Der vergangene 17. August begann wie jeder andere Tag, bis das Mobiltelefon von Deyna Castellanos klingelte.

"Ich war beim Frühstück vor dem Training mit dem Team im Saal der Physiotherapie, als mich ein Tweet von FIFA.com mit der Nominierung erreichte. Nachdem ich ihn gelesen hatte, war ich ganz aufgeregt. Ich schrie und lief um die Liegen herum. Meine Kameradinnen fragten mich, warum ich rumschreie!"

Mit ihren 18 Jahren war die Venezolanerin gerade zur jüngsten Spielerin avanciert, die je für die Auszeichnung The Best - FIFA-Weltfussballerin nominiert wurde. Daraufhin erzählte sie die gute Nachricht ihrem Trainer bei den Florida State Seminoles und rief natürlich zu Hause an. "Meine Mutter sagte, sie ist die stolzeste Mutter der Welt".

Ab dem Moment begann der Wahnsinn.

"Die erste Woche nach der Nominierung war... Viele gaben mir gleich nach Beginn der Wahl ihre Stimme. Alle meine Teamkameradinnen und der Trainerstab stimmten ab. Sie sagten: 'Gut, ich stimme für dich und dann erst für Carli Lloyd', denn die meisten meiner Mitspielerinnen sind Amerikanerinnen." Deyna kann das Lachen nicht zurückhalten.

"Ich muss immer lachen, wenn ich daran denke, dass ich neben Spielerinnen wie Carli Lloyd nominiert worden bin! Es ist ein nervöses Lachen, denn ich hätte nie gedacht, dass so etwas so früh passieren würde. Ich bin total begeistert."

Um dies zu verstehen, muss man auf 2016 zurückblicken. Deyna brillierte bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Jordanien, und FIFA.com befragte sie nach ihren Favoriten für die The Best FIFA Football Awards™.

 

 

Weniger als ein Jahr später überraschte die venezolanische Stürmerin erneut die ganze Welt - und sich selbst. "Ich habe noch keine U-20-WM gespielt, geschweige denn eine WM der Erwachsenen. Ich bin noch nicht einmal in einer Profiliga aktiv (Anm. d. Red.: Die Seminoles spielen in der Universitätsmeisterschaft der USA) oder in der Champions League. Nichts von alledem. Jetzt schon unter den zehn Nominierten zu stehen, ist unglaublich. Das bedeutet mir viel und ist eine große Verantwortung, denn es ist nicht nur ein Traum. Die Möglichkeit, diesen Preis gewinnen zu können, motiviert mich, weiter zu arbeiten und mich anzustrengen."

Am wenigsten überrascht ist hingegen ihr 'Pate' Juan Arango. Der beste Spieler in der Geschichte Venezuelas wagte schon vor einigen Monaten die Prognose: "In nicht allzu ferner Zeit wird sie zweifellos die beste Spielerin der Welt sein. Für mich ist sie die logische Nachfolgerin von Marta oder Carli Lloyd".

Und was sagt Deyna dazu? "Marta war immer mein größtes Vorbild. Wenn gesagt wird, dass ich ihre Nachfolgerin bin und das Gleiche schaffen kann wie sie, ist das genial. Juan freut sich sehr über die Nominierung, und wie immer sagt er: 'gut, mein Patenkind, jetzt wollen wir noch mehr.'"

Doch nun muss erst der 22. September abgewartet werden. Dann steht fest, ob Deyna es unter die drei Finalistinnen auf die Auszeichnung geschafft hat und zur Gala am 23. Oktober in London reist. Bis dahin wartet sie darauf, dass erneut ihr Mobiltelefon klingelt, und sie gibt offenherzig zu: "Natürlich habe ich mir schon ausgemalt, wie es auf der Gala sein könnte. Vielleicht noch nicht jetzt, aber in ein paar Jahren." Und sie lacht erneut.

Ein kometenhafter Aufstieg:

2017: Wahl zur besten Spielerin der Saison in der United Women's Soccer League und in die beste Elf der Liga.