• Emma Hayes ist für die Auszeichnung The Best – FIFA-Welttrainer 2017 – Frauen nominiert
  • Die 40-jährige Londonerin hat mit Chelsea zwei Mal die englische Meisterschaft gewonnen
  • Hayes spricht über ihre Liebe zum Trainerberuf und Londons enorme Leidenschaft für den Fussball

Emma Hayes wurde für den Job als Trainerin geschaffen, davon ist sie heute überzeugt. "Schon in der Schule habe ich mich immer sehr engagiert und beispielsweise bei Sportfesten Aufgaben übernommen, die organisatorische Aufgaben und die Weitergabe von Wissen mit sich brachten", so die heutige Trainerin der Chelsea Ladies. "Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, irgendetwas anderes zu machen."

Während sie also heute überzeugt ist, für den Trainerjob geschaffen zu sein, schien dies früher keineswegs der Fall zu sein. "Als ich aufwuchs habe ich nicht einmal davon geträumt, dass dies ein möglicher Karriereweg für mich sein könnte", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Ich liebte Fussball und spielte leidenschaftlich, aber mehr als ein Hobby war es damals nicht. Außerdem gab es damals noch keine Frauen, die damit ihren Lebensunterhalt verdienten."

Der Wendepunkt kam, als sich die damals 17-Jährige eine schwere Knöchelverletzung zuzog und das Fussballspielen aufgeben musste. "Ich war am Boden zerstört. Aber letztlich hat mich diese Verletzung auf die Trainerbank geführt."

Hayes wollte unbedingt weiter im Fussball tätig sein und erwarb eine Trainerqualifikation nach der anderen. Die Liste wurde im Laufe der Zeit immer beeindruckender. Sie war gerade erst Anfang 20, als sie eine mutige Entscheidung traf, die ihre Karriere maßgeblich beeinflussen sollte: "Ich kratzte tausend Pfund zusammen, schnappte mir einen Rucksack und ging nach Amerika.

Damals gab es in England noch nicht viele Möglichkeiten. Ich ging mit dem festen Vorsatz dorthin, einen Job zu finden", erklärt sie.

"'Sie können es glauben oder nicht – damals hatte ich den Traum, Trainerin der U.S.-Frauen-Nationalmannschaft zu werden. Ein ganz schön hoch gestecktes Ziel! Dazu ist es nicht gekommen. Aber dass ich dort gearbeitet habe und sehen konnte, wie Frauen im Fussball etwas erreichten, hat mich inspiriert. Ich habe dort viel schnellere Fortschritte gemacht, als es irgendwo sonst möglich gewesen wäre. Als ich 25 war, trainierte ich schon halbprofessionelle Teams. Ich habe Amerika eine ganze Menge zu verdanken."

Auch bei Chelsea dürfte man für die Ausbildung dankbar sein, die Hayes in Amerika genoss und die sie zu einer der führenden Trainerinnen im Frauenfussball machte. Dass die 40-Jährige nicht nur dank der von ihren Teams gewonnenen Titel zur weltweiten Trainerelite gehört, wurde vor wenigen Wochen mit der Nominierung für die Auszeichnung The Best – FIFA-Welttrainer – Frauen gewürdigt.

Hayes empfindet diese Nominierung als "große Ehre", doch es ist nicht das Streben nach Ruhm und Ehre, das sie dazu bewegt, ihrem Job treu zu bleiben. "Der beste Aspekt der Arbeit als Trainer? Das sind die Menschen", sagt sie, ohne zu zögern. "Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten." Es ist ein anspruchsvoller Job, mit dem man das Leben anderer Menschen – hoffentlich zum Besseren – beeinflussen kann. Diesen Aspekt genieße ich sehr.

"Wenn man Mädchen sieht, die für ihr Land spielen und Medaillen und Titel gewinnen, nachdem sie so viele Hürden überwunden haben, dann empfindet man eine enorme Befriedigung."

Hayes über die Einflüsse anderer Trainerinnen und Trainer

Tony DiCicco: "Ich hatte das Glück, Tony zu meinen Kollegen und Freunden zu zählen. Er gehörte zu den Wegbereitern des Frauenfussballs, er war ein großartiger Mensch und für mich ein hervorragender Lehrer und Mentor."

Vic Akers: "Vic war im Frauenfussball seiner Zeit ein gutes Stück voraus. Er hat schon professionelle Standards angesetzt, als die Spielerinnen noch keine Profis waren. Ich hatte das Glück, bei Arsenal als seine Assistentin zu arbeiten."

José Mourinho: "Ich habe großen Respekt vor seiner Einstellung und seiner Fähigkeit, seine Taktik von Spiel zu Spiel anzupassen."

Arsène Wenger: "Er hat eine Spielweise entwickelt, die sich hinter keiner anderen verstecken muss. Mit seiner Kreativität hat er mich stark beeinflusst. Ich bewundere ihn sehr."

Antonio Conte: "Ich habe glücklicherweise miterlebt, wie er hier bei Chelsea ein neues System und eine neue Arbeitsweise eingeführt hat. Den besten bei der Arbeit zusehen zu können, gehört zu den Privilegien dieses Jobs."

Hayes über London als Gastgeber der The Best FIFA Football Awards:
"Ich bin stolze Londonerin und finde es großartig. London ist eine Stadt, in deren Herz Fussball einen großen Platz einnimmt. Das wurde mir schon früh klar, als ich immer wieder in anderen Stadien war. In der einen Woche war ich bei den Queens Park Rangers, in der nächsten dann in Barnet und in der nächsten wieder irgendwo anders. In jedem Stadtbezirk steht ein Fussballklub im Mittelpunkt. London mag eine riesige Weltstadt sein, doch der Fussball hat hier in der Kultur immer noch eine sehr einflussreiche Stellung."