Das bevorstehende Finale der CAF Champions League wird ein Treffen alter Bekannter sein, denn nach ihren Halbfinalsiegen am vergangenen Wochenende heißen die Endspielteilnehmer dieses prestigeträchtigen Wettbewerbs erneut Al Ahly und Étoile Sahel. Für das ägyptische Spitzenteam ist es immerhin die dritte Endspielteilnahme in Folge. Der gefürchtete Kontrahent aus Tunesien stand in den letzten vier Jahren drei Mal im Endspiel. Die beiden Mannschaften trafen vor zwei Jahren das letzte Mal aufeinander. Damals erreichte Al Ahly nach Hin- und Rückspiel einen komfortablen 3:0-Sieg. Nach den Leistungen im Halbfinale zu urteilen, dürfte das diesjährige Finale allerdings eine weitaus engere Angelegenheit werden.
Étoile Sahel konnte sich als erstes Team für das Endspiel qualifizieren, nachdem der aufstrebende Jungnationalspieler Amine Chermiti wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, dass in Zukunft auf internationaler Ebene mit ihm gerechnet werden muss. Nachdem ihn Roger Lemerre bereits als einen der Schlüsselspieler im zukünftigen tunesischen Nationalteam bezeichnet hatte, wurde der 19-jährige Chermiti seinem glänzenden Ruf mit zwei Flugkopfballtoren im Halbfinalrückspiel am letzten Samstag vollends gerecht. Die Treffer gegen den sudanesischen Klub Al Hilal waren entscheidend für den Finaleinzug.
Étoile Sahel lag zwar nach dem Hinspiel im vergangenen Monat in Omdurman mit 1:2 zurück, machte jedoch sehr schnell deutlich, dass man diesen Rückstand unbedingt wieder wettmachen wollte. Nach nur 13 Spielminuten war es dann auch Stürmerstar Chermiti, der durch eine glänzende Aktion den 1:0-Führungstreffer für Étoile Sahel erzielen konnte. Er lauerte am langen Pfosten und lenkte Mehdi Meriahs Freistoß dann akrobatisch aus spitzem Winkel ins Tor. Damit sorgte er für Begeisterungsstürme bei den Fans im vollbesetzten Olympiastadion von Sousse.
Nach einem Gewühl im gegnerischen Torraum zu Beginn des zweiten Durchgangs konnte Étoile Sahel die Führung dann sogar ausbauen. Nach dem Treffer mussten jedoch die Zeitlupenwiederholungen herangezogen werden, um den tatsächlichen Torschützen zu ermitteln, da gleich mehrere Spieler das Tor für sich beanspruchten. Nach Auswertung der Fernsehbilder wurde der Treffer schließlich Sadat Bukari zugesprochen, dem ghanaischen Neuzugang vom vergangenen Juni, der einige Zeit gebraucht hatte, um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen.
Es schien, als ob die Tunesier die Partie problemlos nach Hause schaukeln könnten, aber 30 Minuten vor Spielende erzielte Ndubuisi Eze nach einem Abwehrpatzer eines seiner unnachahmlichen Tore. Er löste sich von seinem Bewacher und und schoss mit einem wunderschönen Linksschuss zum Anschlusstreffer ein. Bei diesem Spielstand wäre die Partie in die Verlängerung gegangen, aber Chermiti konnte einmal mehr unter Beweis stellen, dass er der Mann für die spielentscheidenden Momente ist. Er traf aus kurzer Distanz erneut per Kopf. Sein zweiter Treffer sicherte Étoile Sahel den 3:1-Heimsieg und insgesamt einen 4:3-Erfolg.
"Sie sehen einen sehr zufriedenen Trainer", sagte der französische Coach der Tunesier, Bertrand Marchand, nach dem Spiel. "Es war ein harter Kampf, den meine Spieler erfolgreich für sich entschieden haben, nachdem sie drei Tore gegen Al Hilal erzielen konnten, eine Mannschaft, die sich als der erwartet starke Gegner herausgestellt hat. Wir mussten unser ganzes Können aufbieten, stets hellwach sein sowie intelligent und entschlossen agieren, um die starke Defensive der Sudanesen zu knacken. Al Hilal ist eine sehr gut organisierte Mannschaft."
Titelverteidiger zieht ins Finale ein
In Kairo unterdessen musste Manuel Jose, Marchands
Trainerkollege beim ägyptischen Klub Al Ahly, einige
nervenaufreibende Momente überstehen, bevor seine Mannschaft das
Halbfinale gegen den libyschen Verein Al Ittihad für sich
entscheiden konnte.
Nach mehr als 180 Minuten wurde dieser Kampf nämlich durch einen einzigen Treffer entschieden, und zwar durch ein Eigentor, das nach 20 Minuten beim Halbfinalrückspiel am vergangenen Sonntag in Kairo fiel. Bei seinem Abwehrversuch war Hamadi Shabaan, seines Zeichens Verteidiger von Al Ittihad, nicht hoch genug gestiegen. Anstatt einen Freistoß von Gilberto vom Tor wegzulenken, überwand er unglücklich seinen eigenen Torhüter. Das war ein harter Schlag für einen Spieler, der beim unerwarteten Vorstoß seiner Mannschaft in die Runde der letzten Vier (gleichzeitig das beste je erreichte Resultat des libyschen Klubs) zu den Aktivposten von Al Ittihad zählte.
Tatsächlich war Al Ahly seinem Gegner sowohl im Hin- als auch im Rückspiel dieses Halbfinales deutlich überlegen, und die Mannschaft machte stets den Eindruck, als ob sie noch einen oder zwei Gänge zulegen könnte, wenn sie in Bedrängnis geraten würde. In den letzten fünf Spielminuten waren die Spieler von Al Ahly allerdings sichtlich von der Rolle, als Al Ittihad sich plötzlich ein letztes Mal aufbäumte und verzweifelt auf den Ausgleich drängte, der den Libyern aufgrund der Auswärtstorregel den Finaleinzug beschert hätte. Erst nachdem diese letzte nervöse Phase überstanden war, stand der Sieg für den Titelverteidiger schließlich endgültig fest.
Das Final-Hinspiel der CAF Champions League wird am 27. oder 28. Oktober in Sousse ausgetragen. Das Rückspiel findet 14 Tage später in Kairo statt. Die Afrikanische Fussball-Konföderation (CAF) wird die endgültigen Termine und die Anstoßzeiten in den nächsten Tagen festlegen. Der Gewinner der CAF Champions League wird seinen Kontinent bei der im Dezember in Japan stattfindenden FIFA Klub-Weltmeisterschaft vertreten.
