Bereits lange vor seinem Debüt in Argentiniens höchster Spielklasse stand Sebastián Battaglia bei Insidern der Boca Juniors hoch im Kurs. Der aus der Provinz Santa Fé stammende Mittelfeldakteur hatte die Klubverantwortlichen seit seiner Ankunft in Buenos Aires derart beeindruckt, dass man ihn intern schon bald als künftigen zentralen Mittelfeldspieler des Teams bezeichnete.

Inzwischen lebt Sebastián seit 15 Jahren in der argentinischen Hauptstadt, und die damaligen Prognosen haben sich mittlerweile mehr als bestätigt. Mit gerade mal 27 Jahren gilt Battaglia bereits als erfahrener Mittelfeldakteur, dessen bisherige Erfolgsbilanz so manchen Routinier neidisch machen könnte. Seit seinem Erstligadebüt im Jahr 1998 gewann er mit Boca fünf Mal die argentinische Meisterschaft, vier Mal die Copa Libertadores, zwei Mal den Interkontinental-Pokal sowie ein Mal den südamerikanischen Supercup. Im Dezember reist Battaglia nun zum dritten Mal nach Japan, um bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2007 nach der WM-Krone für Klubmannschaften zu greifen. Inmitten der Vorbereitung auf diese neue Herausforderung sprach Battaglia mit FIFA.com über das bevorstehende Turnier und die Möglichkeit eines erneuten Aufeinandertreffens mit dem AC Mailand.

"Ich kann es kaum glauben"
Obwohl er bereits neun Jahre Erstligaerfahrung hinter sich hat, räumt Battaglia ohne Umschweife ein, dass ihn das bisher Erreichte selbst überrascht hat. "Ich kann es noch immer nicht fassen, dass ich das alles mit meiner Mannschaft geschafft habe. So richtig bewusst wird einem das Ganze erst, wenn man die Presseberichte liest und die entsprechenden Archive durchforstet. Das ist wirklich unglaublich! Heute habe ich das alles im Kopf, und wenn ich eines Tages meine aktive Karriere beende, wird es mir mein ganzes Leben lang in Erinnerung bleiben. Solche Dinge muss man möglichst intensiv genießen, denn man weiß ja nie, ob man so etwas noch einmal erleben wird", so Battaglia.

Gemeint ist die Ansammlung der bislang gewonnenen Titel, die indes alle bereits Geschichte sind. Derzeit bereitet sich Sebastián auf seine dritte Japan-Reise vor. Von den beiden vorangegangenen Reisen kehrte er jedes Mal mit dem Interkontinental-Pokal im Gepäck in seine Heimat zurück, nachdem sein Team in den Finalspielen gegen keine Geringeren als Real Madrid bzw. AC Mailand erfolgreich gewesen war. Ob dies ein Grund sei, das Ganze eher locker anzugehen, wollen wir wissen. "Nein, überhaupt nicht. Es ist nicht leicht, sich nach so vielen Erfolgen noch die nötige Motivation zu erhalten, doch wir stellen uns nach wie vor hohe Ziele, die wir dann auch erreichen wollen. Das gilt erst recht für einen Klub wie Boca Juniors, dem wir uns allein von seiner Geschichte her verpflichtet fühlen", ist sich Sebastián sicher, wobei er angesichts seiner bisherigen Erfolge immer noch ins Schwärmen gerät.

"Ich kann mich noch genau an unsere beiden Finalsiege in Japan erinnern. Beim ersten Mal war ich noch sehr jung [Anm. d. Red.: Im Jahr 2000 war Battaglia 20 Jahre alt.] und ich hatte das Glück, gegen Real Madrid zu spielen. Ich bin unserem damaligen Trainer Carlos Bianchi ewig dafür dankbar, dass er mir damals sein Vertrauen schenkte. Im Jahr 2003, als wir auf den AC Mailand trafen, hatte ich schon wesentlich mehr Erfahrung. Und obwohl ich einen Elfmeter verschoss, haben wir am Ende erneut die Trophäe gewonnen. Es war schon etwas seltsam, denn es war mein letztes Pflichtspiel vor meinem Wechsel nach Spanien", so Battaglia im Rückblick.

Genau so war es. Battaglia ging zum FC Villarreal, kehrte jedoch bereits im Jahr 2005 zu seinem Heimatverein zurück, um dort mit dem für ihn typischen Siegeswillen weiter für Furore zu sorgen. "Es war in der Tat so, dass mir Boca in der Fremde sehr gefehlt hat. Bei uns hier herrscht eine Mentalität, die man so nirgends findet: Niemand aus der Mannschaft will auf halbem Wege stehenbleiben, alle wollen stets gewinnen und noch mehr Titel holen. In Spanien hatte ich eine schöne Zeit, trotzdem ist dort vieles anders als hier. Heute bin ich fest entschlossen, mit den Boca Juniors noch möglichst viele Titel zu gewinnen. Und Japan bietet dafür eine günstige Gelegenheit."

"Keiner will verlieren"
Seit sich sein Team für die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007 qualifiziert hat, wissen die Boca-Profis, dass es dort möglicherweise zu einer Neuauflage des Duells mit dem AC Mailand kommen könnte, den man im Finale des Intercontinental-Cups 2003 bezwang. Und natürlich ist sich auch Battaglia trotz aller Beteuerungen bezüglich des Siegeswillens seiner Mannschaft darüber im Klaren, dass die Italiener schon mit Ungeduld auf eine Revanche brennen.

"Es wurde viel davon geredet, dass die Europäer diesem Titel eine geringere Bedeutung zuordnen würden als wir Südamerikaner. Dennoch kann ich Ihnen versichern, dass kein einziges Team, das bis ins Finale kommt, es dann verlieren will. Gewinnen wollen alle, da bildet auch und gerade der AC Mailand mit seiner traditionsreichen Geschichte absolut keine Ausnahme. Ich glaube nicht, dass es ihnen gefallen hat, als sie zusehen mussten, wie wir den Titel gefeiert haben", so Battaglia weiter.

Dennoch vermeidet es der Mittelfeldakteur, der unlängst in die argentinische Nationalmannschaft berufen wurde, seine Mannschaft als ersten Anwärter auf den FIFA Klub-WM-Titel 2007 zu nennen: "Wir haben zwei schwere Partien vor uns. Sicher, in den vergangenen Jahren haben wir uns reichlich Respekt verschaffen können, so dass uns wohl niemand unterschätzt. Allerdings müssen wir das auch immer wieder mit unserem eigenen Spiel aufs Neue beweisen."

Falls es gelingt, dies zumindest im Halbfinale umzusetzen, könnte sich für Sebastían vielleicht die Möglichkeit ergeben, sich für den verschossenen Elfmeter von 2003 zu rehabilitieren. Denn sollte sich jene Situation wiederholen, "würde er sie problemlos meistern. Ein Elfmeter ist immer mit einer nervlichen Anspannung verbunden, vor allem für die Fans. Doch wenn ich heute in die gleiche Situation wie damals käme, würde ich mir den Ball mit dem größten Vergnügen zurechtlegen", so Battaglia optimistisch und mit Glanz in den Augen.

Vielleicht behält er ja Recht, zumal es ein altes Sprichwort gibt, das lautet: "Derjenige, der zum dritten Mal nach Japan reist, wird nicht als Besiegter zurückkehren."