Seit der Einführung des aktuellen Formats der FIFA Klub-Weltmeisterschaft hat noch keine Mannschaft, die in Führung gegangen ist, das Spiel noch verloren. Die letzte Mannschaft, die dieser Statistik treu blieb, waren die Urawa Red Diamonds, die im Viertelfinale nach dem Führungstreffer von Yuichiro Nagai einen 3:1-Erfolg über Sepahan feierten.
Bezüglich seines Tores gegen die Iraner - dem ersten eines japanischen Spielers bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft - gab sich Nagai jedoch bescheiden: "Takahito Soma legte den Ball großartig für mich auf - ich musste ihn noch über die Linie drücken. Ich muss mich also bei ihm für die tolle Vorlage bedanken. Es ist schon eine große Ehre für mich, bei der Klub-WM mit dabei zu sein, aber als ich dann noch zum ersten japanischen Spieler wurde, der bei diesem Turnier ein Tor erzielen konnte - das macht mich überglücklich!"
Der 28-Jährige, der zum besten Spieler in der AFC Champions-League-Saison 2007 gewählt wurde, war auch am dritten Treffer beteiligt, als Aghily ein Eigentor unterlief und somit Sepahans Schicksal endgültig besiegelt wurde.
Nagai, der sich vor dem gegnerischen Tor insbesondere seine Größe und Schnelligkeit zu Nutze macht, konnte in keiner der letzten vier J.League-Partien der Urawa Red Diamonds nach dem Triumph in der Champions League einen Treffer erzielen. Urawa holte in diesen Spielen nur noch einen einzigen Punkt und musste somit zusehen, wie sich die Kashima Antlers im allerletzten Spiel doch noch den unverhofften Meistertitel sicherten.
Angesichts der großen Enttäuschung von Nagai & Co sah sich Trainer Holger Osieck gezwungen, seinen Spielern ein paar Tage frei zu geben, ehe die Vorbereitungen für Japan 2007 beginnen konnten. "In diesen Tagen habe ich versucht, nicht an Fussball zu denken. Ich versuchte stattdessen, mich wieder aufzubauen, um für die Klub-WM wieder fit zu sein."
Vor dem Spiel gegen Sepahan äußerten viele Beobachter Zweifel, ob Urawa angesichts seiner schwachen Form und ohne den verletzten brasilianischen Spielmacher Robson Ponte bestehen könnte.
Die Leistung der Japaner in dieser Viertelfinalpartie war jedoch so stark, dass die Presse sogar vom vielleicht besten Saisonspiel des Teams sprach. Nagai, dessen Auftritt am vergangenen Montag besonders hervorgehoben wurde, erklärte diese Leistungssteigerung wie folgt: "Nachdem wir den Titel in der J.League noch aus der Hand gegeben hatten, waren wir fest entschlossen, es bei diesem Turnier allen zu zeigen. Das war mit Sicherheit ein entscheidender Faktor in unserem Auftaktspiel. Ich weiß, dass auch in diesem Spiel nicht alles rund gelaufen ist, doch unsere Verteidiger haben ihre Sache gut gemacht und die gegnerischen Angreifer im Griff gehabt."
"Auch unser Mittelfeld hat gut gespielt und war stets nach vorne orientiert. Vor allem (Yuki) Abe und Keita (Suzuki) haben zahlreiche Zweikämpfe gewonnen und sehr viele Bälle erkämpft. Dank ihrer Aktionen konnten wir sehr offensiv spielen."
Am Donnerstag, 13. Dezember, kämpft Urawa mit seinem Wunschgegner AC Mailand um den Finaleinzug. Nagai weiß, dass die Rossoneri mit Spielern wie Andrea Pirlo, Gennaro Gattuso, Filippo Inzaghi und Kaká haushoher Favorit sind, dennoch sieht er für seine Mannschaft durchaus Chancen.
"Wir sind stolz, als Vertreter Asiens neben all diesen kontinentalen Champions an der Klub-WM teilzunehmen, und wir hoffen, eine angemessene Leistung zu bringen, um gegen den Rest der Welt bestehen zu können", fuhr Urawas Angreifer fort. "Es versteht sich von selbst, dass ich gegen den AC Mailand gerne ein Tor erzielen möchte. Wir haben den Vorteil, als Heimmannschaft nicht den Reisestrapazen ausgesetzt zu sein und uns nicht an ein neues Umfeld gewöhnen zu müssen. Ich bin auch davon überzeugt, dass wir wie im Spiel gegen Sepahan wieder auf die großartige Unterstützung des Publikums zählen können."
Nagais Ziel ist es, in die Fußstapfen von Spielern wie Naohiro Takahara, Junichi Inamoto, Shinji Ono, Koji Nakata und anderen Mitgliedern der "goldenen Generation" Japans zu treten, die auf der großen Bühne des Weltfussballs bereits ihr Können unter Beweis stellen konnte. "Ich bin bereit, alles für meine Mannschaft zu geben. Es wäre großartig, wenn sich für mich dadurch eine Chance ergeben sollte, bei einem europäischen Klub zu landen. Das war schon immer mein Ziel", verrät er mit einem Lächeln.

