Am 14. September war Rot eindeutig die dominierende Farbe im Saitama-Stadion, nachdem die Urawa Red Diamonds sich zum ersten Mal in der Geschichte den Sieg in der AFC Champions League gesichert hatten. Zu den vielen denkwürdigen Eindrücken jenes Abends zählt auch das Bild des Mittelfeldroutiniers und Spielführers Nobuhisa Yamada, der seine jubelnden Mitspieler nach dem Schlusspfiff umarmt, bevor er die Trophäe unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Fans in den Himmel reckt.

Natürlich war das eigentlich nichts Besonderes für Nobuhisa Yamada, schließlich ist das eine schon liebgewordene Routine für den Mannschaftskapitän eines Vereins, der dem ersten Gewinn des Nabisco Cup 2003 Siege beim Emperor's Cup 2005 und 2006 und auch den Meistertitel in der J.League 2006 folgen ließ. Anders war dieses Mal, dass Yamada das Geschehen von der Bank aus beobachtete und warten musste, bis er an der Reihe war, um die begehrte Trophäe in Händen zu halten.

Der im rechten Mittelfeld beheimatete Spieler fehlte in den Finalpartien gegen Sepahan, nachdem er sich am 28. Oktober in der J.League gegen Nagoya einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, der ihn für vier bis fünf Wochen außer Gefecht setzte. Dies geschah nur wenige Tage nach dem Sieg Yamadas und seiner Teamgefährten über den koreanischen Vertreter Seongnam Ilhwa im Halbfinale der asiatischen Champions League.

Yamada wurde am 10. September 1975 in Fujieda (Präfektur Shizuoka) geboren, einer der Fussballhochburgen in Japan. Er machte seinen Abschluss an der angesehenen Fujieda Higashi Football School und schloss sich Urawa im Jahr 1994 an. Seitdem hat er viele Höhen und Tiefen im Trikot von Saitama erlebt, sich jedoch in mehr als 500 Partien nie ernsthaft verletzt. Er schien derart unverwüstlich, dass ihn die Fans bereits als "Iron Man" bezeichneten.

Der Verein, der in dieser Saison auf vielen Hochzeiten im Inland wie auch im Ausland tanzt, hatte den Verlust seines eisenharten Spielführers keineswegs eingeplant. Yamada äußerte sich gegenüber FIFA.com über die starke Belastung an zwei Fronten: "Es war das erste Mal, dass wir uns Anforderungen in nationalen und internationalen Wettbewerben stellen mussten, und das war für alle Spieler eine große Belastung. Nicht nur der Spielplan war sehr eng, sondern wir mussten viel reisen und hatten sehr harte Spiele zu absolvieren. Trotz allem wurden wir Asienmeister, weil wir sehr motiviert waren und nie aufsteckten."

Auf das Finale gegen die iranische Mannschaft von Sepahan angesprochen, erklärt er: "Es war ein Jammer, dass ich die entscheidende Partie verpasste, aber dennoch bin ich glücklich darüber, dass das Team den Titel geholt hat. Der gegenwärtige Kader von Urawa ist imstande, Großes zu leisten, auch wenn Spieler ausfallen. Wir haben auch im Finalrückspiel eine starke Leistung geboten, obwohl wir in der zweiten Halbzeit zunächst etwas zurückgedrängt wurden. Bis wir unser [zweites] Tor erzielten, war ich doch ganz schön nervös."

Seitdem das aktuelle Format der asiatischen Champions League im Jahr 2002 eingeführt wurde, hatte es bis zu diesem Jahr noch kein Team aus der J.League über die Gruppenphase hinaus geschafft. Als in diesem Jahr sowohl Urawa als auch Kawasaki Frontale die K.O.-Phase erreichten, waren die Erwartungen im Land gleich sehr hoch. Da Urawas Trainer Holger Osieck großen Wert darauf legte, dass sein Team jeweils von Spiel zu Spiel dachte, hatte Yamada erst nach dem Sieg gegen den koreanischen Gegner im Halbfinale erstmalig den Eindruck, dass man tatsächlich den Asien-Titel holen könnte. "Wenn ich die gesamte Champions-League-Saison betrachte, war das Spiel gegen Seongnam Ilhwa sicherlich das härteste. Als wir diesen Gegner geschlagen hatten, waren wir entschlossen, den Titel zu holen."

Nach der Gründung des Vereins war Urawa eine Zeitlang in den unteren Tabellenregionen zu Hause, belegte 1999 gar den letzten Tabellenplatz und musste in die zweite Liga absteigen. Yamada, der Urawas 'dunkle Epoche' aus erster Hand miterlebte, ist sichtlich bewegt, wenn er an die großartige Entwicklung des Vereins seitdem denkt. "Ich bin überzeugt davon, dass die Mannschaft heute im Zenit ihres Könnens steht, auch wenn ich selbst meine besten Tage schon hinter mir habe", erklärt er mit der für ihn typischen Bescheidenheit. "Alle Spieler sind sehr talentiert, sind starke Charaktere und trotzdem imstande, zum Wohle des Teams zusammenzuarbeiten."

Der 32-jährige Routinier, bekannt wegen seiner Bescheidenheit und weil er nur selten Gefühlsregungen zeigt, wurde gefragt, welche Rolle er als Spielführer beim Erfolg seines Teams hatte. Seine Antwort fiel wie erwartet aus: "Ich habe eigentlich nichts Besonderes geleistet. Es kam alles wie von selbst." Er fuhr fort: "Bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft dabei zu sein, ist eine tolle Sache für die Mannschaft. Es ist das größte aller Ziele, nicht erst der Anfang. Wir müssen jetzt den Schwung für die nächsten Jahre beibehalten."

Als Kind war er dabei, als Juventus Turin mit Michel Platini 1985 die Argentina Juniors im Elfmeterschießen im damaligen Toyota-Cup besiegte. Als großer Bewunderer des italienischen Fussballs sagt Yamada, dass "ich liebend gerne das erste Spiel gewinnen würde, um dann gegen den AC Mailand zu spielen. Wir werden sehen, wie weit wir kommen". Und fügte hinzu: "Ich kenne den AC Mailand nur aus der Perspektive eines Fans und habe ihn nie als potenziellen Gegner gesehen. Um ehrlich zu sein, ich habe es noch gar nicht richtig verstanden. Auf meiner Position könnte ich es sogar mit [Paulo] Maldini zu tun bekommen. Ich freue mich so sehr darauf, denn man bekommt nicht oft die Chance, gegen einen so erfahrenen Spieler anzutreten."

Auch die Anhänger der Urawa Red Diamonds hoffen darauf, dass ihr Held rechtzeitig zu den Spielen gegen die ganz Großen des Fussballs wieder an Bord ist. Für die vielen tausend Fans, die Red Devils, die im Dezember das Stadion füllen werden, wäre das Auftreten ihres beliebten Spielführers auf der Bühne des Weltfussballs ein Beleg dafür, wie weit ihr Verein es gebracht hat.