Es ist merkwürdig: Der Name Juan Román Riquelme ist in Japan in aller Munde. Alle Fans und Journalisten, die zur FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2007 nach Fernost gereist sind, reden von dem Spielmacher. Alle, außer dem argentinischen Trainer Miguel Ángel Russo, der bereits versichert hat, dass seine Spieler den Titel auch ohne das Mittelfeld-Ass gewinnen können.
Am 30. November hatte die FIFA basierend auf Artikel 8 des Wettbewerbsreglements bestätigt, dass Riquelme für dieses Turnier nicht spielberechtigt ist. Dennoch stand das Aushängeschild der Argentinier am Samstag bei der Pressekonferenz der Mannschaft in Tokio im Mittelpunkt des Interesses.
"Riquelme darf nicht spielen, weil wir ihn nicht in die Vorauswahlliste der 30 Spieler aufnehmen konnten, die für dieses Turnier spielberechtigt sind. Damals wussten wir noch nicht, dass er zu diesem Zeitpunkt bei uns sein würde. Das ist die Sachlage. Dennoch vertrauen wir auf unsere Mannschaft und setzen all unsere Hoffnungen in die Spieler. Wir wissen, dass wir den Pokal trotzdem holen können", erklärte Luis Buzio von der Vereinsführung des argentinischen Klubs in einem Versuch, das Thema vor den Vertretern der internationalen Presse endgültig abzuhaken. Es sollte ihm jedoch nicht gelingen.
"Werden Sie die Taktik ändern, weil sie ohne Riquelme auskommen müssen?", "Werden sich die Stürmer ohne ihren Vorbereiter nicht verloren fühlen?" oder "Kommt er nach Japan, um die Mannschaft spielen zu sehen?" Mit all diesen Fragen bombardierten die japanischen Journalisten den Trainer und warfen ihm zwischendurch immer wieder ein höfliches Lächeln zu.
Der Coach zeigte sich äußerst geduldig und freundlich und räumte alle Zweifel aus dem Weg: "Es stimmt, dass Riquelme im ersten Halbjahr eine entscheidende Rolle gespielt hat. Damals haben wir die Copa Libertadores gewonnen und die Möglichkeit erhalten, hier in Japan dabei zu sein. Aber natürlich waren auch seine Mannschaftskameraden entscheidend, auf die ich voll und ganz vertraue. Boca kann auf eine lange Tradition zurückblicken, und wir sind hierher gekommen, um unsere Klasse erneut unter Beweis zu stellen."
Diese Ansicht vertrat auch Martín Palermo, der im ersten Halbjahr des Jahres 2007 viel von den Pässen des Mittelfeldspielers profitierte. "Wir erzählen hier sicher nichts Neues, wenn wir sagen, dass Román ein hervorragender Spieler ist, der Boca kennt wie seine eigene Westentasche. Genau deshalb übernimmt er Verantwortung und nimmt uns eine Menge Druck von den Schultern. Allerdings wissen wir auch, was wir ohne ihn erreichen können. Wir haben hochklassige Spieler, die versuchen werden, ihn so gut wie möglich zu ersetzen. Wir träumen davon, mit dem Titel im Gepäck nach Hause zurückzukehren."
Die Zahlen sprechen für sich
Nach Riquelmes Weggang zum FC Villarreal schieden die Boca
Juniors im Achtelfinale der Copa Sudamericana gegen São Paulo aus
und belegten unlängst im Torneo Apertura den vierten Platz. Die
Meisterschaft sicherte sich Lanús. Daher spekuliert und diskutiert
man in der Fangemeinde sowie in Medienkreisen noch immer darüber,
wer den Spielmacher in Japan wohl ersetzen kann.
Mannschaftskapitän und Torjäger Palermo versucht indessen, die Auswirkungen, die das Fehlen seines Angriffskollegen haben wird, herunterzuspielen, obwohl man in der heimischen Meisterschaft aus den letzten drei Spieltagen gerade mal einen Punkt mitnehmen konnte: "Es kommt vor allem auf die Einstellung an. Wir können wohl sagen, dass sich daran seit unserer Ankunft in Japan etwas geändert hat. Die Ereignisse der Vergangenheit liegen hinter uns. Jetzt müssen wir der großen Verantwortung gerecht werden, die vor uns liegt."
Diese Ansicht teilt auch Sebastián Battaglia, der meinte, Boca müsse sich ganz auf das Halbfinale am Mittwoch konzentrieren, um die bestmögliche Leistung abzurufen. "Hier sind die Meister aller Konföderationen vertreten, und sie verdienen alle Respekt. Allerdings bin ich mir sicher, dass die anderen auch vor uns Respekt haben werden. Ich hoffe, dass wir in diesem Land noch einmal eine Ehrenrunde drehen können." In diesem Fall wird Riquelme bei seinen Mannschaftskameraden sein. "Als Fan," wie Luis Buzio neuerlich betonte. Der Mittelfeldstar wird am Tag vor der Partie gegen Étoile du Sahel in Japan eintreffen.
