Brasilien vor heimischem Publikum zu schlagen, ist eine fast unmögliche Mission. Die 15 Teams, die zusammen mit dem Gastgeber bei der dritten FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft angetreten sind, mussten hilflos mit ansehen, wie sich der Titelverteidiger Schritt für Schritt zum zweiten Titelgewinn spielte. Der überragende Buru und seine nicht minder glänzenden Adjutanten Bruno, Sidney, Benjamin oder André haben entscheidend dazu beigetragen, dass Brasilien wieder einmal die Trophäe in Händen hält.
Wäre das Turnier immer nach dem gleichen Schema abgelaufen, hätte Brasilien im Endspiel allerdings auf eines der europäischen Schwergewichte Spanien, Frankreich oder Portugal treffen müssen. Stattdessen findet sich aber Mexiko auf der zweiten Stufe des Podiums wieder. Der WM-Neuling hat alle überrascht und ist bis ins Endspiel vorgestoßen. Auf dem Weg ließen die Mexikaner dabei unter anderem Russland, Spanien und Uruguay, das letztes Jahr noch Zweiter wurde, hinter sich. Wer hätte gedacht, dass die Tricolores nicht ganz zwei Jahre nach der 3:23-Demütigung gegen Brasilien auf diesem Niveau spielen würden?
Die Uruguayer, die letztes Jahr noch den zweiten Platz belegt hatten, musste sich dieses Jahr mit der Bronzemedaille zufriedengeben. Hierfür mussten die Celeste im Spiel gegen Frankreich bis an ihre Grenzen gehen. Für die Franzosen hingegen ist das Turnier trotz der Halbfinalteilnahme wohl kaum als Erfolg zu werten. Gleiches gilt für Spanien und Portugal, denen es an Konstanz mangelte, um unter die letzten Vier zu kommen.
Ausgewogenes Verhältnis
Neben der brasilianischen Überlegenheit fällt vor
allem auf, dass die Weltspitze enger zusammengerückt ist. Außer der
Leistung der Mexikaner ist der beste Beleg hierfür wohl das
positive Abschneiden der afrikanischen Teams. Nigeria und Senegal
konnten sich nicht nur für die zweite Runde qualifizieren, sondern
holten auch noch jeweils den Gruppensieg. Dabei konnten sich die
Beach Eagles bei ihrer zweiten WM-Teilnahme gegen Teams
wie Argentinien, Vereinigte Arabische Emirate und Frankreich
behaupten. Neuling Senegal hat sich in der Gruppenphase gegen
Uruguay, Italien und Japan durchgesetzt. Der Traum nahm zwar im
Viertelfinale ein Ende, doch die Turniererfahrung könnte sich auch
in Zukunft bezahlt machen.
Auch für Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate war das Turnier ein Erfolg. Das Team Melli hat Portugal ins Neunmeterschießen gezwungen und einen Prestigeerfolg gegen Spanien gelandet. Die Emirate haben für ihren Teil den Franzosen das Leben im Auftaktmatch schwer gemacht. Lediglich die WM-Neulinge Japan und die Salomon-Inseln haben bei diesem Turnier nicht Fuß fassen können. Talent und Spielwitz verheißen aber durchaus eine goldene Zukunft für diese Mannschaften.
Geheimfavorit Russland konnte indes den hohen Erwartungen nicht ganz gerecht werden. Nach der Niederlage gegen den Finalisten Mexiko haben die Russen allerdings gegen die Salomon-Inseln und vor allem gegen Brasilien noch einmal gezeigt, was in ihnen steckt. Dank der überragenden Reflexe von Andriy Bukhlistskiy auf der Linie und dem Torinstinkt von Kapitän Ilya Leonov musste sich Russland erst im Neunmeterschiessen geschlagen geben.
Alte und neue Gesichter
Auf individueller Ebene hat vor allem Buru dem
Turnier seinen Stempel aufgedrückt. Im Viertelfinale bekam er es
aber mit einem Madjer in Topform zu tun, der nicht nur fünf der
sieben Treffer der Portugiesen erzielte, sondern auch noch einige
schier unglaubliche Geniestreiche zeigte. Der Spanier Amarelle, der
leider zu früh die Heimreise antreten musste, hat andeutungsweise
gezeigt, dass er zu den treff- und ballsichersten Spielern des
Turniers zählte. Daneben hat sich noch die Bedeutung des
uruguayischen Schlussmanns Diego bestätigt, der auf der Linie
glänzte und in der Kabine klare Ansagen machte.
Rio de Janeiro 2007 hat aber auch neue Gesichter
hervorgebracht. Der Mexikaner Morgan Plata hat nicht nur den
Bronzenen Ball und den Silbernen Schuh gewonnen, sondern auch mit
seiner Mannschaft das Finale erreicht. Unter den Entdeckungen des
Turniers ist auch der Senegalese Pape Koukpaki, steter Antreiber
und Torjäger der Senegalesen, der im Viertelfinale schmerzlich
vermisst wurde. Der nigerianische Schlussmann Abdullahi Isa hat in
einer umkämpften Gruppe mit Frankreich und Argentinien gezeigt,
warum er die Nummer eins ist. Auch die Handschuhe des mexikanischen
Torhüters Miguel Estrada haben mehr als eine Glanzparade hinter
sich. Dabei hat der Schlussmann der Mexikaner erst im vergangenen
Juli seine Leidenschaft für diesen Sport entdeckt...
Auf Wiedersehen Rio, Willkommen in Marseille
Während der Kapitän der
Seleção die Trophäe in den Himmel reckte, verabschiedeten
sich die brasilianischen Fansvom Turnier, nachdem sie zehn Tage lang für Stimmung auf den
Tribünen gesorgt hatten. Ein Wiedersehen wird es wohl erst in
einigen Jahren geben.
Nachdem die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft drei Jahre in Folge auf brasilianischem Sand stattfand, macht das Turnier 2008 Station in Marseille und 2009 in Dubai. Aber den brasilianischen Fans werden auch diese Austragungssorte sicher nicht zu weit entfernt sein, so dass wir uns schon jetzt auf die heißen Samba-Rhythmen freuen können.
Auf Wiedersehen Rio. Willkommen in Marseille!
Teilnehmer:
Brasilien, Nigeria, Senegal, Vereinigte Arabische Emirate,
Iran, Japan, Spanien, Italien, Russland, Frankreich, Portugal, USA,
Mexiko, Salomon-Inseln, Uruguay, Argentinien
Abschlusstabelle:
1. Brasilien
2. Mexiko
3. Uruguay
4. Frankreich
Zahl der Tore:
261 (Durchschnitt pro Spiel: 8,16)
Zuschauer:
157.300 (Durchschnitt pro Spiel: 4.916)
Beste Torschützen:
10 Tore : Buru (BRA)
9 Tore: Morgan Plata (MEX)
8 Tore: Bruno (BRA)


