Als FIFA.com vor einigen Wochen in einer Umfrage wissen wollte, wer wohl nach Meinung der User der aktuell beste afrikanische Spieler ist, fiel das Ergebnis nicht unbedingt überraschend aus: Genannt wurden zuvorderst der Ivorer Didier Drogba, der Kameruner Samuel Eto'o, der Togoer Emmanuel Adebayor und der Ghanaer Michael Essien. Ein kleiner tunesischer Stürmer landete damals noch abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.
Das mag daran liegen, dass er den meisten europäischen Beobachtern noch unbekannt ist. Doch Mohamed Amine Chermiti, seines Zeichens Torgarant von Étoile Sportive du Sahel, hat die Herzen der afrikanischen Fans bereits buchstäblich im Sturm erobert. Weil der Beginn seiner Laufbahn nicht eben geräuschlos verlaufen ist, gilt die große tunesische Nachwuchshoffnung schon heute als der Stern, der künftig bei seinem Verein am hellsten strahlen könnte. Wie passend, dass "Étoile" nichts anderes heißt als eben "Stern".
"DER Beste ist er noch nicht, aber er wird es sehr bald sein", prognostizierte etwa User sahlus. Regelrecht poetisch wurde gar BIGTITO, der schrieb: "Er wird bald den Himmel Tunesiens und ganz Afrikas überstrahlen. Die Welt wird sein Talent bei der nächsten Afrikameisterschaft entdecken." Nun, möglicherweise muss man noch nicht einmal so lange warten. Die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007 könnte Chermiti schon vorher die perfekte Bühne für große Auftritte bieten.
Mit einer Körpergröße von relativ bescheidenen 1,76 Metern ist Chermiti für einen Mittelstürmer eigentlich zu klein, aber der 19-Jährige hat aus der vermeintlichen Schwäche seine größte Stärke gemacht. Er ist quirlig, dribbelstark, extrem antrittsschnell und scheut noch dazu keinen Zweikampf. "Oft ist es so, dass seine Gegenspieler ihn wegen seiner Statur unterschätzen", hat Kapitän Saif Ghezal ausgemacht. "Als nächstes zeigt er ihnen dann die Hacken, und sie haben keine Möglichkeit mehr, ihn vom Toreschießen abzuhalten. Mit seinen Manndeckern spielt er regelmäßig Katz und Maus." Auch für die Hereingaben seiner Mitspieler ist Chermiti oft ein dankbarer Abnehmer, schließlich ist er trotz seiner Größe sehr kopfballstark.
Schon locken die Vereine aus Europa, und es ist abzusehen, dass Chermiti wohl nicht mehr allzu viele Spiele für Étoile absolvieren wird. Spätestens im Juni 2008 dürfte er das Mittelmeer in Richtung Norden überqueren. Für Ghezal der ideale Zeitpunkt. "Amine ist noch jung, er hat noch alle Zeit der Welt. Seine Karriere ist bislang im Eiltempo verlaufen, aber er hat noch Steigerungsmöglichkeiten. Sein Potenzial ist enorm. Dieses Turnier wird ihn noch stärker machen. Dort wird ein anderer Fussball gespielt, und die Verteidiger sind stärker. Und er kann sich Europa präsentieren. Ich weiß, dass er schon Angebote von dort hat. Es liegt an ihm, sein Niveau zu bestätigen und seine Möglichkeiten zu nutzen."
Die Möglichkeiten nutzen - das gilt auch und vor allem auf dem Platz. Den Anfang kann er im National Stadium von Tokio machen, wo Étoile du Sahel am Sonntag im Viertelfinale gegen die Mexikaner von Pachuca antritt. Ein Sieg, und man träfe auf die legendären Boca Juniors aus Argentinien. Und dies wäre ein Kräftemessen wie gemalt für einen Spieler wie Chermiti.
