60 Sekunden. Eine Minute. Innerhalb dieser Zeitspanne erlebte Venezuela eine Achterbahnfahrt der Gefühle von Freude zu Verzweiflung und von Verzweiflung zu absolutem Glück.

In dieser Zeit war La Vinotinto für das Viertelfinale der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016 qualifiziert, ausgeschieden und wieder qualifiziert. Es gab zwei spektakuläre Tore, zwei Jubelszenen, einen Wechsel und ein kleines Wunder.

Denn als Alexandra Takounda in der 93. Minute der Partie zwischen Venezuela und Kamerun per Hacke den 1:1 Ausgleich erzielte, waren die Venezolanerinnen, die unbedingt einen Sieg brauchten, aus dem Turnier ausgeschieden. Und es blieb nur eine Minute, um das Ergebnis zu drehen.

Dann schlug die Stunde von Deyna Castellanos. Ihr Traumschuss aus dem Mittelfeld segelte direkt ins Netz, löste völlige Begeisterung aus und bescherte Venezuela endgültig das Ticket ins Viertelfinale.

"Mit so einem Tor die nächste Runde einer WM zu erreichen - natürlich ist es eines der schönsten Momente meiner Karriere", sagt Castellanos fast ein Jahr nach diesem 3. Oktober 2016 zu FIFA.com. Es war ein Treffer, der das Weiterkommen sicherte (Anm. d. Red.: Venezuela erreichte am Ende den vierten Rang), zum Tor des Turniers gewählt wurde und nun für den FIFA Puskás-Preis nominiert ist.

In unserem Überblick über die zehn nominierten Tore wollen wir auf die Geschichte dieses Treffers zurückzukommen. War er ein improvisierter Geniestreich? Keineswegs.

Der Glaube eines Trainers
Kaum dass Deyna das Tor erzielt hatte, rief der venezolanische Trainer Kenneth Zseremeta: "Ich habe es dir gesagt! Ich habe es dir gesagt!" Der Adressat der Ausrufe war Tato Celis, der Pressechef des Teams, der einige Tage zuvor seine Überraschung darüber zum Ausdruck gebracht hatte, dass Castellanos und ihre Mitstreiterinnen regelmäßig Schüsse aus dem Mittelfeld trainierten.

Der Wechsel
Wenn jemand in diesem Moment der höchsten Spannung für Venezuela die Verantwortung übernehmen musste, dann natürlich die Kapitänin und Anführerin des Teams. Aber Castellanos brauchte eine Komplizin. Eine Mitspielerin, die ihr das Spielgerät adäquat auflegt. Diese Mitspielerin war Nohelis Coronel, die von der Reservebank aufsprang und aufs Spielfeld beordert wurde, um ihre Mission zu erfüllen. "Nohelis sagte zu mir: 'Wo willst du den Ball hinhaben?'. Ich zeigte ihr es an und sie legte ihn mir perfekt vor."

Meisterhaftes Ballgefühl 
Der Ablauf jenes Tores hat sich in das Gedächtnis von Castellanos eingeprägt. "Ich erinnere mich genau. 93. Minute. Wir kassieren den Ausgleich und es musste eine Möglichkeit geben, um Venezuela zu retten. Ich glaube, dieses Traumtor verdankt sich dem vielen Training und dem Selbstvertrauen, das ich in mich selbst habe."

Wird Castellanos zu den Finalisten für den FIFA Puskás-Preis zählen? Die Entscheidung liegt in den Händen der FIFA.com-User. Stimmen Sie jetzt für Ihr Lieblingstor!