Am 30. Juni 2002 wurde an einem heißen Abend in Yokohama der Brasilianer Cafú zum fünften Spielführer einer brasilianischen Nationalelf, der jubelnd einen FIFA WM-Pokal in den Händen halten durfte. Damals hatten schon einige spekuliert, dass dies der goldene Abschluss der langen Karriere eines der besten Außenverteidiger der Geschichte des Fussballs sein könnte. Weit gefehlt, denn die Serie der Auftritte des Spielers in Japan sollte noch lange kein Ende haben.
Heute, im Alter von 37 Jahren, kehrt der Brasilianer wieder einmal in die gigantische Betonschüssel zurück, in der er einen der schönsten Augenblicke seiner Karriere erleben durfte. Er tut dies im Trikot des AC Mailand, in der Partie gegen die Urawa Red Diamonds, bei der es um einen Platz im großen Finale der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007 geht. "Es ist ein wunderbares und sehr bewegendes Gefühl, wieder in das Stadion zurückzukehren, in dem ich den WM-Pokal in die Höhe heben durfte. Jedes Mal, wenn ich hierher zurückkehre, erlebe ich ganz wunderbare Dinge. Ich kann mich noch gut an das Finale gegen Deutschland erinnern, wie ich die Trophäe berührt habe. Dieses Bild wird immer im Gedächtnis der Brasilianer und auch in meinem verhaftet bleiben", blickt Cafú im Gespräch mit FIFA.com zurück.
Marcos Evangelista de Moraes, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, hat schon mehr als ein Mal in Japan jubeln dürfen. So holte er dort zu Beginn der 90er Jahre zwei Mal den Weltpokal mit São Paulo. "Ich hätte nie gedacht, dass mir dieses Land einmal so viel bedeuten würde. So etwas hätte ich mir nie träumen lassen, als ich als Kind in Brasilien Fussball spielte", gesteht er lachend ein.
Mittlerweile sind viele Jahre ins Land gegangen. Cafú ist nicht mehr der Junge, der davon träumt, eines Tages Fussballprofi zu werden. Doch trotz seiner 37 Jahre verspürt er noch das selbe Feuer in sich: "Ich bin in guter Form, fühle mich sehr wohl und möchte unbedingt spielen. Natürlich weiß ich, dass ich kein 22-jähriger Bursche mehr bin, aber die Möglichkeit, in meinem Alter einen vierten WM-Titel mit einem Verein zu holen, ist einfach wunderbar."
Schlüssel zum Erfolg
Wenige Stunden vor der Partie gegen Urawa weiß Cafú noch
nicht, ob er in der Anfangsformation stehen wird. Gegenwärtig
wechselt er sich auf der Position des rechten Außenverteidigers mit
Massimo Oddo ab. Der Brasilianer ist der wesentlich routiniertere
und erfahrenere der beiden. "Die jungen Spieler fragen mich
viele Dinge. Dennoch sollte man bedenken, dass in unserem Kader
alle Akteure über viel Erfahrung verfügen und auch schon mit
anderen Vereinen Titel geholt haben."
Wie schafft man es, im Alter von 37 Jahren noch so fit zu sein? Cafús Geheimnis ist ganz simpel: "Arbeit, Engagement, Fleiß und Selbstüberwindung. Eine Mischung aus Dingen, die viele junge Spieler heutzutage nicht mehr besitzen. Die meisten wollen sich doch, nachdem sie mit 25 Jahren alles gewonnen haben, mit 30 Jahren zurückziehen. Ich nicht. Ich möchte auch in meinem jetzigen Alter noch topfit sein."
Der Brasilianer weiß, dass ihn im Halbfinale der FIFA Klub-WM 2007 keine leichte Aufgabe erwartet. So trifft sein Team am Donnerstag auf die Urawa Red Diamonds, einen sehr starken Gegner. "Wir haben ihr Spiel gegen Sepahan gesehen, und ich muss sagen, dass sie ein großes Team haben. Es ist immer schwierig, gegen die Heimmannschaft anzutreten, die all ihre Fans im Rücken hat", räumt Cafú ein, der im Fall eines Sieges auf die Boca Juniors treffen würde, gegen die Milan 2003 noch das Finale der Klub-WM verloren hatte.
"Ich bin wohl der einzige Mensch auf der Welt, der nichts von einer Revanche auf dem Platz hält. Revanche ist ein sehr negatives Gefühl, das es im Fussball nicht geben sollte. Damals waren sie einfach stärker als wir. Sollten wir jetzt noch einmal auf sie treffen, müssen wir die Chance ergreifen und versuchen, besser zu sein und sie zu besiegen", so der Außenverteidiger.
Sollte das möglich sein, könnte Cafú den einzigen Misserfolg unter all seinen Auftritten im International Stadium von Yokohama wieder ausbügeln. "Ich hoffe, dass ich mit dem AC Mailand und meinen brasilianischen Mannschaftskameraden diesen Titel holen kann. Wir sind insgesamt acht Brasilianer im Team, weswegen es auch ein Erfolg für mein Land wäre." Sein Land, in das er eines Tages zurückkehren möchte, "um dort für den Sport zu arbeiten und sich einzusetzen." Zunächst einmal möchte er jedoch in Yokohama, wie bereits 2002, erneut Anlass zum Jubeln haben...

