Es war zu erwarten. Die japanischen Fans reiben sich die Hände beim bloßen Gedanken an ein erneutes Aufeinandertreffern der beiden Teams, die auf internationaler Ebene schon so viele Titel geholt haben: Boca Juniors und der AC Mailand, zwei der großen Protagonisten des Weltfussballs der letzten Jahre, bestreiten das Finale um die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007.
Die Begegnung erfährt eine besondere Würze dadurch, dass sich beide Mannschaften bereits vor gerade einmal vier Jahren in Yokohama gegenüberstanden. Am 14. Dezember 2003, um genau zu sein, spielten Boca und der AC Mailand als frisch gebackene Champions ihrer Kontinente um den Toyota-Pokal. Die Rossoneri unter Carlo Ancelotti gingen als hohe Favoriten in die Partie, doch am Ende hatten die von Carlos Bianchi betreuten Argentinier die Nase vorn.
Eine Revanche?
Ein kurzer Blick auf die Aufstellungen beider Mannschaften
lässt vermuten, dass die Italiener dem Spiel am Sonntag noch mehr
entgegenfiebern, denn bei ihnen sind nicht weniger als zwölf
Spieler oder ehemalige Aktive in der Delegation, die schon 2003
mitwirkten, als man sich im Elfmeterschießen geschlagen geben
musste.
Einer von ihnen war Paolo Maldini, die Gallionsfigur des AC Mailand, der sich im Gespräch mit FIFA.com noch sehr gut an diesen für ihn traurigen Abend erinnert: "Wir hatten eigentlich ein gutes Spiel geboten und waren den Argentiniern überlegen. Letztendlich haben wir aber unsere Chancen nicht genutzt und schließlich im Elfmeterschießen verloren."
Der unverwüstliche Verteidiger ist jedoch nicht der einzige Akteur, der markige Worte vermeidet. Cafú will nicht von einer Revanche sprechen: "Ich spreche im Fussball nicht gerne davon. Ich denke nur, dass es schön wäre, dieses Spiel zu gewinnen, unabhängig davon, wie der Gegner heißt." Clarence Seedorf stimmt ihm zu. Der Niederländer freut sich "auf die Aussicht, einen weiteren Titel zu holen. Dass es gegen Boca geht, ist zweitrangig."
Die Tifosi sehen das natürlich ganz anders. Kaká, der Brasilianer, den sie in der italienischen Mannschaft auf Händen tragen, kann sie gut verstehen. "Ich erinnere mich noch an die große Enttäuschung nach der Niederlage. Es war ein harter Schlag, aber jetzt bietet sich uns die Chance, diese Scharte wieder auszuwetzen", gesteht er gegenüber FIFA.com. Für ihn kommt allerdings noch ein weiterer Aspekt hinzu: "Da wir so viele Brasilianer in der Mannschaft haben, ist es für uns fast so, als spiele Brasilien gegen Argentinien. Ich möchte dieses Spiel unbedingt gewinnen..."
Nur noch zwei Augenzeugen des Sieges
Bei den Argentiniern gibt es nur noch zwei Spieler, die
damals in der siegreichen Mannschaft standen. Einer von ihnen ist
Fabián Vargas, der damals auf der Ersatzbank saß und - sehr zum
Leidwesen von Miguel Russo - aufgrund des Platzverweises gegen
Étoile Sportive du Sahel vom Mittwoch erneut nicht dabei sein wird.
Der Kolumbianer könnte dennoch eine Art Glücksbringer für die
Argentinier werden, denn er holte nicht nur 2003, sondern auch noch
2006 den Titel, als man ihn an Internacional de Porto Alegre
ausgeliehen hatte.
Wer damals jedoch dabei war und erneut auflaufen wird, ist Sebastián Battaglia. Der Mittelfeldspieler der Xeneize kann sich noch sehr genau an den Triumph von 2003 erinnern: "Ich weiß noch, dass ich einen Elfmeter verschossen habe. Es war alles ganz seltsam, die große Enttäuschung über den Fehlschuss und dann die Freude über den Sieg." Trotzdem versichert er: "Ich würde wieder einen Elfmeter schießen. Wenn ich in einem Finale stehe und mich entscheiden müsste, würde ich mir wieder den Ball schnappen." Und er fügt hinzu: "Ich hoffe, dass Boca erneut gewinnt. Das ist das Einzige, was für uns zählt."