lösen. Dennoch hat Japan sehr gute
Aussichten, 2010 in Südafrika dabei zu sein. Ich hoffe, dass sie es
schaffen.

