Étoile Sahel hat schon so ziemlich jeden Titel gewonnen, den es im afrikanischen Klubfussball zu gewinnen gibt - einzig ein Erfolg in der AFC Champions League steht bis heute aus.
Am Samstag nimmt der Klub aus der tunesischen Küstenstadt Sousse nun einen weiteren Anlauf zum ersehnten Titelgewinn in der Champions League. Der Gegner im Final-Hinspiel ist allerdings kein Geringerer als Titelverteidiger Al Ahly aus der ägyptischen Hauptstadt Kairo.
Étoile Sahel steht zum dritten Mal in vier Jahren im Finale, doch die beiden bisherigen Anläufe endeten jeweils mit Niederlagen.
Gegen Enyimba zogen die Tunesier 2004 denkbar knapp den Kürzeren: nachdem die regulären Spiele mit einem Gesamtergebnis von 3:3 geendet hatten, unterlag Étoile Sahel im Elfmeterschießen mit 3:5. Zwölf Monate später kam Al Ahly in Sousse zu einem wertvollen 0:0-Unentschieden und setzte sich dann im Rückspiel im eigenen Stadion in Kairo klar mit 3:0 durch.
Zwei Jahre später treffen diese beiden Mannschaften also nun erneut aufeinander.
Fünf Finalteilnahmen in Folge
Insgesamt steht die tunesische Mannschaft im
fünften Jahr in Folge in einem Finale um einen Vereinstitel auf
kontinentaler Ebene.
Denn zusätzlich zu den beiden bereits erwähnten Finalteilnahmen in der CAF Champions League siegte Étoile 2003 im Finale des afrikanischen Pokals der Pokalsieger sowie knapp im Endspiel des neu aufgelegten Afrikanischen Konföderationen-Pokals im vergangenen Jahr. In der Vergangenheit hatte der Klub bereits den nicht mehr existierenden CAF-Pokal und den Afrikanischen Supercup gewonnen.
Die Chance, die Trophäensammlung zu vervollständigen, will sich die Mannschaft auf keinen Fall entgehen lassen, deren Weg ins Finale von äußerster Effizienz geprägt war.
Étoile gewann seine Gruppe in der Ligaphase locker und setzte sich auch im Halbfinale gegen Al Hilal aus dem Sudan durch.
Viele Experten erwarten, dass Al Ahly eher eine Herausforderung auf psychologischer Ebene darstellt, denn ein in sportlicher Hinsicht unüberwindbares Bollwerk. Insofern erscheint es verständlich, dass Trainer Bertrand Marchand in den vergangenen Wochen wieder und wieder betont hat, dass seine Mannschaft keine Angst vor dem Gegner aus Ägypten habe.
Er will offenbar seinen Spielern den festen Glauben vermitteln, dass sie gegen die Mannschaft von Al Ahly gewinnen können, die ihrerseits einen noch nie dagewesenen dritten Titelgewinn in Folge in der Champions League anstrebt.
Heimvorteil nutzen
Das Hinspiel im Olympiastadion von Sousse bietet
für Étoile die Gelegenheit, sich eine gute Ausgangsposition für das
Rückspiel in Kairo im kommenden Monat zu verschaffen.
Ganz besonders wird es dabei auf die Form des jungen Stürmers Amine Chermiti ankommen, der sich in den vergangenen Monaten als aufgehender Stern am afrikanischen Fussballhimmel profiliert hat.
Bei seinen zwei Treffern im Halbfinale gegen Al Hilal zeigte der Spieler, der im Dezember erst 20 wird, eine Intuition und eine Reife, wie sie selbst bei deutlich älteren Spielern selten zu finden sind. Das hat natürlich auch Tunesiens französischer Nationaltrainer Roger Lemerre erkannt, der Chermiti bereits ein Mal in das Nationalteam des Landes berief.
Doch Étoile hat durchaus noch weitere torgefährliche Spieler in seinen Reihen. Nach den ersten sieben Spielen in der tunesischen Meisterschaft ist ausgerechnet Verteidiger Sabeur Ben Frej der erfolgreichste Torjäger der Mannschaft.
Er hat es bereits auf sechs Treffer gebracht, zwei davon verwandelte Elfmeter. Mit entsprechendem Selbstvertrauen geht er in das Champions-League-Finale.
Ironischerweise war es ausgerechnet jener Ben Frej, dessen nicht verwandelter Elfmeter 2004 im Elfmeterschießen Étoile den CAF-Champions-League-Titel kostete. Nun hat er die Gelegenheit, sich zu rehabiliteren.
