Neri Cardozo ist ein zurückhaltender Mensch, der sich fast auf Zehenspitzen zu bewegen scheint - auf dem Spielfeld und abseits davon. Wenn man sich mit ihm unterhält, ist er sehr schüchtern und zurückhaltend. Trotz dieser Schüchternheit kann er auf dem Platz jedoch für ungeheuren Wirbel sorgen. So geschehen am Mittwoch in der Halbfinalpartie der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007 gegen Étoile du Sahel, und wenn es nach ihm geht, kann es im großen Finale am Sonntag auch so weitergehen. Trotz seines vollen Terminplans nahm sich der Schütze des Siegtors für die Boca Juniors, das dem Team den Einzug ins Finale sicherte, Zeit für ein Gespräch mit FIFA.com. Dabei ging es vor allem um diesen großen Moment und den Wettbewerb in Japan.

"Es ist einfach toll, was da gerade mit mir passiert. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben", erklärt der Spieler, der mit gerade einmal 21 Jahren schon bei zwei FIFA U-20-Weltmeisterschaften dabei war. "Es war meine erste Partie in Japan, und darüber freue ich mich ganz besonders. Ich habe ein Tor gemacht, das zum Sieg und gleichzeitig zum Einzug ins Finale geführt hat. Was will man mehr?"

Cardozo bezieht sich dabei auf den Spielzug, durch den die Begegnung nach 37 Spielminuten entschieden wurde. "Ich habe eine Lücke gefunden und auf das Zuspiel von Rodrigo (Palacio) gewartet. Als der Pass dann kam, habe ich gar nicht darüber nachgedacht, wo ich hin schießen sollte. Ich habe die Augen zugemacht und einfach draufgehalten. Ehrlich, ich habe einfach nur draufgehalten. Und wo ging er hin? Er ging tatsächlich rein!" erklärt er lachend und räumt gleichzeitig ein, dass es das wichtigste Tor seiner Karriere war. "Ich bin aufgrund einer Verletzung ohne viel Spielpraxis hier angekommen. Aber das hier gibt mir für die Zukunft wieder Selbstvertrauen."

Torfeier der besonderen Art
Das erste Tor Neri Cardozos in einem internationalen Wettbewerb wurde auf besondere Art gefeiert. Zunächst einmal begruben ihn seine Mannschaftskameraden auf dem Rasen des Nationalstadions von Tokio unter sich und drückten ihn dabei vor Begeisterung fast platt. Später imitierte er die Weltraummaus Topo Gigio (Anm. d. Red.: Trickfilmfigur, die in den 80er Jahren in Argentinien bei Kindern sehr beliebt war) mit den Händen hinter den Ohren. Warum? "Ich habe das für Román (Riquelme) gemacht, der da draußen war und nicht spielen durfte. Er ist vor dem Spiel auf mich zugekommen, um mir Glück zu wünschen und mir zu sagen, dass ich einfach mein Spiel machen soll", verrät Cardozo.

Natürlich blieb das nicht die einzige Begegnung mit Riquelme: "Direkt nach dem Spiel hat er mir zu dem Tor gratuliert und sich für die Widmung bedankt. Er ist sehr wichtig für uns. Nicht nur als Spieler, sondern auch als Mannschaftskamerad und Freund. Seine Anwesenheit hilft uns sehr", meint er.

Direkt nach dem Spiel gegen Étoile ist Cardozo bereits heiß auf das Finale. Er geht allerdings nicht davon aus, dass der Gegner auf jeden Fall AC Mailand heißen wird: "Man wird sehen, ob sie wirklich gewinnen. Urawa hat eine sehr schnelle Mannschaft, gute Spieler und außerdem die Zuschauer auf seiner Seite. Da ist noch nichts entschieden. Das Gute ist, dass wir es schon geschafft haben und in aller Ruhe auf den Spielausgang warten können."

Bevor Cardozo zur Pressekonferenz geht, in der er den versammelten Medienvertretern Argentiniens und Japans gegenüberstehen wird, berichtet der stille Held des argentinischen Klubs noch, dass er sich in Japan wohl fühlt. "Ich konnte mir nicht viel anschauen, aber das, was wir gesehen haben, ist sehr schön. Ich habe die Gelegenheit genutzt und einige Mitbringsel für meine Mutter und meine Freundin eingekauft", erklärt er und hält dabei sein Trikot in der Hand. "Das bekommt mein Vater", meint er und äußert zu guter Letzt noch einen Wunsch: "Komme, was da wolle, am Sonntag müssen wir einfach gewinnen."