Für Al Ahly ist der ganz große, rekordverdächtige und geschichtsträchtige Triumph schon zum Greifen nahe. Ein Sieg am Freitag im Rückspiel um den Titel in der CAF Champions League und der Kairoer Spitzenklub hätte den Wettbewerb zum sechsten Mal gewonnen. Das wäre selbst für einen Verein, der schon zu Afrikas bester Mannschaft des vergangenen Jahrhunderts gewählt wurde, eine wahrlich historische Leistung.

Noch wichtiger aber als die Gesamtzahl von sechs Siegen in der afrikanischen Königsklasse dürfte Trainer José Manuel und seinen Spielern sein, dass sie den Titel zum dritten Mal in Folge gewinnen könnten. Auch das hat noch keine Mannschaft vor Al Ahly geschafft.

Nach dem 0:0 im Hinspiel im tunesischen Sousse Ende Oktober geht Al Ahly denn auch als haushoher Favorit in das Spiel. Alles in allem zeigte sich der ägyptische Meister in der zu Ende gehenden Champions-League-Saison dabei zwar nicht ganz so überragend wie in den beiden Jahren zuvor, doch die Routine, mit der sich Al Ahly in Tunesien einen Punkt holte, zeugte einmal mehr von Qualität.

Das Unentschieden in Sousse weckte darüber hinaus Erinnerungen an das Endspiel vor zwei Jahren. Auch damals musste Al Ahly zunächst auswärts gegen Étoile Sahel antreten, und auch damals spielte man zunächst unentschieden, um dann daheim mit 3:0 alles klar zu machen.

Aboutrika wieder mit dabei
Mitwirken kann in jedem Fall Al Ahlys Glücksbringer im Mittelfeld, Mohamed Aboutrika, Schütze des dramatischen Siegtreffers im letztjährigen Finale. Dieser hatte am Donnerstag im Ligaspiel gegen Ismaili einen Schlag auf das Knie erhalten und drohte zunächst auszufallen. Aber nach einigen Tage Pause und intensiver Behandlung konnte der so wichtige Routinier am Dienstag wieder ins Training einsteigen. Da mit Mohamed Barakat sein kongenialer Partner im Mittelfeld wegen einer Gelbsperre fehlen wird, kommt es um so mehr auf Aboutrika an.

Für Manuel José sind jedoch nicht die zahlreichen Offensivoptionen der Grund dafür, warum seine Mannschaft die heimische Liga seit vier Jahren ebenso beherrscht wie die kontinentale Meisterklasse. Vielmehr schwärmt der Trainer da schon von der Abgeklärtheit seiner Hintermannschaft.

Bei Gegner Étoile Sahel hingegen glauben wohl nur noch die ganz eingefleischten Fans an eine Sensation, auch wenn sich der französische Trainer Bertrand Marchand in Optimismus übt und verkündet: "Ich glaube, dass meine Spieler dort tatsächlich Erfolg haben können!"

Der offensivstarke Außenverteidiger Mehdi Meriah ist nach seiner Roten Karte im Hinspiel wegen einer Notbremse an Barakat zehn Minuten vor Schluss ebenso gesperrt wie Kapitän Seif Ghezal nach einer Gelben Karte.

Lehren aus der Geschichte?
Im vierten Jahr in Folge steht ein tunesischer Vertreter im Endspiel um die afrikanische Königsklasse, doch die letzten drei Endspiele endeten für die Nordafrikaner allesamt mit Enttäuschungen. 2004 verlor Étoile Sahel gegen Enyimba aus Nigeria im Elfmeterschießen und im Jahr darauf dann gegen Al Ahly. 2006 siegte Al Ahly in der Addition knapp mit 2:1 gegen CS Sfaxien. Unvergessen: Aboutrikas dramatischer Siegtreffer in der Schlussphase in Rades.

Das Spiel am Freitag in der ägyptischen Hauptstadt wurde zurück ins International Stadium von Kairo verlegt, nachdem es zuvor noch so ausgesehen hatte, als müsse das Spiel der Spiele wegen Überschneidungen im Spielplan in ein kleineres Militärstadion unweit des Flughafens verlegt werden.

Das Kairoer International Stadium ist eigentlich für die bevorstehenden Panarabischen Spiele vorgesehen, aber da Al Ahly vor einem historischen Wurf steht, wurde der Zeitplan geändert, damit 75.000 Zuschauer in der größten Fussballarena des Landes live dabei sein können.